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Fahrerloser Siemens Mireo absolviert automatische Depotfahrt im Test
Ein fahrerloser Siemens Mireo hat im Forschungsprojekt AutomatedTrain eine vollautomatische Bereitstellungs- und Abstellfahrt absolviert. Siemens Mobility meldete am 8. September 2026, dass der Testzug nach einem Startbefehl selbstständig die Betriebsbereitschaft herstellt, seine Systeme prüft und aus der Abstellanlage zum Startbahnhof fährt. Der Versuch ist ein technischer Machbarkeitsnachweis – ein Starttermin für fahrerlose Fahrgastzüge ist damit nicht verbunden.
Fahrerloser Siemens Mireo bereitet sich selbst auf die Fahrt vor
Bei der Demonstration ging es nicht nur um das Beschleunigen und Bremsen auf einer vorgegebenen Strecke. Der Mireo übernahm auch Abläufe, die vor und nach einer Fahrt notwendig sind. Dazu gehören Selbsttests, die Wahl der Fahrtrichtung, die Bremssteuerung und das sichere Abstellen. Auf der Strecke erfasste das System Hindernisse und konnte darauf automatisch reagieren.
Technisch greifen dafür mehrere Ebenen ineinander. Die automatische Zugsteuerung ATO führt die Fahrt aus, während die auf dem European Train Control System ETCS basierende Sicherungstechnik den zulässigen Bewegungsrahmen vorgibt. Hinzu kommen eine digitale Karte, eine präzise Positionsbestimmung sowie Sensoren für die Umfelderfassung. Es handelt sich also nicht um einen einzelnen „Autopiloten“, sondern um ein abgestimmtes System aus Fahrzeugsteuerung, Ortung, Wahrnehmung, Zugbeeinflussung und Leitstellenkommunikation.
Eine zentrale Rolle spielt die von Siemens als AVVO bezeichnete Plattform, kurz für Advanced Vital Vehicle Operation. Sie verbindet die für den automatisierten Betrieb relevanten Systeme und übernimmt ausgewählte sicherheitskritische Funktionen. Bei einer Störung soll sie den Zug automatisch in einen sicheren Zustand überführen. Wie zuverlässig diese Abläufe unter allen denkbaren Wetter-, Strecken- und Betriebssituationen funktionieren, lässt sich aus der Pressemitteilung jedoch nicht ableiten.
Der Test war noch kein fahrerloser Fahrgastbetrieb
Die Formulierung „offenes Bahnnetz“ darf nicht mit einem regulären Einsatz auf einer beliebigen öffentlichen Strecke verwechselt werden. Laut der Projektbeschreibung der Digitalen Schiene Deutschland fährt der Mireo ohne Triebfahrzeugführer auf dem Prüfzentrum Wegberg-Wildenrath von der Abstellanlage zum ersten Bahnsteig. Der untersuchte Anwendungsfall ist auf Bereitstellungs- und Abstellfahrten ohne Fahrgäste begrenzt.
Ein zweites Fahrzeug, eine S-Bahn der Baureihe 430, erprobt die Hinderniserkennung im Stuttgarter Netz unter realen Betriebsbedingungen. Dort läuft das System allerdings im Schattenmodus: Es sammelt und bewertet Daten, greift aber nicht in die Fahrzeugsteuerung ein. Ein Triebfahrzeugführer bleibt für die Fahrt und die Fahrwegsicherung verantwortlich. Diese Unterscheidung ist wichtig, weil nur der Mireo den fahrerlosen Ablauf demonstriert, dieser jedoch auf einem Testgelände stattfindet.
Für den im Projekt beschriebenen Anwendungsfall sind Fahrten ohne Passagiere und mit höchstens 40 km/h unter ETCS Level 2 Full Supervision vorgesehen. Die technische Projektbeschreibung macht damit deutlich, wie eng der Nachweis zunächst zugeschnitten ist. Er zeigt, dass die Komponenten zusammenarbeiten können, ersetzt aber weder eine Zulassung noch den Sicherheitsnachweis für einen umfassenden fahrerlosen Regelbetrieb.
Automatische Depotfahrten könnten den Betrieb flexibler machen
Der begrenzte Einsatz im Depot ist kein nebensächlicher Schritt. Züge müssen vor der ersten Fahrt vorbereitet, geprüft und zum Startpunkt gebracht sowie nach ihrem Einsatz wieder abgestellt werden. Wenn diese Abläufe später ohne Triebfahrzeugführer möglich wären, könnten Betreiber Fahrzeuge flexibler bereitstellen und vorhandenes Personal stärker im eigentlichen Fahrbetrieb einsetzen. Das könnte angesichts des Fachkräftemangels helfen, ist bislang aber ein erwarteter Nutzen und kein im Projekt nachgewiesener Effekt auf Pünktlichkeit oder Kosten.
Automatisierte Bereitstellungsfahrten sind außerdem leichter abzugrenzen als sofortiger fahrerloser Personenverkehr. Der Zug bewegt sich in einem festgelegten Betriebsbereich, fährt ohne Reisende und folgt einem klar definierten Ablauf. Dadurch können Hersteller, Bahnunternehmen und Zulassungsstellen zunächst die technischen Schnittstellen, Rückfallebenen und Verantwortlichkeiten erproben, bevor komplexere Szenarien hinzukommen.
AutomatedTrain läuft seit 2023 und wird nach Angaben der Deutschen Bahn vom Bundeswirtschaftsministerium mit rund 42,6 Millionen Euro gefördert. Hinzu kommt eine Kofinanzierung aus dem deutschen Aufbau- und Resilienzplan der Europäischen Union. Die Ergebnisse sollen in die Standardisierung und spätere Zulassung vollautomatisierter Bahnsysteme einfließen.
Bis zum Regelbetrieb bleiben Zulassung und Praxistests offen
Für Reisende ändert die Demonstration zunächst nichts. Siemens und die Projektpartner nennen weder eine konkrete Strecke noch einen Termin, ab dem ein Mireo ohne Triebfahrzeugführer im regulären Personenverkehr unterwegs sein könnte. Auch eine Serienfreigabe für bestehende Fahrzeuge ist nicht angekündigt.
Der erreichte Meilenstein liegt vielmehr in der durchgängigen Kette: Ein Zug kann sich für den Einsatz vorbereiten, den festgelegten Weg fahrerlos zurücklegen, Hindernisse erfassen, mit der Leitstelle kommunizieren und anschließend wieder abgestellt werden. Ob daraus ein zugelassenes System für den Alltag wird, entscheidet sich erst durch weitere Tests, gemeinsame Standards und formelle Genehmigungen. Der erste Nutzen dürfte deshalb nicht im Fahrgastraum sichtbar werden, sondern hinter den Kulissen des Bahnbetriebs.
Stand der Recherche: 8. September 2026, 17:30 Uhr (Europe/Berlin).
Hauptquellen
- Siemens Mobility: AutomatedTrain zeigt die Zukunft des fahrerlosen Bahnverkehrs
- Digitale Schiene Deutschland: Projektseite AutomatedTrain
- Digitale Schiene Deutschland: Konzepte und Systembausteine für fahrerlose Züge
- Digitale Schiene Deutschland: Ausrüstung und Testbetrieb der Baureihe 430
Transparenzhinweis: Der Beitrag beruht auf öffentlich zugänglichen Angaben von Siemens Mobility und dem Projekt Digitale Schiene Deutschland. gadgetChecks war bei der Demonstration nicht anwesend und hat das System nicht selbst getestet.
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