In den letzten Tutorials haben wir uns ja um das Zusammenspiel von richtiger Blende, ISO und Verschlusszeiten gekümmert. Also im weitesten Sinne darum, unsere Fotos mit der richtigen Helligkeit (Intensität) zu belichten. Beim Thema Licht und Fotografie reicht es aber nicht aus, sich nur damit zu befassen, wie hell es im Moment der Aufnahme ist, auch die Farbtemperatur des Lichtes spielt eine sehr wichtige Rolle für ein gutes Foto.

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Farbtemperatur

Der Begriff der Farbtemperatur stammt aus der Physik. Gemessen wir diese in Kelvin, die so angegebene Temperatur entspricht der Wärme, die ein komplett schwarzes Objekt haben müsste, um in einer entsprechenden Farbe zu leuchten. Hier mal ein Beispiel, was für eine Farbe welche Wärme benötigt:

 

Um ein noch etwas besseres Gefühl oder eine Vorstellung davon zu bekommen, welche Lichtsituation welchem Kelvin-Wert entspricht, haben wir noch eine weitere Grafik als Beispiel aus dem Benutzerhandbuch der Canon EOS M5, die wir vor Kurzem getestet haben, in dieses Tutorial eingefügt.

Neben der eigentlichen Quelle des Lichtes haben aber auch noch alle umgebenden Flächen Einfluss auf die Farbe, die man am Ende wahrnimmt. So kommt z. B. das Sonnenlicht häufig nicht ungefiltert auf der Erde an, sondern erhält eine unterschiedliche Färbung durch Wolken und Luftzusammensetzung.

Uns Menschen fällt dies aber in der Regel nicht besonders auf, da unser Gehirn mit einer Art automatischem Weißabgleich ausgestattet ist. So sehen für uns die Seiten eines Buches in der Mittagssonne am Strand genauso weiß aus wie abends unter dem künstlichen Licht einer Glühbirne.

Weißabgleich in einer Digitalkamera

Etwas anders sieht das Thema in der Fotografie aus. In der analogen Zeit gab es hier verschiedene Filmtypen für entsprechende Lichtsituationen. Hatte mal also den Kunstlichtfilm eingelegt und wollte Landschaftsfotos machen war dies ein Problem.

Dies hat sich im Zeitalter der Digitalkameras komplett erledigt. Die heutigen Kameras sind in der Lage per Software einen Bildbereich zu ermitteln, der (nahezu) weiß ist bzw. der eine neutrale Graufläche darstellt. Daraus versucht die Kamera die Farbtemperatur zu errechnen, die eine neutrale Wiedergabe des Bildes ohne Farbstich ermöglicht. Es gibt nur noch wenige Ausnahmefälle, wie z. B. in absolutem Dämmerlicht, in denen die Automatiken aktueller Systemkameras nicht richtig funktionieren. Diese Einstellungen zum Weißabgleich finden sich in den Kameramenüs unter dem Kürzel „AWB“ (autotmatic white balance) oder „WB“ für white Balance.

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Einstellmöglichkeiten

An aktuellen Kameras gibt es in der Regel hier diverse Einstellmöglichkeiten. Neben der reinen Automatik gibt es (immer) noch div. Einstellungen wie Kunstlicht, Blitz, Sonne, etc. Hier wählt man über den entsprechenden Menüpunkt eine feste Farbtemperatur vor, die die Kamera dann für alle Motive verwendet, solange bis ein anderer Wert eingestellt wird. In der Praxis ein Vorgehen, dass man sehr selten nutzen wird. Es gibt wenige Situationen, in denen es sich empfiehlt hier eine manuelle Vorgabe in der Kamera fest einzustellen. Ein Beispiel ist das Arbeiten mit einem Blitz in Räumen mit zusätzlicher Beleuchtung. Hier kann der automatische Weißabgleich oft nicht genau erkennen, welche Lichtfarbe man abbilden möchte und so zu gelbe Fotos erzeugen. Dies ist eine der wenigen Situationen, wo sich die Kameravoreinstellung für „Blitz“ besser eignet als die Automatik.

Schon interessanter sind die Optionen den automatischen Weißabgleich anzupassen oder manuell vorzugeben. Die Sensoren der einzelnen Hersteller tendieren manchmal zu leichten Farbstichen, die vielleicht nicht dem eigenen Geschmack entsprechen. Hier bieten eigentlich alle aktuellen Kameras die Möglichkeit, den automatischen Weißabgleich entsprechend dem eigenen Farbempfinden ein wenig anzupassen.

