KOMPASS
Google Pics, Firefox-Werbeblocker und neue ChatGPT-Funktionen
Google Pics in Deutschland startet mit einer ungewöhnlichen Trennlinie: Seit dem 1. September verteilt Google seinen neuen KI-Bildeditor als eigenständigen Dienst und als Werkzeug in Docs und Präsentationen. Während deutsche Unternehmen mit passenden Workspace-Tarifen grundsätzlich Zugriff erhalten, schließt die offizielle Hilfeseite private Konten in Deutschland ausdrücklich aus. Das ist mehr als eine regionale Fußnote, denn Pics soll nicht bloß Bilder auf Zuruf erzeugen, sondern vorhandene Motive gezielt umbauen, einzelne Objekte auswählen, Text in Grafiken bearbeiten oder übersetzen und Änderungen über eine Versionsgeschichte wieder zurücknehmen – also genau jene Arbeitsschritte bündeln, für die bislang oft mehrere Anwendungen nötig waren.
Berichtszeitraum: 28. August bis 3. September 2026
Google Pics in Deutschland startet mit einer klaren Kontogrenze
Im Mittelpunkt von Google Pics steht ein browserbasierter Arbeitsbereich, in den sich Bilder vom eigenen Computer, aus Google Drive oder aus Google Fotos übernehmen lassen. Nutzer können Elemente direkt im Motiv markieren, nur den ausgewählten Bereich verändern, verschiedene generierte Varianten vergleichen, Textbausteine neu setzen und frühere Fassungen wiederherstellen. Bilder in Google Docs und Präsentationen lassen sich außerdem mit einem Klick an Pics übergeben, während freigegebene Dateien ähnlich wie andere Workspace-Dokumente gemeinsam bearbeitet werden können. Die technische Idee ist damit näher an einem kollaborativen Editor als an einem einfachen Generator, auch wenn Google für die eigentliche Erzeugung und Bearbeitung auf Gemini beziehungsweise Nano Banana verweist.
Gerade für Leser in Deutschland ist jedoch der Kontotyp wichtiger als die lange Funktionsliste. Google nennt Business Standard und Plus, Enterprise Standard und Plus, Google AI Pro for Education sowie weitere Workspace-Erweiterungen als berechtigte Tarife. Der Rollout für sogenannte Rapid-Release-Domains läuft seit dem 1. September schrittweise über bis zu 15 Tage, bei Scheduled-Release-Domains beginnt er am 15. September. Für private Konten führt Google zwar AI Pro und Ultra als grundsätzlich geeignete Abos und Deutsch als unterstützte Sprache auf, ergänzt aber zugleich den eindeutigen Hinweis, dass Pics für die private Nutzung in Deutschland nicht verfügbar ist. Ein vorhandenes Google-AI-Abo allein reicht hier also nicht, während ein berechtigtes berufliches Workspace-Konto in Deutschland Zugang erhalten kann. Pics ist zum Start zudem auf den Desktop beschränkt.
Für berufliche Nutzer gelten die Datenschutzregeln von Gemini in Workspace. Google erklärt, dass Inhalte ohne Erlaubnis nicht zum Training oder zur Verbesserung seiner generativen Modelle verwendet werden und dass Administratoren Pics für Organisationseinheiten oder Gruppen abschalten können. Unabhängig davon bleibt die redaktionelle beziehungsweise gestalterische Kontrolle notwendig: Lokale Objektbearbeitung, Textkorrektur und Versionsverlauf machen ein KI-Ergebnis leichter handhabbar, belegen aber weder die sachliche Richtigkeit eines erzeugten Motivs noch die Klärung von Urheber- und Persönlichkeitsrechten. Vor allem bei echten Personen, Marken oder dokumentarisch wirkenden Szenen darf die bequemere Bearbeitung nicht mit einer verlässlichen Quelle verwechselt werden.
Hauptquelle: Google Workspace Updates zur Einführung von Google Pics
Weitere Quelle: Google-Hilfe zur Verfügbarkeit von Google Pics
Firefox bringt einen eingebauten Werbeblocker auf iPhone und iPad
Firefox für iOS erhält einen eigenen Werbeblocker, weil Mozilla auf iPhone und iPad nicht dasselbe Erweiterungssystem anbieten kann wie auf dem Desktop oder unter Android. Die neue Funktion verwendet Apples WebKit Content Blocker und eine auf EasyList beruhende Filterliste, blockiert viele Werbenetzwerke, aufdringliche Einblendungen sowie werbebezogene Tracker schon vor dem Laden und benötigt keine zusätzliche Erweiterung. Aktiviert wird sie in Firefox unter Einstellungen, Browsing und Ad Blocker; standardmäßig bleibt sie ausgeschaltet.
