KOMPASS
ChatGPT Sponsored Agents starten als Werbe-Chat – Threads und Notion bauen ihre Werkzeuge aus
ChatGPT Sponsored Agents machen aus einer Anzeige einen eigenen Dialog mit dem werbenden Unternehmen. Statt lediglich auf ein Banner oder einen Produktlink zu klicken, sollen Nutzer Fragen stellen, Angebote näher prüfen und sich durch das Sortiment führen lassen können. OpenAI testet diese Werbe-Unterhaltungen zunächst ausschließlich mit ausgewählten Anzeigenkunden in den USA. In Deutschland ist die Funktion bislang nicht angekündigt.
Auch andere Dienste bauen ihre Rolle deutlich aus: Threads will zur Anlaufstelle für Podcasts werden, Notion speichert wiederverwendbare Arbeitsanweisungen für KI-Agenten, Dropbox rückt direkt in die Dateibibliothek von ChatGPT und Reddit testet zusammengefasste KI-Antworten innerhalb seiner Suche. Google Sheets wiederum verdoppelt seine maximale Tabellenkapazität und bringt die Gemini-Analyse auf Android-Geräte.
Berichtszeitraum: 10. bis 17. September 2026 · Redaktionsschluss: 17. September 2026, Europa/Berlin
ChatGPT Sponsored Agents trennen Werbegespräche vom normalen Chat
Sponsored Agents erscheinen nicht ungefragt als Gesprächspartner in einem laufenden Chat. Nach der derzeitigen Beschreibung beginnt der Dialog erst, wenn ein Nutzer auf eine Anzeige klickt und sich bewusst dafür entscheidet, mit dem gesponserten Agenten zu sprechen. Die Unterhaltung soll als Werbung gekennzeichnet sein und getrennt von der ursprünglichen ChatGPT-Konversation sowie von den unabhängigen Antworten des Assistenten bleiben.
Der Unterschied zu einer gewöhnlichen Produktanzeige liegt in der möglichen Tiefe des Kontakts. Interessiert sich jemand beispielsweise für ein Möbelstück, kann der gesponserte Agent Fragen zu Abmessungen, Varianten oder Pflege beantworten und anschließend zur Website des Unternehmens weiterleiten. Damit wird die Anzeige selbst zu einem interaktiven Beratungskanal, dessen Antworten allerdings weiterhin von einem Anbieter mit unmittelbarem Verkaufsinteresse stammen.
Für Nutzer wird diese Abgrenzung entscheidend. Eine Kennzeichnung zeigt zwar, dass es sich um Werbung handelt, sagt aber noch nichts über Vollständigkeit, Vergleichbarkeit oder Neutralität der Antworten aus. Preisangaben, Lieferbedingungen, Vertragslaufzeiten und Produkteigenschaften sollten deshalb weiterhin auf der eigentlichen Angebotsseite kontrolliert und bei größeren Anschaffungen mit unabhängigen Quellen verglichen werden.
OpenAI macht in der Ankündigung keine konkreten Angaben dazu, wie lange Unterhaltungen mit Sponsored Agents gespeichert werden, in welchem Umfang sie zur Personalisierung späterer Anzeigen dienen oder welche zusätzlichen Daten der jeweilige Werbekunde erhält. Solange diese Punkte offenbleiben, sollten Nutzer in einem solchen Dialog keine sensiblen persönlichen Informationen, vertraulichen Dokumente oder unnötig genaue Angaben über ihre finanzielle Situation übermitteln.
Auf der Unternehmensseite führt OpenAI zugleich neue Werkzeuge für die Erstellung und Verwaltung von Anzeigen ein. Kampagnen lassen sich über natürlich formulierte Anweisungen bearbeiten und analysieren, während eine optionale Textanpassung vorhandene Überschriften und Beschreibungen an den Gesprächskontext oder die bevorzugte Sprache des Nutzers anpassen kann. HubSpot erhält eine direkte Anbindung an ChatGPT Ads; eine Shopify-App startet zunächst für Händler in den USA und soll ab dem 23. September in weiteren Märkten folgen, in denen ChatGPT Ads verfügbar sind. Daraus folgt noch kein bestätigter Start für Deutschland.
