KOMPASS
Shelly ThreadLink macht Thread zum vollständigen Netzwerk – Home Assistant zeigt Verbindungen, LG setzt auf Homey
Shelly will Thread aus seiner bisherigen Matter-Nische holen: Mit ThreadLink sollen geeignete Gen4-Geräte künftig Matter, Cloudzugriff und direkte lokale Kommunikation über dasselbe Funknetz abwickeln. Parallel dazu macht Home Assistant die Struktur von Matter-Netzen sichtbar, während LG, Philips Hue und tado ihre Plattformen ausbauen.
Berichtszeitraum: 28. August bis 3. September 2026 · Redaktionsschluss: 3. September 2026, 10:22 Uhr (Europe/Berlin)
Shelly ThreadLink steht im Mittelpunkt dieser Woche, weil die angekündigte Firmware an einer grundlegenden Grenze heutiger Thread-Geräte ansetzt. Viele Produkte verwenden den Funkstandard ausschließlich zusammen mit Matter, während Hersteller-Apps, Diagnosefunktionen und eigene Automationen weiterhin WLAN oder eine zusätzliche Zentrale benötigen.
Shelly möchte stattdessen die vollständige IP-Kommunikation über Thread ermöglichen. Ein Unterputzmodul könnte dadurch gleichzeitig in Apple Home oder Google Home erscheinen, Daten an die Shelly Cloud übertragen und direkt mit anderen Shelly-Geräten kommunizieren. Thread wäre dann nicht länger nur der Funkweg für ein einzelnes Smart-Home-Protokoll, sondern das eigentliche Netzwerk.
Fast zeitgleich liefert Home Assistant 2026.9 die passende Übersicht dazu. Eine neue Matter-Netzwerkkarte zeigt, welche Geräte über Thread oder WLAN verbunden sind und welchen Weg ihre Daten nehmen. LG setzt unterdessen stärker auf Homey als herstellerübergreifende Grundlage seines AI Home, Philips Hue öffnet sich für ausgewählte Nanoleaf-Produkte und tado erneuert sein Smartes Thermostat X.
Nach dem zuletzt beobachteten Google-Home-Ausfall und seinen Folgen für cloudabhängige Haushalte rückt damit erneut dieselbe Frage in den Vordergrund: Welche Abläufe funktionieren weiter, wenn WLAN, Internetzugang oder ein externer Plattformdienst ausfallen?
Shelly ThreadLink macht Thread zum vollständigen Netzwerk
ThreadLink ist kein neues Gerät, sondern eine separate Firmware für geeignete Shelly-Produkte der Gen4-Reihe. Sie aktiviert den bereits vorhandenen Funkchip nach IEEE 802.15.4 und ermöglicht darüber nicht nur Matter, sondern auch TCP/IP sowie Shellys eigene RPC- und UDP-Kommunikation.
Das klingt zunächst nach einem technischen Detail, verändert aber die Rollenverteilung im Netzwerk. Bei vielen Matter-over-Thread-Geräten übernimmt Thread lediglich den stromsparenden Transport standardisierter Matter-Befehle. Zusätzliche Herstellerfunktionen, Diagnoseinformationen und Cloudverbindungen laufen häufig weiterhin über WLAN. Shelly will diese Trennung aufheben und mehrere Kommunikationswege parallel über Thread führen.
Matter soll weiterhin dafür sorgen, dass kompatible Geräte in Apple Home, Google Home, Amazon Alexa, SmartThings und Home Assistant erscheinen. Wer die Funktionsweise des Standards genauer einordnen möchte, findet die Grundlagen und noch bestehenden Grenzen in unserem ausführlichen Matter-Ratgeber.
Für Home Assistant kündigt Shelly zusätzlich ein eigenes Modul an. Es soll auf Funktionen zugreifen können, die im vereinheitlichten Matter-Datenmodell nicht vorgesehen sind. Besitzer eines Shelly-Energiezählers oder eines komplexer konfigurierbaren Relais müssten sich damit nicht zwangsläufig auf die Funktionen beschränken, welche die jeweilige Matter-Plattform sichtbar macht.
Daneben sollen Shelly-Geräte innerhalb des Thread-Meshs direkt miteinander kommunizieren. Szenen, Verriegelungen und andere Automationen könnten lokal zwischen den beteiligten Geräten ausgeführt werden. Nach Angaben des Herstellers laufen solche Abläufe selbst dann weiter, wenn sowohl die Internetverbindung als auch das WLAN ausfallen. Unabhängig überprüft ist dieses Verhalten bislang nicht.
