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App Kompass: Twitch KI-Training – Copilot verliert Funktionen, YouTube zählt neu




Redaktion









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8 Min. Lesezeit

Transparenzhinweis: Affiliate-Links enthalten – Details am Artikelende.

Twitch gibt Kanalinhalte standardmäßig für das Training generativer -Modelle von Amazon frei, während Microsoft seine beiden Copilot-Welten zusammenführt und dabei mehrere bekannte Funktionen beendet. Gleichzeitig verändert YouTube die öffentliche Bedeutung eines Aufrufs, X legt weitere Teile seines Empfehlungsalgorithmus offen, Claude darf im Chrome-Browser selbstständig handeln und das Pokémon Center warnt nach einem Angriff auf seinen Logistikpartner vor abgeflossenen Kundendaten.

Beim Twitch KI-Training fällt die entscheidende Handlung zunächst den Nutzerinnen und Nutzern zu: Wer nicht möchte, dass Streams, Aufzeichnungen, Clips, Bilder, Texte und Teile des Chats in die Weiterentwicklung generativer Amazon-Modelle einfließen, muss die neue Freigabe selbst deaktivieren. Damit wird eine Einstellung zum wichtigsten Thema dieser Woche, die im Menü unscheinbar wirkt, für Streamer, Moderatoren und aktive Chatteilnehmer aber langfristige Folgen haben kann.

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Twitch KI-Training: Wer nichts ändert, bleibt freigeschaltet

Twitch hat in seinen Kontooptionen einen neuen Schalter für das Training generativer KI-Modelle eingeführt. Er befindet sich unter „Einstellungen“, „ und Datenschutz“ und trägt die Bezeichnung „Training for Generative AI“. Nach den Angaben in der zugehörigen Hilfe können unter anderem der eigentliche Livestream, der Stream-Chat, gespeicherte Videos, Clips, Highlights sowie Texte und Bilder eines Kanals für künftige Verbesserungen von Amazon-Modellen verwendet werden. Die Einstellung ist als Opt-out angelegt: Wer nicht aktiv widerspricht, lässt die betreffenden Kanalinhalte grundsätzlich freigeschaltet.

Besonders weit reicht die Regelung beim Chat. Schreibt jemand in einem fremden Stream, entscheidet nicht die Einstellung des eigenen Kontos, sondern die Freigabe des jeweiligen Kanals darüber, ob diese Nachricht in Trainingsmaterial einfließen darf. Ein Streamer kann den eigenen Kanal also abmelden, ohne dadurch automatisch zu verhindern, dass eigene Beiträge in anderen Chats verwendet werden. Außerdem betrifft der Schalter ausschließlich das Training generativer Modelle. Funktionen wie automatische Untertitel, Moderationssysteme oder andere maschinell unterstützte Twitch-Dienste können weiterhin mit Nutzerdaten arbeiten.

Wer widersprechen möchte, sollte den Schalter möglichst zeitnah deaktivieren. Twitch formuliert die Wirkung ausdrücklich mit Blick auf zukünftiges Training; eine Zusage, bereits verwendete Inhalte nachträglich aus trainierten Modellen zu entfernen, ist damit nicht verbunden. Eine besondere Ausnahme für Deutschland oder die Europäische Union nennt Twitch in seiner Hilfe nicht. Ob die Opt-out-Konstruktion in jeder Hinsicht mit europäischen Datenschutz- und Transparenzanforderungen vereinbar ist, lässt sich aus der Ankündigung allein jedoch nicht ableiten.