Hauptquelle: OpenAI zur Einführung von Sponsored Agents und den neuen ChatGPT-Ads-Werkzeugen
Threads baut Podcasts zu einem eigenen Inhaltsbereich aus
Threads versucht, Podcast-Empfehlungen aus vereinzelten Beiträgen in eine zusammenhängende Funktion zu verwandeln. Produzenten können ihr Format über Banner im Profil und in Beiträgen hervorheben, eine bevorzugte Folge auswählen und Podcast-Links als direkt antippbare Karten veröffentlichen. Hinzu kommen Beitragskarten für Gäste, Transkriptausschnitte und Videosequenzen.
Für Hörer ist vor allem die Möglichkeit interessant, gefundene Episoden innerhalb von Threads zu speichern. Dadurch müssen Empfehlungen nicht mehr sofort in einer anderen Podcast-App gesucht oder über Lesezeichen gesichert werden. Threads wird damit allerdings nicht selbst zum vollständigen Wiedergabedienst: Die neuen Werkzeuge strukturieren Auffindbarkeit, Empfehlungen und Gespräche rund um Podcasts, ersetzen aber keine Podcast-App mit Downloads, Warteschlange und Abonnementverwaltung.
Produzenten können sich auf Wunsch an neue Folgen erinnern lassen und in den Podcast Insights sehen, wie viele Aufrufe, Klicks und gespeicherte Episoden Threads vermittelt. Meta bezeichnet die Funktionen als seit dem 16. September laufenden Rollout, nennt in der Ankündigung jedoch weder konkrete Länderlisten noch besondere Kontovoraussetzungen. Deshalb lässt sich noch nicht garantieren, dass sämtliche Werkzeuge sofort bei jedem deutschen Konto erscheinen.
Hauptquelle: Meta über die neuen Podcast-Werkzeuge in Threads
Notion 3.7 macht gute KI-Anweisungen im Team wiederverwendbar
Notion 3.7 führt sogenannte Skills ein. Dahinter stehen wiederverwendbare Anweisungen, mit denen ein Notion-Agent etwa Dokumente nach festen Kriterien prüfen, Stellenbeschreibungen nach einer internen Vorlage entwerfen oder wiederkehrende Berichte in der gewohnten Struktur erzeugen kann. Die Anweisung muss dadurch nicht bei jeder Aufgabe neu formuliert werden.
Mehrere Skills lassen sich in einer gemeinsamen Bibliothek beziehungsweise einer Notion-Datenbank verwalten und mit bestimmten Teams teilen. Wird eine Anweisung zentral aktualisiert, greifen die Beteiligten anschließend auf dieselbe Fassung zurück. Aus einer persönlichen Sammlung guter Eingaben entsteht damit ein verwaltbares Arbeitsmittel, das allerdings auch gepflegt werden muss: Veraltete Regeln oder missverständlich formulierte Vorgaben können sich sonst ebenso zuverlässig vervielfältigen wie sinnvolle Abläufe.
Bemerkenswert ist der geplante Weg aus Notion heraus. Skills lassen sich als Datei mit zugehörigen Hilfsmitteln exportieren und unter anderem in Claude Code, Codex, Cursor, Gemini oder Grok verwenden. Notion kennzeichnet später geänderte Fassungen, synchronisiert sie aber nicht automatisch mit jeder externen Anwendung. Wer einen exportierten Skill nutzt, muss daher weiterhin kontrollieren, ob lokal die aktuelle Version vorliegt.