Ein vollständiger Ersatz für einen frei wählbaren Desktop-Werbeblocker ist das nicht. Anzeigen, die eine besuchte Seite selbst ausliefert, Werbung in Suchergebnissen sowie gesponserte Inhalte auf der Firefox-Startseite können weiterhin erscheinen. Mozilla bezeichnet die Funktion zudem als experimentell und verteilt sie schrittweise, weshalb der Schalter trotz aktueller App-Version noch fehlen kann; dafür müssen auch die entfernten Verbesserungen der App zugelassen sein. Wer Firefox auf iPhone oder iPad nutzt, sollte daneben die Version 155 installieren, denn das bereits von GadgetChecks eingeordnete Firefox-155-Sicherheitsupdate schließt unabhängig vom Werbeblocker eine Schwachstelle, mit der eine präparierte Seite die Herkunftsanzeige in der Adressleiste täuschen konnte.
Hauptquelle: Mozilla über den Werbeblocker in Firefox für iOS
Weitere Quelle: Mozilla-Hilfe zu Funktion und schrittweisem Rollout
ChatGPT verbindet mehrere Google-Konten und erzeugt Sticker-Pakete
Bei ChatGPT treffen in dieser Woche eine praktische Kontofunktion und ein deutlich spielerischerer Mobilzugang aufeinander. Nutzer unterstützter Plus-, Pro-, Business- und Enterprise-Tarife können seit dem 28. August mehrere Konten für Gmail, Google Kalender und Google Kontakte mit ChatGPT verbinden. OpenAI nennt die Freigabe weltweit für Web, Desktop, iOS und Android. Damit kann eine Unterhaltung beispielsweise private und berufliche Kalender gemeinsam berücksichtigen oder E-Mails in mehreren verbundenen Postfächern suchen. Gerade dieser Komfort macht es sinnvoll, vor einer Anfrage bewusst zu prüfen, welche Konten verbunden sind und ob eine Aufgabe wirklich beide Lebensbereiche einbeziehen soll.
Seit dem 31. August können alle ChatGPT-Nutzer auf Mobilgeräten außerdem aus einer Beschreibung oder einem Foto ein persönliches Sticker-Paket erstellen. Das Paket lässt sich herunterladen und auf unterstützten Geräten direkt zu iMessage oder WhatsApp hinzufügen. Auf dem iPhone können Inhalte eines laufenden Sprachgesprächs nun auch auf dem Sperrbildschirm beziehungsweise in der Dynamic Island erscheinen, sofern Hintergrundgespräche aktiviert sind. Die neuen Sticker stehen weltweit zur Verfügung, setzen aber die aktuelle ChatGPT-App voraus; die Sperrbildschirmdarstellung bleibt naturgemäß auf Apples Live-Activities-System beschränkt.
Hauptquelle: OpenAI: ChatGPT Release Notes
Google Vids verwandelt Dokumente in erzählte Zusammenfassungen
Google Vids kann seit dem 2. September Dokumente aus Google Docs sowie hochgeladene PDF- und Word-Dateien in eine Videozusammenfassung umwandeln. Gemini erstellt aus dem Ausgangstext ein Skript, teilt es in Szenen, ergänzt eine Sprecherstimme und schlägt visuelle Elemente vor. Vor der Erzeugung können Nutzer Abschnitte löschen, Text bearbeiten und eine Stimme auswählen. Für Schulungsunterlagen, Besprechungsnotizen oder einen langen Bericht kann daraus schneller ein anschaulicher Entwurf entstehen, doch die Funktion nimmt dem Absender nicht die Prüfung ab, ob Zahlen, Einschränkungen und wichtige Gegenargumente im kürzeren Video erhalten geblieben sind.
In Rapid-Release-Domains ist die Funktion laut Google bereits verfügbar, bei Scheduled-Release-Domains beginnt die bis zu 15 Tage dauernde Verteilung am 5. September. Berechtigt sind unter anderem Workspace Business Starter, Standard und Plus, die entsprechenden Enterprise-Tarife, Education Plus sowie private Google-AI-Abos von Plus bis Ultra. Für Deutschland bleibt die Lage trotzdem nicht vollkommen eindeutig, weil Google an anderer Stelle darauf hinweist, dass einzelne Vids-Funktionen hier nicht verfügbar sind, ohne den neuen Dokumentkonverter separat einer Region zuzuordnen. Wer ihn mit einem privaten deutschen Konto nutzen möchte, sollte deshalb im eigenen Vids-Startbildschirm prüfen, ob „Dokumente konvertieren“ tatsächlich angeboten wird, statt allein vom gebuchten Tarif auf die Freischaltung zu schließen.
Hauptquelle: Google Workspace Updates zu Dokumentvideos in Google Vids
Weitere Quelle: Google-Hilfe zum Erstellen einer Videozusammenfassung
Claude Fable 5.1 ist leistungsstark, aber nicht im kostenlosen Tarif
Anthropic hat Claude Fable 5.1 am 1. September für anspruchsvolle Programmier-, Recherche- und Wissensaufgaben veröffentlicht. Das Unternehmen beschreibt das Modell als besonders geeignet für lange, mehrstufige Arbeiten, die mehrere Anwendungen oder viele Dokumente umfassen, doch diese Leistungsangaben stammen zunächst vom Anbieter und seinen ausgewählten Referenzkunden. Für den Alltag ist deshalb weniger ein Benchmark-Versprechen entscheidend als die Frage, wer das Modell tatsächlich auswählen kann und welche zusätzlichen Bedingungen gelten.