Für die Verbindung zum Heimnetz und zur Shelly Cloud bleibt ein Thread Border Router erforderlich. Das kann beispielsweise eine kompatible Zentrale von Apple, Google oder Amazon oder eine entsprechend eingerichtete Home-Assistant-Lösung sein. Einen eigenen Shelly-Hub verlangt ThreadLink laut Hersteller nicht. Der Übergang zu IPv4-basierten Clouddiensten erfolgt am Rand des Netzes über NAT64.
Shelly plant die kostenlose Firmware ungefähr drei Monate nach der Vorstellung. Nutzer sollen für jedes berechtigte Gerät entscheiden können, ob es mit der bisherigen WLAN-Firmware oder mit ThreadLink arbeitet. Eine vollständige Liste der unterstützten Gen4-Produkte lag zum Redaktionsschluss noch nicht vor.
Für bestehende Installationen besteht deshalb kein unmittelbarer Handlungsbedarf. Wer ohnehin neue Shelly-Geräte kaufen möchte, sollte auf die endgültige Kompatibilitätsliste achten und prüfen, ob bereits ein geeigneter Thread Border Router vorhanden ist. Erst Praxistests werden zeigen, wie reibungslos Matter, Cloudzugriff und lokale Shelly-Kommunikation tatsächlich nebeneinander funktionieren.
Hauptquelle: Shelly – offizielle Vorstellung von ThreadLink zur IFA 2026
Home Assistant 2026.9 zeigt die Wege im Matter-Netz
Home Assistant 2026.9 bringt die Netzwerkkarte des Matter Servers direkt in die reguläre Bedienoberfläche. Sie zeigt, welche Geräte über Thread oder WLAN kommunizieren, welche Komponenten als Router oder Thread Border Router arbeiten und welchen Weg die Verbindung von Home Assistant bis zum jeweiligen Endgerät nimmt.
Netzwerknamen und Hostnamen sollen dabei verständlicher dargestellt werden als technische Seriennummern. Auch die Art der Verbindung und die Signalqualität werden visualisiert. Wer bisher nur feststellen konnte, dass ein Thread-Sensor unzuverlässig reagiert, erhält damit erstmals einen brauchbaren Anhaltspunkt dafür, an welcher Stelle im Mesh die Verbindung schwach oder ungewöhnlich aufgebaut ist.
Verwendet eine Installation noch einen älteren Matter Server ohne Unterstützung für die Kartenfunktion, weist Home Assistant darauf hin. Nutzer müssen dann nicht rätseln, ob die Anzeige wegen eines Gerätefehlers leer bleibt, sondern können gezielt die betreffende Komponente aktualisieren.
Auch die Aktivitätsansicht wird aussagekräftiger. Sie zeigt künftig nicht mehr nur, dass sich der Zustand einer Lampe, eines Schalters oder eines Sensors verändert hat. Soweit die Informationen vorhanden sind, lässt sich nachvollziehen, ob eine Person, ein Zeitplan, eine Integration, eine Automation oder ein Neustart die Änderung ausgelöst hat. Bei verketteten Automationen führt die Ansicht bis zur jeweiligen Ablaufverfolgung und unterscheidet Ereignisse anhand genauer Zeitangaben.
Für technischere Installationen ist außerdem die Modernisierung der Modbus-Unterstützung relevant. Selbst geschriebene YAML-Konfigurationen bleiben möglich, neue gerätespezifische Integrationen können jedoch bereits wissen, wie ein Wechselrichter, Energiezähler oder eine Wärmepumpe angesprochen wird. Fronius, Sofar Inverter und Flexit gehören zu den ersten Integrationen, die diesen gemeinsamen Ansatz nutzen.
Für Haushalte mit Photovoltaik, Wärmepumpe oder mehreren Thread Border Routern bringt das Update deshalb mehr als eine optische Überarbeitung. Die neue Version erleichtert sowohl die Einrichtung als auch die spätere Fehlersuche. Eine grundsätzliche Einführung in die Plattform bietet unser Home-Assistant-Ratgeber für Einsteiger.