Hauptquelle: Twitch-Hilfe zu den Kontoeinstellungen und dem KI-Training
Weitere Quelle: TechRadar zur standardmäßigen Freigabe und zum Ausschalten der Funktion

Microsoft vereinheitlicht Copilot – und beendet mehrere Funktionen

Microsoft führt die bisher getrennten Copilot- und Microsoft-365-Copilot-Apps zu einer gemeinsamen Anwendung zusammen. Nutzer können sich dort mit einem privaten Microsoft-Konto, einem Geschäfts- oder Schulkonto oder mit beiden Kontoarten anmelden, wobei die jeweiligen Unterhaltungen und Daten nach Angaben des Unternehmens weiterhin voneinander getrennt bleiben sollen. Auf Mobilgeräten und im Web hat die Umstellung bereits begonnen; die Desktop-Apps für Windows und sollen im weiteren Verlauf folgen.

Der Umbau ist allerdings nicht nur kosmetischer Natur. Seit dem 18. August sind die bisherigen Group Chats und die Podcast-Funktion nicht mehr verfügbar. Inhalte aus Gruppenchats, darunter Nachrichten und geteilte Bilder, werden nicht in die neue Umgebung übernommen. Auch erstellte Podcasts lassen sich nach dem Ende der Funktion nicht mehr aufrufen. Anders sieht es bei Deep Research für Privatkunden aus: Die Funktion wird zwar ebenfalls eingestellt, bestehende Rechercheberichte sollen aber im Chatverlauf erhalten bleiben und können weiterhin geöffnet oder als Word-Dokument gesichert werden. Microsoft verweist für neue umfangreiche Recherchen auf den „Researcher“, der jedoch ein Microsoft-365-Premium-Abonnement voraussetzt.

Geteilte und von Copilot erzeugte Dateien werden künftig stärker an OneDrive gebunden. Wer dadurch zusätzlichen Speicherplatz benötigt, muss gegebenenfalls ein kostenpflichtiges Speicher- oder Microsoft-365-Angebot buchen. Der grundlegende Copilot-Chat bleibt kostenlos, unterliegt ohne Abonnement jedoch weiterhin Kapazitäts- und Nutzungslimits.

Hauptquelle: Microsoft: Änderungen an Copilot und der Microsoft-365-Copilot-App
Weitere Quelle: GeekWire zum schrittweisen Rollout der gemeinsamen Copilot-App

YouTube zählt ab dem 24. August bereits den Videostart als Aufruf

YouTube passt seine öffentliche View-Zählung an die Logik an, die Nutzer bereits von TikTok, Instagram und YouTube Shorts kennen. Ab dem 24. August soll ein Aufruf gezählt werden, sobald die Wiedergabe eines Videos beginnt. Die bisherige, strengere Messung verschwindet nicht vollständig, sondern wird in YouTube Analytics als „Engaged View“ weitergeführt.

Für Zuschauer klingt das nach einem kleinen technischen Detail, für Creator und Werbekunden verändert sich jedoch die Interpretation sichtbarer Reichweite. Öffentliche Aufrufzahlen dürften nach der Umstellung schneller steigen, obwohl daraus nicht automatisch eine längere Wiedergabezeit oder ein höheres Interesse folgt. Werte aus der Zeit vor und nach dem Stichtag sind deshalb nur eingeschränkt miteinander vergleichbar. Nach Angaben von YouTube ändert sich an der Monetarisierung und den Voraussetzungen für das YouTube-Partnerprogramm nichts; dafür bleiben weiterhin qualifizierte Wiedergaben beziehungsweise tatsächlich erreichte Wiedergabezeiten entscheidend. Eine regionale Beschränkung auf einzelne Länder wurde nicht angekündigt.

Hauptquelle: Offizielle YouTube-Ankündigung zur neuen View-Zählung
Weitere Quelle: The Verge zur neuen Bedeutung eines YouTube-Aufrufs

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X öffnet weitere Teile seines Algorithmus – aber nicht alle

X hat den veröffentlichten Code seines „Für dich“-Feeds deutlich erweitert. Das Repository enthält nun zusätzliche Konfigurationsparameter, Teile der Sichtbarkeitsfilter, Trainingscode für das Phoenix-Modell und weitere Systeme, mit denen Beiträge außerhalb der eigenen Abonnements gefunden und anschließend einsortiert werden. Sichtbar wird damit unter anderem, dass nicht einfach Likes, Meldungen oder geteilte Beiträge gegeneinander aufgerechnet werden: Das System prognostiziert für jeden Nutzer verschiedene mögliche Handlungen und kombiniert diese Wahrscheinlichkeiten zu einer individuellen Bewertung.