Fable 5.1 erscheint im Modellwähler von Claude im Web, auf Mobilgeräten und am Desktop sowie in Cowork und weiteren Anthropic-Angeboten, steht aber ausschließlich in bezahlten Pro-, Max-, Team- und Enterprise-Tarifen bereit. Im Pro-Tarif und auf regulären Team-Plätzen wird die Nutzung von Beginn an über zusätzliches Nutzungsguthaben abgerechnet. Bei Max und Premium-Plätzen kann Fable bis zur Hälfte des regulären wöchentlichen Limits ohne zusätzliche Guthabenkosten genutzt werden, wobei daraus kein zusätzliches Wochenkontingent entsteht. Anthropic nennt außerdem eine standardmäßige Aufbewahrung der Fable-Daten für 30 Tage zur Sicherheitsüberwachung. Wer sensible Arbeitsunterlagen verarbeitet, sollte diese Vorgabe und mögliche abweichende Unternehmensoptionen daher vor dem Modellwechsel prüfen.
Hauptquelle: Anthropic über Claude Fable 5.1
Weitere Quelle: Anthropic-Hilfe zu Tarifen und Nutzungsguthaben
Google Play Books bringt Book Insights auf das iPhone
Book Insights erreicht nach Android und dem Webreader nun auch die Google-Play-Books-App für iOS und wächst zugleich auf mehr als eine Million E-Books. Die mit Gemini erstellte Lesehilfe kann den bisherigen Handlungsverlauf bis zur aktuellen Position zusammenfassen oder Fragen zu Figuren, Orten, Themen und markierten Passagen beantworten. Für Leser, die nach einer längeren Pause in ein Buch zurückkehren, ist „Catch me up“ die greifbarste Funktion, weil sie das erneute Durchblättern ersetzen soll, ohne spätere Teile des Buches einzubeziehen.
Die große Titelzahl klingt für den deutschen Markt allerdings umfassender, als die tatsächliche Freigabe ist: Unterstützt werden derzeit ausschließlich englischsprachige E-Books im EPUB-Format, und auch dort muss der Verlag die Funktion aktiviert haben. Nutzer benötigen außerdem eine Berechtigung für das jeweilige Buch, also etwa einen Kauf oder eine Ausleihe. Google weist selbst darauf hin, dass die generierten Antworten falsch oder verzerrt sein können. Book Insights eignet sich damit zum Wiedereinstieg und zur Orientierung, nicht als verbindliche Interpretation eines Sachbuchs oder als Ersatz für die Textstelle, auf die eine wichtige Aussage gestützt wird.
Hauptquelle: Google über Book Insights auf iOS und in mehr E-Books
Weitere Quelle: Google-Play-Hilfe zu Voraussetzungen und Grenzen
Fazit der Woche
Die wichtigsten App-Änderungen dieser Woche versprechen nicht einfach mehr Funktionen, sondern verschieben ganze Arbeitsschritte in Dienste, die bislang eher als Ablage, Browser oder Chatfenster dienten. Google Pics will Bildgenerator, Editor und gemeinsames Workspace-Dokument zugleich sein, Google Vids verdichtet Bürodokumente zu erzählten Videos, Claude soll lange Aufgaben selbstständiger abarbeiten und ChatGPT verbindet auf Wunsch mehrere persönliche Datenquellen in einer Unterhaltung. Der Nutzen entsteht durch weniger Wechsel zwischen Anwendungen, das Risiko durch dieselbe Verdichtung: Wer eine KI-Ausgabe nicht mehr als Zwischenstand erkennt, kann ausgelassene Informationen, unklare Rechte oder zu weit geöffnete Kontoverbindungen leicht übersehen.
Firefox und Play Books zeigen zwei deutlich enger umrissene Gegenmodelle. Der eine Dienst gibt iPhone-Nutzern einen optionalen, wenn auch begrenzten Werbeblocker; der andere ergänzt eine klar definierte Lesehilfe, deren sprachliche und technische Grenzen sichtbar bleiben. Für Nutzer in Deutschland lohnt sich deshalb diese Woche vor allem der Blick auf das Kleingedruckte hinter dem großen Startsignal: Google Pics ist privat trotz passendem Abo gesperrt, Claude Fable kostet je nach Tarif zusätzlich, der Vids-Rollout bleibt regional nicht vollständig transparent und Firefox schaltet seinen Werbeblocker nicht sofort für jeden frei. Weitere wöchentliche Einordnungen bündelt GadgetChecks in der Kategorie App Kompass.
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