Zur Ausgabe gehören außerdem eine eigenständige Notion-Agents-App für das iPhone, die Möglichkeit, Unteragenten mit abgegrenzten Aufgaben einzusetzen, und zusätzliche Verbindungen zu Diensten wie GitHub oder Amplitude. Die frei konfigurierbaren MCP-Verbindungen befinden sich laut Notion in einer Beta für Business- und Enterprise-Tarife. Änderungen in verbundenen Diensten sollen erst nach einer Bestätigung ausgeführt werden.
Hauptquelle: Notion: Neuerungen in Version 3.7
Dropbox erscheint direkt in der ChatGPT-Dateibibliothek
Dropbox-Dateien können nach dem Verbinden des Kontos unmittelbar über die ChatGPT-Bibliothek gesucht, ausgewählt und in einer Unterhaltung erwähnt werden. Auch zuletzt verwendete Dateien und Ordner lassen sich durchsuchen. Videos können neben dem Chat als Vorschau geöffnet werden, ohne sie zunächst manuell herunterzuladen und erneut hochzuladen.
Die Integration geht damit über den bisherigen Aufruf der Dropbox-App per Erwähnung hinaus. Projektunterlagen, frühere Fassungen, Rückmeldungen und ergänzende Dokumente können gemeinsam als Kontext für eine Aufgabe ausgewählt werden. Erstellte Ergebnisse lassen sich anschließend wieder in Dropbox speichern, ordnen oder über einen dort erzeugten Link teilen.
Nach Angaben von Dropbox bleiben die vorhandenen Zugriffsrechte maßgeblich. Eine Verbindung mit ChatGPT macht deshalb nicht automatisch Dateien sichtbar, auf die das angemeldete Dropbox-Konto keinen Zugriff besitzt. Trotzdem erweitert jede Kontoverknüpfung den Weg, über den persönliche oder geschäftliche Dateien verarbeitet werden können. Vor dem Aktivieren sollten Nutzer kontrollieren, welches Dropbox-Konto verbunden wird, welche Ordner darin freigegeben sind und ob die Vorgaben eines Arbeitgebers die Nutzung externer KI-Dienste erlauben.
Zum Start steht die native Dropbox-Einbindung im Web für ChatGPT und ChatGPT Work einschließlich Enterprise-Arbeitsbereichen bereit. Eine mobile Umsetzung ist angekündigt, besitzt aber noch keinen veröffentlichten Termin.
Hauptquelle: Dropbox über die native Einbindung in die ChatGPT-Bibliothek
Google Sheets verdoppelt seine Kapazität und bringt Gemini auf Android
Google Sheets unterstützt künftig bis zu 20 Millionen Zellen pro Tabelle und damit doppelt so viele wie bisher. Die Grenze gilt für neu angelegte, bestehende und importierte Tabellen, darunter Dateien aus Microsoft Excel sowie CSV-Datensätze. Eine Einstellung muss dafür nicht aktiviert werden.
Die höhere Obergrenze bedeutet nicht automatisch, dass jede sehr große Tabelle auf jedem Gerät flüssig arbeitet. Aufwendige Formeln, zahlreiche Verknüpfungen und schwächere Hardware können die Bedienung weiterhin bremsen. Praktisch wird die Änderung vor allem dort, wo eine Datei bisher wegen der Zellgrenze aufgeteilt oder in ein anderes Werkzeug verschoben werden musste. Für schnell aktualisierte Workspace-Domains begann die gestaffelte Freischaltung am 10. September; regulär geplante Workspace-Domains sollen ab dem 28. September folgen. Private Google-Konten und Workspace-Individual-Abonnements sind eingeschlossen.
Auf geeigneten Android-Geräten kann Gemini zugleich Tabellen zusammenfassen, nach Auffälligkeiten durchsuchen und Diagramme erzeugen. Umfangreiche Bearbeitungen, Formatierungen und das Erstellen komplexer Formeln bleiben der Webversion vorbehalten. Die mobile Gemini-Funktion wird schrittweise für Google AI Pro und Ultra sowie ausgewählte Business-, Enterprise- und Bildungsangebote verteilt; sie gehört nicht automatisch zu jedem kostenlosen Google-Konto.