Parallel erprobt X das Transparenzwerkzeug „Under the Hood“. Es soll zusammengefasste Informationen über Kennzeichnungen liefern, die einem Konto oder dessen Beiträgen zugeordnet wurden und die Sichtbarkeit begrenzen können. Das ist mehr Transparenz als bisher, aber noch kein allgemein verfügbarer „Shadowban-Detektor“: Zum Start wird die Funktion nur mit einer begrenzten Gruppe älterer, regelmäßig aktiver Konten getestet, die Auswertung erfolgt teilweise als technische JSON-Datei und bestimmte Regeln bleiben bewusst unveröffentlicht, damit sie nicht gezielt umgangen werden können. Ob und wann deutsche Konten Zugriff erhalten, ist noch nicht bestätigt.

Wie stark solche Sortierentscheidungen die Wahrnehmung eines Feeds prägen, ohne im Alltag unmittelbar sichtbar zu werden, zeigt auch unser Hintergrundstück „Kopf im Feed: Endloses Scrollen – Warum wir so schwer aufhören können“.

Hauptquelle: Offener Quellcode des „Für dich“-Algorithmus von X
Weitere Quelle: TechCrunch zum „Under the Hood“-Test und seinen Einschränkungen

Claude Cowork übernimmt die Seitenleiste von Chrome

Anthropic verwandelt seine bisherige Chrome-Erweiterung in eine vollständige Claude-Cowork-Sitzung. Der Assistent kann den Inhalt der geöffneten Webseite erfassen, Links anklicken, Text eingeben, durch Seiten navigieren und Formulare mit bereits vorhandenen Anmeldungen bedienen. Unterhaltungen werden im Claude-Konto gespeichert und lassen sich anschließend über Web, Desktop oder Mobilgerät fortsetzen; auch eingerichtete Skills und verbundene Dienste sollen in der Browserumgebung zur Verfügung stehen.

Die Funktion ist zunächst für Max- und Team-Abonnements verfügbar und wird schrittweise für Pro-Konten freigeschaltet. In Unternehmen bleibt sie standardmäßig deaktiviert, bis Administratoren sie freigeben und gegebenenfalls auf ausgewählte Domains beschränken. Unterstützt wird derzeit nur Google Chrome, nicht die mobile Chrome-Version oder automatisch jeder andere Chromium-Browser.

Mit den zusätzlichen Möglichkeiten wächst das Risiko unbeabsichtigter Aktionen. Anthropic warnt selbst davor, dass versteckte Anweisungen auf Webseiten einen Browserassistenten beeinflussen können. Auch im Modus für automatische Freigaben soll Claude bei Käufen oder bei der Übermittlung persönlicher Daten noch einmal nachfragen, vollständig ausschließen lassen sich Manipulationen durch sogenannte Prompt Injections jedoch nicht. Nutzer sollten Cowork deshalb nur auf benötigten Seiten einsetzen, angeforderte Aktionen kontrollieren und eine dauerhafte Freigabe sensibler Konten vermeiden.

Hauptquelle: Anthropic: Claude Cowork in der Chrome-Seitenleiste

Künftige Claude-Texte erhalten ein unsichtbares Wasserzeichen

Anthropic will Texte zukünftiger Claude-Modelle mit einem statistischen Wasserzeichen versehen, um Transparenzvorgaben des europäischen AI Acts zu erfüllen. Dabei werden weder unsichtbare Sonderzeichen noch persönliche Identifikationsdaten eingefügt. Stattdessen beeinflusst das System innerhalb bestimmter Grenzen die Auswahl geeigneter Wörter, sodass eine spätere Analyse ein statistisches Muster erkennen kann. Weil sich eine dauerhafte Trennung nach Regionen technisch nur schwer sicherstellen lasse, soll das Verfahren weltweit eingesetzt werden.