Wer schon beim Fotografieren eine exakte Farbwiedergabe erzielen möchte, der wird seinen Weißabgleich manuell vornehmen. Auch diese Funktion sollte sich in den Menüs aller aktuellen Kameras finden. Für den manuellen Abgleich muss man sich eine Fläche suchen, die Weiß oder Neutralgrau ist. Hier könnte man schnell auf die Idee kommen einfach ein Blatt Papier zu verwenden, oft sind hier aber optische Aufheller enthalten und man bekommt einen Gelb- oder Blaustich. Das bessere Werkzeug ist hier eine Graukarte, die es im Foto-Fachhandel zu kaufen gibt. Damit lässt sich am besten eine individuelle Einstellung des Weißabgleichs vornehmen, in dem man dies formatfüllend ablichtet und den so erzielten Wert abspeichert.

In der Praxis ist dies aber auch eher umständlich, außer man fotografiert unter künstlichen, sich nicht verändernden Lichtverhältnissen, z. B. im Fotostudio. Trotzdem ist eine Graukarte eine gute Anschaffung, mehr dazu in unserem Fazit am Ende.

Nachträglicher Weißabgleich

Wie man also sieht, sind die ganzen Einstellmöglichkeiten innerhalb der Kameras doch recht umständlich und eher für spezielle Anwendungsfälle geeignet.

In der Regel findet das Thema Weißabgleich daher heute viel mehr in der Software zur nachträglichen Bildbearbeitung statt. Jedes aktuelle Programm bietet hier die Möglichkeit, den automatischen Weißabgleich, den die Kamera gewählt hat noch einmal zu korrigieren, falls es doch zu Farbstichen oder einer nicht ansprechenden Darstellung des Motivs gekommen ist.

 

JPG versus RAW

Ein ganz entscheidender Punkt an dieser Stelle ist aber, in welchem Bildformat man seine Fotos aufgenommen hat. Einer der Vorteile einer Systemkamera ist, dass diese neben dem Standard JPG-Format auch das Aufzeichnen digitaler Negative, die als RAW-Dateien bezeichnet werden, ermöglicht.

Der Unterschied zwischen den beiden Formaten besteht darin, dass beim Erzeugen einer JPG-Datei, in der Kamera die aktuellen Einstellungen bezüglich Schärfe, Belichtung und eben auch des Weißabgleichs von dem Bildprozessor in ein komprimiertes Bild hineingerechnet werden und nachträglich am Computer nur noch korrigiert werden können, in dem die Bildpunkte im Foto neu berechnet werden, was in der Regel mit Qualitätsverlusten verbunden ist.

Im RAW-Format speichert die Kamera das Bild zwar mit der gewählten Blende, Verschlusszeit und ISO ab. Der gewählte Weißabgleich, Schärfekorrekturen und andere Bearbeitungsschritte werden aber nicht in das Bild hinein gerechnet und die Kameras zeichnen dies nur als zusätzliche Informationen zu den eigentlichen Bildrohdaten auf. Eine RAW-Datei bietet damit am Computer viel größere Möglichkeiten zur nachträglichen Korrektur.

So kann der Weißabgleich in einem RAW-Konverter wie z. B. Adobe Lightroom komplett nachträglich am Computer angepasst werden – auch mit allen in der Kamera zur Verfügung stehenden Vorgaben.

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Fazit

Die Automatiken in einer modernen Systemkamera arbeiten heute in den meisten Lichtsituationen fast fehlerfrei. Wer ein optimales Ergebnis für bestimmte Motivsituationen erzielen will, der sollte über den Kauf einer Graukarte nachdenken. Man kann so vor dem eigentlichen Motiv zunächst immer ein Bild inkl. der Graukarte anfertigen und das möglichst im RAW-Format. Damit kann dann im Nachgang am Computer ganz einfach ein eventueller Farbstich entfernt werden.

Tutorial abgeschlossen!

Tipp!

Unter dem Tag #MeS findest Du noch viele weitere hilfreiche Anleitungen, mit dem das Entdecken deiner Kamera zu einem Kinderspiel wird.

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Bildquelle Farbskala: Wikimedia