UGREEN NAS: WLAN vs. 2,5-GbE-LAN am DH4300 Plus – Tutorial
Für die laufende Tutorial-Reihe setzt das NAS-Team auf aktuelle Modelle von UGREEN und arbeitet dabei mit den Systemen DXP4800 Plus (Review), DXP 4800 Pro (Review) und DH4300 Plus.(Review) sowie dem KI-NAS iDX6011 Pro (Review) Als Speichermedien kommen Festplatten aus den Serien Seagate IronWolf sowie Western Digital Red Plus zum Einsatz, die sich im bisherigen Einsatz als zuverlässige Wahl erwiesen haben und bereits vorab empfohlen werden können.
Im ersten Teil des Vergleichs stand die Frage im Mittelpunkt, ob WD Red Plus und Seagate IronWolf im DH4300 Plus messbar unterschiedlich arbeiten. Das Ergebnis: Im RAID-5-Verbund über 2,5-GbE-LAN verschwinden die Unterschiede bei sequenziellen Transfers fast vollständig. Das Netzwerk setzt die Grenze, nicht die einzelne HDD.
Dieser zweite Teil dreht die Perspektive um. Wenn zwei unterschiedliche NAS-Festplatten im Alltag nahezu gleich schnell wirken, wird die Netzwerkanbindung zur entscheidenden Größe. WLAN, 2,5-GbE-LAN und Inter-VLAN-Routing verändern die Praxisleistung stärker als der Wechsel zwischen WD Red Plus und Seagate IronWolf.
Ziel des Tutorials
Dieses Tutorial zeigt, wie stark sich die Netzwerkanbindung auf Dateiübertragungen zum DH4300 Plus auswirkt. Verglichen werden WLAN und 2,5-GbE-LAN anhand derselben RAID-5-Konfiguration, derselben Testdateien und derselben SMB-Freigabe. Ziel ist eine realistische Einordnung: Wann reicht WLAN aus, wann lohnt sich LAN und warum VLAN-Routing bei SMB-Transfers schnell zum versteckten Flaschenhals wird.
Voraussetzungen
Die Messungen gelten für einen UGREEN NASync DH4300 Plus mit vier identischen NAS-HDDs im RAID-5-Verbund. Getestet wurde per SMB-Freigabe mit einem Beelink SER5 als Testrechner und lokaler NVMe-SSD als Quelle bzw. Ziel. Die Testdaten entsprechen dem ersten Teil:
- ein Film als große Einzeldatei mit rund 21 GB
- ein Ordner mit 6.528 kleineren Dateien und 7,57 GB Gesamtgröße
- CrystalDiskMark 9 mit 3 Durchläufen, 8 GiB, Profil „All“, MB/s
- Grafana-Monitoring mit Netzwerkdurchsatz, Disk-I/O, Disk Busy, CPU, SoC-Temperatur und RAM-/Cache-Nutzung
Die WLAN-Werte beschreiben eine konkrete Heimnetz-Situation. Andere Standorte, Access Points, Wandstärken oder Funkkanäle können deutlich andere Werte erzeugen. Genau das ist Teil der Aussage: WLAN ist nicht nur langsamer als 2,5-GbE-LAN, sondern auch stärker von der Umgebung abhängig.
Testaufbau und Methodik
Für den Vergleich wurden dieselben Kopiertests zweimal ausgeführt: einmal über WLAN und einmal über 2,5-GbE-LAN im selben Netzwerksegment. NAS und Testrechner griffen jeweils auf dieselbe SMB-Freigabe zu. Die Quelle war immer die lokale NVMe-SSD des Testrechners, nicht eine zweite Freigabe auf dem NAS.
Die Grafana-Screenshots zeigen nicht nur eine Zahl, sondern den Verlauf: Netzwerkdurchsatz, Gesamt-I/O, Disk Busy, CPU-Last und RAM-/Cache-Verhalten. Das ist besonders bei WLAN-Transfers wichtig, weil die Funkkurve selten als gleichmäßiger Balken läuft. Sie schwankt, bricht zeitweise ein oder startet mit einem Peak und fällt danach auf ein niedrigeres Plateau.
Die Werte sind Praxiswerte inklusive SMB-Stack, NAS-Cache, Windows-Dateisystem-Overhead und normalem Netzwerkverhalten. Sie ersetzen kein Labor mit abgeschirmter Funkumgebung, zeigen aber genau das, was im Alltag zählt: wie schnell Dateien tatsächlich auf dem NAS landen oder von dort zurückkommen.
CrystalDiskMark: WLAN deckelt schon den synthetischen Test
CrystalDiskMark zeigt den Unterschied zwischen WLAN und 2,5-GbE-LAN besonders kompakt. Als Beispiel dient hier der WD-Red-Plus-Verbund, weil derselbe Test in beiden Netzwerkvarianten als direkter Zahlenvergleich vorliegt. Über WLAN erreicht der RAID-5-Verbund sequenziell rund 64 MB/s lesend und knapp 80 MB/s schreibend. Das ist für viele Alltagsszenarien brauchbar, liegt aber weit unter dem, was der Verbund über LAN leisten kann.