Ein sicherer Urhebernachweis entsteht dadurch nicht. Bei kurzen Texten, nüchternen Fakten, Programmcode oder geringfügigen Korrekturen ist das Signal schwächer, während umfangreiche Überarbeitungen das Muster teilweise oder vollständig entfernen können. Ein angekündigter Detektor soll daher lediglich eine Wahrscheinlichkeit für die Beteiligung von Claude liefern. Für erzeugte Bilddateien setzt Anthropic stattdessen auf C2PA-Metadaten. Bereits veröffentlichte ältere Modelle erhalten eine Übergangsfrist; die Umstellung soll in den kommenden Monaten erfolgen.

Hauptquelle: Anthropic zur Einführung statistischer Wasserzeichen in Claude-Texten

Pokémon Center: Daten deutscher Kunden könnten abgeflossen sein

Nach einem Cyberangriff auf den Logistikdienstleister CEVA Logistics informiert das Pokémon Center Kundinnen und Kunden in Deutschland und Großbritannien über möglicherweise offengelegte Bestelldaten. Betroffen sein können Namen, Anschriften, Telefonnummern, E-Mail-Adressen und Informationen über bestellte Artikel. Zugangsdaten zu Pokémon-Konten und Zahlungsinformationen sollen nach bisherigem Stand nicht zu den entwendeten Daten gehören. Gleichzeitig wurden einzelne Bestellungen storniert oder verzögert.

Das größte unmittelbare Risiko sind glaubwürdig wirkende Phishingnachrichten, weil Kriminelle theoretisch eine echte Bestellung, die richtige Adresse oder den Namen des Empfängers nennen könnten. Betroffene sollten Lieferstatus und Erstattungen deshalb ausschließlich über die offizielle Seite prüfen, keine überraschenden Zoll- oder Nachzahlungsforderungen über Links in E-Mails oder SMS begleichen und bei telefonischen Rückfragen keine Kontodaten oder Bestätigungscodes weitergeben.

Hauptquelle: BleepingComputer zum Datenleck beim Pokémon Center
Weitere Quelle: TechRadar zu den Folgen für deutsche und britische Kunden

Fazit der Woche

Die auffälligste Gemeinsamkeit dieser Woche besteht darin, dass Plattformen ihre Systeme tiefgreifend verändern, während die Verantwortung für Kontrolle und Einordnung zunehmend bei den Nutzern landet. Twitch verlangt einen aktiven Widerspruch gegen das KI-Training, Microsoft beendet Funktionen innerhalb einer gerade erst vereinheitlichten Copilot-Umgebung, YouTube macht sichtbare Reichweite großzügiger, ohne die wirtschaftlich entscheidenden Messgrößen gleichermaßen zu verändern, und X liefert zwar mehr Transparenz, hält aber weiterhin Teile seiner Moderations- und Empfehlungssysteme zurück. Bei Claude wiederum werden Browserautomatisierung und nachträgliche Erkennbarkeit von KI-Texten gleichzeitig ausgebaut, während das Pokémon-Center-Datenleck zeigt, wie schnell ein externer Dienstleister zum Sicherheitsrisiko für einen Onlineshop und seine Kunden werden kann.

Wer diese Woche nur drei Dinge erledigt, sollte die Twitch-Einstellung kontrollieren, wichtige Copilot-Inhalte sichern beziehungsweise deren Verfügbarkeit prüfen und bei Nachrichten zu Pokémon-Center-Bestellungen besonders misstrauisch bleiben. Alle kommenden Ausgaben bündelt GadgetChecks in der Kategorie App Kompass.

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