Hauptquelle: Google über die neue Grenze von 20 Millionen Zellen in Sheets
Weitere Quelle: Google über Gemini in Sheets für Android
Reddit testet einen eigenen KI-Bereich in der Suche
Reddit ergänzt seine Suchergebnisse testweise um einen Bereich namens „Ask“. Er soll aus den auf Reddit veröffentlichten Diskussionen eine zusammengefasste Antwort erzeugen und Nutzern einen schnelleren Einstieg in umfangreiche Themen geben. Der Versuch beginnt Mitte September mit einer kleinen, weltweit ausgewählten Nutzergruppe auf allen Plattformen.
Eine KI-Zusammenfassung ist dabei nicht mit einem repräsentativen Meinungsbild zu verwechseln. Welche Beiträge berücksichtigt, höher gewichtet oder ausgelassen werden, kann das Ergebnis deutlich verändern. Bei medizinischen, rechtlichen oder finanziellen Fragen bleiben einzelne Reddit-Beiträge und ihre maschinelle Zusammenfassung ungeeignete Ersatzquellen für belastbare Fachinformationen.
Parallel erweitert Reddit in den USA seine Einkaufsversuche auf Produkte aus den Bereichen Wohnen, Garten, Mode und Bekleidung. Markierte Produktnamen führen dort zu Übersichten mit zusammengefassten Beiträgen, direkten Zitaten und teilweise Händlerpreisen oder Kauflinks. Dieser Einkaufstest betrifft ausgewählte Nutzer in den USA und ist nicht für Deutschland angekündigt. Der neue Ask-Bereich der allgemeinen Suche wird dagegen als globaler Test beschrieben und könnte deshalb auch einzelnen deutschen Konten angezeigt werden.
Hauptquelle: Reddit-Changelog vom 10. September 2026
Wochenfazit: Apps werden zu Arbeits-, Such- und Verkaufsoberflächen
Die wichtigsten Änderungen dieser Woche haben einen gemeinsamen Kern: Apps begnügen sich immer seltener damit, Informationen nur anzuzeigen. ChatGPT lässt Werbekunden eigene Gespräche führen, Threads organisiert den Weg vom Beitrag zum Podcast, Notion bewahrt Arbeitsanweisungen für Agenten auf und Dropbox bringt ganze Projektordner in einen KI-gestützten Ablauf. Google und Reddit versuchen gleichzeitig, sehr große Informationsmengen leichter auswertbar zu machen.
Das spart Schritte, verschiebt aber auch Verantwortung. Nutzer müssen genauer erkennen, ob sie gerade mit einem unabhängigen Assistenten, einem Unternehmensagenten oder einer algorithmischen Zusammenfassung fremder Beiträge arbeiten. Kennzeichnungen, Kontoberechtigungen und regionale Verfügbarkeit werden dadurch mindestens so wichtig wie die neue Funktion selbst.
Metas ebenfalls in dieser Woche vorgestelltes Abonnementbündel wird wegen seines Umfangs in der separaten GadgetChecks-Einordnung zu Meta One für Instagram, Facebook und WhatsApp behandelt. Weitere wöchentliche Änderungen bei Apps und Onlinediensten sammelt der App Kompass.
Stand der Recherche: 17. September 2026. Rollouts, Tests und regionale Einschränkungen wurden bis zum Redaktionsschluss berücksichtigt.
Hauptquellen
- OpenAI: Sponsored Agents und neue ChatGPT-Ads-Werkzeuge
- Meta: Podcast-Werkzeuge für Threads
- Notion: Neuerungen in Version 3.7
- Dropbox: Native Einbindung in die ChatGPT-Bibliothek
- Google: 20 Millionen Zellen in Sheets
- Google: Gemini in Sheets für Android
- Reddit: Changelog vom 10. September 2026
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