WD Red Plus im RAID-5-Verbund: über WLAN → SEQ1M Q8T1 ~64/80 MB/s, Q1T1 ~42/43 MB/s. über 2,5-GbE-LAN → SEQ1M Q8T1 ~296/293 MB/s.
Über 2,5-GbE-LAN springt derselbe Test auf rund 296 MB/s lesend und 293 MB/s schreibend. Damit ist nicht die HDD der begrenzende Faktor, sondern das Netzwerkinterface. Der Unterschied zwischen WLAN und LAN ist größer als der Unterschied zwischen WD Red Plus und Seagate IronWolf, wie ihn der erste Teil dieser Serie gezeigt hat.
Die Seagate-IronWolf-Messungen bestätigen dieses Muster. Über 2,5-GbE-LAN lagen die CrystalDiskMark-Werte praktisch auf demselben Niveau wie bei der WD Red Plus; über WLAN bestimmt wieder die Funkstrecke den Verlauf. Für Teil 2 ist deshalb nicht die Plattenmarke die Aussage, sondern der Abstand zwischen Funknetz und kabelgebundenem 2,5-GbE-LAN.
Für die Einordnung reicht dieser Test bereits aus: Wer große Dateien regelmäßig überträgt, erreicht per LAN eine andere Leistungsklasse. WLAN ist nicht grundsätzlich unbrauchbar, schiebt die Grenze aber deutlich nach unten.
Große Datei schreiben: WLAN schwankt, LAN läuft als Plateau
Der Kopiertest mit einer großen Filmdatei zeigt den Unterschied noch deutlicher. Beim Schreiben von PC zu NAS über WLAN erreicht der WD-Red-Plus-Verbund anfangs hohe Werte, fällt danach aber auf ein unruhigeres Plateau zurück. Der Netzwerkdurchsatz bewegt sich grob zwischen 60 und 80 MB/s mit sichtbaren Schwankungen.

WD Red Plus, große Datei PC → NAS über WLAN: Netzwerkdurchsatz mit Peak um 80 MB/s und längeren Phasen um 60-65 MB/s.
Über 2,5-GbE-LAN sieht derselbe Transfer völlig anders aus. Der Netzwerkdurchsatz steigt schnell an und bleibt nahe am Interface-Limit. Die CPU-Last liegt zwar höher, weil RAID 5 Parität berechnet, bleibt mit rund 40 % aber unkritisch.

WD Red Plus, große Datei PC → NAS über 2,5-GbE-LAN: Netzwerkdurchsatz ~285-295 MB/s, CPU-Last max. 40,2 %, SoC-Temperatur max. 45,3 °C.
Bei der Seagate IronWolf zeigt sich dasselbe Grundmuster: Über WLAN begrenzt die Funkverbindung, über 2,5-GbE-LAN bewegt sich der Verbund nahe am Interface-Limit. Die Messung dient hier nicht dazu, WD und Seagate erneut gegeneinanderzustellen, sondern zeigt denselben Netzwerkeffekt mit dem zweiten Plattensatz.

Seagate IronWolf, große Datei PC → NAS über WLAN: Netzwerkdurchsatz überwiegend im Bereich um 60-75 MB/s, mit sichtbaren Schwankungen.

Seagate IronWolf, große Datei PC → NAS über 2,5-GbE-LAN: ~260-280 MB/s Netzwerkdurchsatz.
Für Backups großer Dateien, Videoarchive oder ISO-Sammlungen ist das der entscheidende Unterschied. WLAN funktioniert, aber LAN reduziert Wartezeit deutlich und liefert den berechenbareren Verlauf. Unterschiede zwischen einzelnen WLAN-Kurven sollten dabei nicht als Plattencharakter gelesen werden: Funkverbindungen sind variabel, und dieselbe Messung kann je nach Umgebung anders aussehen.
Große Datei lesen: Rückrichtung ist nicht automatisch identisch
Beim Lesen vom NAS zurück auf den PC zeigt sich ebenfalls der Netzwerkcharakter. Über WLAN läuft der WD-Red-Plus-Verbund zunächst um 60-67 MB/s, fällt später aber auf phasenweise 40-45 MB/s ab. Solche Verläufe sind typisch für reale Funkverbindungen: Das Ergebnis hängt nicht nur vom NAS ab, sondern auch von Signalqualität, Client, Access Point und aktueller Funkumgebung.

