Nachdem wir im ersten Teil die Unterschiede zwischen Smartphone- und Systemkamera-Fotografie behandelt haben, möchten wir im zweiten Teil unser Tutorialreihe „MeS – Meine erste Systemkamera“ einmal die wichtigsten Features und Bedienelemente einer Systemkamera vorstellen. Dabei werden wir kurz auf diverse Bedienelemente und Einstellungen eingehen, aber auch versuchen einige technische Elemente vorzustellen, die sich heute in nahezu jeder modernen Systemkamera finden.

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Sucher und Display

Ein zentraler Unterschied zu einer Kompaktkamera bzw. einem Smartphone ist die Möglichkeit Motive per Sucher zu erfassen und somit nicht nur auf dem Display/Touchscreen. Wobei genau beim Thema Sucher zurzeit eine der größten Verschiebungen auf dem aktuellen Kameramarkt stattfindet. Seit Jahrzehnten ist der Sucher in einer Kamera ein optisches Bauteil gewesen, das über einen Spiegel umgelenkt, das aktuelle Motiv zeigt. Um das Sucherbild blenden die Hersteller der klassischen DSLR-Systeme diverse zusätzliche Informationen wie die Belichtungs- und Verschlusszeit, ISO-Einstellungen, etc.ein, das Bild, das man sieht, entspricht aber immer genau dem, was das Auge wahrnimmt und nicht wie das Motiv später von der Kamera ausgezeichnet wird. Auch bei der Beurteilung der Schärfe des gewählten Motives sieht man nur einen Teil der Wahrheit. Scharf oder unscharf kann man im Sucher beurteilen, wie die Tiefenschärfe in Bezug auf die Blendeneinstellung und Qualität des Objektives auf dem Foto später aussieht, erkennt man aber nicht.

An dieser Stelle beginnt der Siegeszug aktueller spiegelloser Systemkameras. Im Sucher dieser Kameramodelle wir ein elektronisches Bild angezeigt, genau so, wie es die Kamera auf der Speicherkarte ablegt. Man sieht also direkt beim Anvisieren eines Motivs, ob die Farben oder die Belichtung stimmen und auch die Schärfenerteilung lässt sich zumindest teilweise beurteilen, da das Sucherbild in der Regel doch recht klein ist. Waren die elektronischen Sucher eher noch ein Schwachpunkt der ersten spiegellosen Systemkameras, hat sich die Technik in Bezug auf Auflösung, Farbwiedergabe und Bildwiederholfrequenzen in den letzten Jahren in großen Schritten weiterentwickelt, sodass die Sucher aktueller Kamerasysteme mit denen der DSLR’s heute mehr als mithalten können. Erste spiegellose Modellreihen werden sogar schon von Profifotografen, auch in der Studioarbeit oder in der Sport- und Actionfotografie, genutzt.

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Im Gegensatz zur Weiterentwicklung im Bereich der Sucher gibt es bei der zweiten Möglichkeit ein Motiv einzufangen, nämlich dem Display auf der Kamerarückseite, immer noch Entwicklungsbedarf. Hier haben die Kamerahersteller zwar in den letzten Jahren von der stetigen Entwicklung im Bereich der Smartphone-Touchscreens ein Stück weit profitiert: Betrachtungswinkel, Helligkeit und Farbdarstellung stellen demnach bei allen Kameras kein Problem mehr dar. Die Verwendung von Touchdisplays ist aber immer noch kein Standard und dort wo sie eingesetzt werden, verfügen diese sehr selten über ähnlichen Bedienkomfort, wie man ihn von seinem Smartphone gewöhnt ist. Auch die Verstellbarkeit und Schwenkbarkeit der Displays gehört immer noch nicht bei allen Kameras zur Grundausstattung, selbst bei hochpreisigen DSLR’s halten diese Features erst nach und nach Einzug.