WD Red Plus, große Datei NAS → PC über WLAN: anfänglich ~60-67 MB/s, später Phasen um 40-45 MB/s.
Über 2,5-GbE-LAN bleibt der Lesetest stabil nahe der maximal nutzbaren Bandbreite. Der Netzwerkdurchsatz liegt nahe 300 MB/s, und es ist nicht erkennbar, dass das Plattenmodell die Grenze setzt.

WD Red Plus, große Datei NAS → PC über 2,5-GbE-LAN: Netzwerkdurchsatz nahe 300 MB/s, Gesamt-Lese-I/O etwa 270-280 MB/s.
Für Medienwiedergabe ist der Unterschied oft weniger dramatisch, weil ein einzelner 4K-Stream deutlich weniger Bandbreite benötigt. Für große Rücksicherungen, Videoprojekte oder regelmäßige Dateiexporte vom NAS auf den PC macht er sich dagegen sofort bemerkbar.
Kleine Dateien: Das Netzwerk ist nicht der einzige Bremsfaktor
Kleine Dateien verhalten sich anders als ein großer Film. Der Transfer besteht aus vielen Einzelzugriffen, Dateisystemoperationen und Zugriffen auf Metadaten. Dadurch sinkt die Übertragungsrate auch im LAN deutlich. Der Netzwerkstandard löst das Problem nicht vollständig, nimmt aber eine wesentliche Bremse aus dem Weg.
Beim Schreiben kleiner Dateien über WLAN liegt der WD-Red-Plus-Verbund im Netzwerkdurchsatz grob bei 18 bis 21 MB/s. Der Gesamt-Schreib-I/O schwankt stärker als beim Film, weil viele kleine Einzeloperationen statt eines gleichmäßigen Datenstroms anfallen.

WD Red Plus, kleine Dateien PC → NAS über WLAN: ~18-21 MB/s Netzwerkdurchsatz, unruhiger Schreibverlauf.
Über 2,5-GbE-LAN steigt der Wert auf ~85-90 MB/s Netzwerkdurchsatz und rund 105-110 MB/s Gesamt-Schreib-I/O. LAN hilft erheblich, aber kleine Dateien bleiben auch im schnellen Netzwerk anspruchsvoller als eine Einzeldatei.

WD Red Plus, kleine Dateien PC → NAS über 2,5-GbE-LAN: ~85-90 MB/s Netzwerkdurchsatz, Gesamt-Schreib-I/O ~105-110 MB/s.
Beim Lesen kleiner Dateien fällt der Unterschied ebenfalls auf. Über WLAN liegt der Durchsatz bei ~21 bis 24 MB/s, über LAN deutlich höher. Netzwerk, SMB, Cache und mechanische Zugriffe wirken hier zusammen.

WD Red Plus, kleine Dateien NAS → PC über WLAN: ~21-24 MB/s Netzwerkdurchsatz.

WD Red Plus, kleine Dateien NAS → PC über 2,5-GbE-LAN: Peak ~70 MB/s.
Für Fotosammlungen, Smartphone-Backups und Projektordner ist das praxisrelevant. WLAN reicht für gelegentliche Sicherungen, aber LAN macht größere Ordner spürbar berechenbarer.
Die gezeigten WD-Screenshots stehen in diesem Abschnitt exemplarisch für den Netzwerkeffekt. Die Seagate-Messungen zeigen dieselbe Richtung: WLAN begrenzt und schwankt stärker, LAN hebt den Durchsatz deutlich an, kleine Dateien bleiben aber anspruchsvoller als ein großer sequenzieller Transfer.
Inter-VLAN-Routing: Der versteckte Flaschenhals
Eine Besonderheit zeigte sich im Testaufbau mit VLAN-Segmentierung: Sobald der SMB-Verkehr zwischen NAS und PC über das Gateway lief, fiel der Durchsatz trotz durchgehend 2,5-GbE-fähiger Hardware auf etwa 34 bis 56 MB/s. Die Platten und der NAS-Verbund waren dabei nicht der Engpass.
VLANs bleiben für Homelab-Setups sinnvoll, etwa zur Trennung von Clients, Servern und IoT-Geräten. Für große Dateiübertragungen ist aber entscheidend, welchen Weg der Datenstrom nimmt. Muss jeder SMB-Transfer durch das Gateway, kann dessen Routing-Leistung zur eigentlichen Begrenzung werden.
Für belastbare NAS-Benchmarks sollten NAS und Haupt-Client deshalb im selben Netzwerksegment liegen oder über eine Infrastruktur verbunden sein, die Inter-VLAN-Traffic mit voller Geschwindigkeit bewältigt. Niedrige SMB-Kopierwerte sind sonst schnell ein Netzwerkbefund, kein Urteil über HDDs oder NAS-Leistung.
Wann reicht WLAN, wann lohnt sich LAN?
Für Medienstreaming ist WLAN in vielen Heimnetzen ausreichend. Ein einzelner 4K-Stream benötigt selten mehr als 12 MB/s. Das liegt klar unter den gemessenen WLAN-Werten, solange die Funkverbindung stabil ist. Wenn der Client weit vom Access Point entfernt steht oder das WLAN stark ausgelastet ist, sinkt nicht nur die Geschwindigkeit, sondern auch die Vorhersagbarkeit.
Für große Backups, Videos und Projektordner ist 2,5-GbE-LAN die deutlich schnellere und stabilere Verbindung. Der Unterschied zeigt sich nicht nur in Spitzenwerten, sondern in der Gleichmäßigkeit der Übertragung. WLAN-Transfers schwanken; LAN-Transfers laufen als Plateau.
Bei vielen kleinen Dateien ist die Lage gemischter. LAN ist auch hier schneller, aber die Transferleistung bleibt deutlich unterhalb des Film-Tests. Das liegt am Zugriffsmuster: viele Operationen, viele Metadaten, keine kontinuierliche Schreiblast. Ein schnelleres Netzwerk hilft, löst das Grundproblem aber nicht vollständig.
Foto-Bibliotheken und Arbeitsordner profitieren besonders von stabiler LAN-Anbindung. Die gefühlte Geschwindigkeit entsteht nicht nur aus der maximalen MB/s-Zahl, sondern aus gleichmäßigem Zugriff ohne Funkabbrüche oder schwankende Kanalqualität.
Für den DH4300 Plus ist 2,5-GbE-LAN der sinnvolle Maßstab, wenn die NAS-Leistung bewertet werden soll. WLAN bewertet in erster Linie die Funkstrecke. Genau deshalb kann ein NAS über WLAN langsam wirken, obwohl der RAID-Verbund über LAN problemlos mehrere hundert MB/s schafft.
Fazit
Der Vergleich zeigt: Im Heimnetz entscheidet die Netzwerkanbindung oft stärker über die NAS-Performance als die Festplatte. WD Red Plus und Seagate IronWolf liefern im RAID-5-Verbund über 2,5-GbE-LAN sehr ähnliche Ergebnisse. Über WLAN verschwinden diese Unterschiede ohnehin, weil die Funkverbindung früher begrenzt.
Für große Dateien ist 2,5-GbE-LAN die deutlich schnellere und stabilere Verbindung. Für kleine Dateien bleibt der Transfer anspruchsvoller, profitiert aber ebenfalls spürbar vom kabelgebundenen Netzwerk. VLAN-Routing kann zusätzlich bremsen und sollte bei niedrigen SMB-Werten immer mitgedacht werden.
Die wichtigste praktische Regel: Erst die Netzwerkanbindung prüfen, dann über HDD-Leistung urteilen. Ein NAS, das über WLAN oder geroutete VLANs langsam wirkt, kann im direkten 2,5-GbE-LAN trotzdem genau die Leistung liefern, die seine Hardware erwarten lässt.
Tutorial-Abschluss
Nach Teil 1 und Teil 2 ist die Einordnung vollständig: Die Wahl zwischen WD Red Plus und Seagate IronWolf entscheidet im DH4300 Plus nur in Randbereichen über die Praxisleistung. Der größere Hebel liegt im Netzwerk.
Für belastbare eigene Tests gilt: dieselben Testdateien verwenden, Schreib- und Leserichtung trennen, WLAN und LAN nicht vermischen, VLAN-Routing bewusst prüfen und Messwerte immer im Zusammenhang mit Netzwerk, SMB und Cache interpretieren.
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