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Bedienelemente

Über welche Bedienelemente sollte eine gute Systemkamera oder DSLR verfügen? Völlig banal beginnt dies mit dem Auslöser. In Kombination mit dem Handgriff einer Kamera ein sehr wichtiges und zentrales Element. Die Auslöser bestehen heute alle aus elektronischen Bauteilen, trotzdem ist eine komfortable Griffposition und ein gut abgestimmter und angeordneter Auslöser eine Grundvoraussetzung einer guten Kamera, um diese auch über einen längeren Zeitraum in der Hand halten zu können, im richtigen Moment ein Motiv scharf zu stellen und den Auslöser zu betätigen. In der Regel stellt eine Systemkamera per Autofokus ein Motiv scharf, wenn man den Auslöser zur Hälfte betätigt. Hier gibt es auch bei den aktuellen Kameras durchaus noch Unterschiede und Modelle, die schlecht abgestimmte Bauteile verwenden, sodass man den Punkt zwischen scharf stellen und auslösen erst mit einiger Übung richtig trifft.

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Weitere wichtige Bedienelemente sind die diversen Einstellräder. Hier findet sich an jeder Kamera ein Wahlrad für die verschiedenen Programmmodi. Neben der Auswahl der Programm-, Blenden- oder Zeitautomatik haben die verschiedenen Hersteller den Zugriff auf die Motivprogramme der Kameras meist hier platziert. Je nach Ausstattung und Wertigkeit findet man auf der rechten Kameraseite in der Nähe des Auslösers noch ein oder zwei Wahlräder, mit denen sich verschiedene Funktionen aufrufen lassen. Diese können in der Regel im Menü der jeweiligen Kamera noch für die unterschiedlichen Programmmodi eingestellt werden, hierüber lassen sich je nach Modus und Voreinstellung die Blende, die Verschlusszeit, die ISO-Einstellung oder auch die Belichtungskorrektur verändern.

Neben diesen grundlegenden Steuerelementen finden sich an einer aktuellen Kamera noch diverse weitere Funktionstasten mit der sich z. B. das Kameramenü, die Bildvorschau oder individuell eingestellte Funktionen aufrufen lassen. Hier ist die Vielfalt echt riesig und jeder Hersteller hat hier sein eigenes Konzept und mehr oder weniger übersichtliches Menüsystem zur individuellen Anpassung der eigenen Kamera.

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Systeme in der Kamera

Neben dem Bildsensor und dem Prozessor, die für die Auflösung und Qualität der gemachten Bilder zuständig sind, gibt es noch einige weitere wichtige Bestandteile einer Systemkamera, die für gute Fotos entscheidend sind. Aktuell große Aufmerksamkeit bekommen die immer besser werdenden Bildstabilisatoren. Hier gibt es unter den Herstellern zurzeit zwei verschiedene Ansätze. Zum einen setzten einige Marken wie Nikon, Canon oder Fujifilm auf Stabilisatoren, die in den Objektiven verbaut sind. Andere wie Sony, Olympus oder Panasonic haben einen eingebauten Bildstabilisator direkt im Kameragehäuse platziert und setzen in den ganz aktuellen Modellen seit Neuestem auf eine Kombination aus beiden Systemen. So gelingen mit einer Systemkamera nicht nur aufgrund der besseren Bildsensoren auch noch Fotos unter ungünstigen Lichtbedingungen. Moderne Bildstabilisatoren ermöglichen das Fotografieren mit drei bis vier Blendendstufen mehr, ohne ein Stativ gegen das Verwackeln der Bilder, nutzen zu müssen.

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Ein großes Thema in der Entwicklung von Systemkameras sind die Autofokussysteme. Hier hatten über Jahrzehnte die Spiegelreflexkameras mit ihrem sogenannten Phasen-Autofokus klar die Nase vorn. Bei diesem System wird durch den Sucher ein zusätzlicher Autofokussensor mit Phasen-Detektion eingesetzt, der mit einer einzigen Messung ermitteln kann, in welcher Richtung der Fokussiermotor im Objektiv laufen muss. Außerdem ermöglichen diese Sensoren eine bessere Voraussage, in welche Richtung sich ein Motiv bewegen wird. Damit haben Spiegelreflexkameras heute z. B. in der Sport- und Actionfotografie immer noch ein ziemliches Monopol.

Erst langsam kommen hier auch technische Lösungen für spiegellose Kamerasysteme auf den Markt, die vergleichbare Ergebnisse möglich machen. Spiegellose Kameras setzten dabei auf einen Kontrast-Autofokus. Dabei wird der Kontrast auf dem Sensor gemessen, den man auch für die Bildaufnahme nutzt und es wird somit kein zusätzlicher AF-Sensor benötigt. Ein großer Nachteil dieses Systems war, dass quasi in einer Art Try and Error mehrere Messungen notwendig sind, bis der optimale Schärfenpunkt gefunden ist. Diesen Geschwindigkeitsnachteil haben die immer schnelleren Prozessoren und die neuesten CMOS-Sensoren aber heute fast ausgeglichen, sodass moderne Kontrast-Autofokus-Systeme heute in der Regel schon schneller als viele Phasen-AF Systeme in einer DSLR sind. Um auch die letzte Bastion der Spiegelreflexkameras im Bereich der Sport- und Actionfotografie zu stürmen, haben die Hersteller wie Fujifilm oder Olympus ein Hybrid-Autofokus genanntes System entwickelt, hierbei wird der Kontrast-AF um eine Phasen-Detektion auf dem Bildsensor ergänzt und die Kameras wechseln selbstständig je nach Motiv und Beleuchtungssituation das Fokussiersystem.

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Zubehör und Anbauteile

Letzter Teilbereich, auf den wir noch kurze eingehen wollen, ist das Zubehör und die Komponenten, die an einer Systemkamera ausgewechselt werden können.

Die Bilder in den Kameras werden auf Speicherkarten mit immer schnelleren Schreib- und Lesegeschwindigkeiten und einer immer größeren Kapazität erfasst. In der Regel verfügt eine Kamera über einen Slot für SD oder eine CF-Speicherkarte. Bedingt durch die immer größeren Datenmengen für 4K-Video oder auch die immer größer werdenden Bilddateien, finden sich zunehmend immer mehr neue Kameras mit jeweils zwei Kartenslots am Markt.

Weiter werden in Systemkameras Akkus zur Stromversorgung eingesetzt, die sich einfach wechseln lassen. Hier gibt es nach wie vor große Unterschiede zwischen Spiegelreflex und spiegellosen Kameras. Mit einem Akku in einer DSLR schafft man locker 1.000 Bilder und mehr, bei einer DSLM reicht ein Akku in der Regel gerade einmal für maximal 300-400 Bilder, sodass Ersatzakkus hier eigentlich zum Lieferumfang gehören sollten. Ohne mindestens ein bis zwei weitere Akkus sollte man mit einer aktuellen DSLM-Kamera jedenfalls nicht auf Motivsuche gehen.

Den größten Unterschied zu Smartphones und Kompaktkameras haben wir uns bis zum Schluss aufgehoben, die Möglichkeit verschiedene Objektive an einer Systemkamera zu verwenden. Hier bieten heute sowohl die Kamerahersteller wie auch diverse Drittanbieter ein riesiges Sortiment an verschiedensten Brennweiten, Lichtstärken und Spezialobjektiven. Um hier die verschiedenen Konzepte und Möglichkeiten ein wenig näher zu erklären, möchten wir diesem Thema einen eigenen Artikel in unserer Tutorialreihe widmen und werden uns im nächsten Teil ausführlich mit dem Thema Objektive für Einsteiger beschäftigen.

Tutorial abgeschlossen!

Tipp!

Unter dem Tag #MeS findest Du noch viele weitere hilfreiche Anleitungen, mit dem das Entdecken deiner Kamera zu einem Kinderspiel wird.

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