Vor dem Update empfiehlt sich wie gewohnt ein vollständiges Backup. Nutzer eigener Erweiterungen und spezieller Geräteintegrationen sollten zusätzlich die aufgeführten inkompatiblen Änderungen prüfen, bevor sie ein produktiv genutztes System aktualisieren.
Hauptquelle: Home Assistant – offizielle Versionshinweise zu Home Assistant 2026.9
LG verbindet ThinQ Claw mit dem Homey-Ökosystem
LG zeigt zur IFA eine neue Ausbaustufe seines AI Home. Im Zentrum steht ThinQ Claw, ein textbasierter Assistent, der nicht nur einzelne Befehle verstehen, sondern Absicht und Zusammenhang einer Anfrage berücksichtigen soll. Dafür verbindet er Haushaltsgeräte, Umgebungsdaten und externe Dienste wie Kalender.
Als Beispiel beschreibt LG eine Situation, in der Nutzer Gäste erwarten. ThinQ Claw könnte passende Küchengeräte vorbereiten oder weitere verbundene Dienste koordinieren. Vor der Heimkehr soll der Assistent außerdem Temperatur und Luftqualität berücksichtigen und daraus Vorschläge für die angeschlossenen Geräte ableiten.
Die technische Grundlage des herstellerübergreifenden Teils bildet Homey. LG hatte das dahinterstehende Unternehmen Athom 2024 übernommen und verwendet die Plattform nun als Basis seines offenen AI-Home-Ökosystems. Dadurch muss sich die Steuerung nicht auf Fernseher, Klimageräte und Haushaltsgeräte von LG beschränken, sondern kann grundsätzlich auch Produkte anderer Marken einbeziehen.
Einen weiteren Schwerpunkt bildet das Energiemanagement. LG demonstriert das Zusammenspiel von intelligenten Stromzählern, Solaranlagen, Batteriespeichern, Elektroauto-Ladepunkten und Haushaltsgeräten. In Verbindung mit dynamischen Tarifen könnten größere Verbraucher bevorzugt in Zeitfenstern mit niedrigeren Strompreisen arbeiten.
Noch bleibt ein großer Teil davon eine Messevorführung. LG nennt weder einen allgemeinen Veröffentlichungstermin für ThinQ Claw noch eine vollständige Liste der unterstützten Länder, Geräte und Dienste. Ebenso fehlen konkrete Angaben dazu, welche persönlichen Informationen lokal verarbeitet werden, was in die Cloud gelangt und wie lange der Assistent erlernte Vorlieben speichert.
Für Homey-Nutzer ändert sich dadurch zunächst nichts. Relevant wird die Verbindung erst, wenn LG konkrete Funktionen verteilt und erklärt, welche bestehenden Homey-Installationen davon profitieren. Bis dahin zeigt die Demonstration vor allem, welche Rolle Homey innerhalb der langfristigen Plattformstrategie des Konzerns übernehmen soll.
Hauptquelle: LG Electronics – offizielle Vorstellung des weiterentwickelten AI Home zur IFA 2026
Philips Hue und Nanoleaf rücken näher zusammen
Philips Hue bereitet mehrere Erweiterungen vor, die nicht nur neue Leuchten betreffen. Besonders wichtig für bestehende Installationen ist eine Sicherungsfunktion, die Lampen, Zubehör, Räume, Zonen, Szenen und Automationen speichern soll. Ein aufwendig eingerichtetes Hue-System müsste nach einem Defekt oder Austausch der Bridge damit nicht mehr vollständig von Hand rekonstruiert werden.
Nach der zugänglichen IFA-Berichterstattung sollen sowohl die bisherige Hue Bridge als auch die Bridge Pro Sicherungen erstellen können. Die Wiederherstellung ist zunächst jedoch nur für die Bridge Pro vorgesehen. Ob und wann die ältere Bridge ebenfalls Sicherungen zurückspielen kann, ist noch offen. Für Besitzer der bisherigen Zentrale bleibt der Nutzen deshalb anfangs eingeschränkt.
Die Bridge Pro erhält außerdem sogenannte Custom AI Behaviors. Nutzer sollen damit komplexere Abläufe in natürlicher Sprache beschreiben können, aus denen Hue passende Automationen erzeugt. Der Start ist für Anfang Oktober angekündigt. Wie gut mehrstufige Wünsche verstanden werden und welche Verarbeitung lokal oder über Clouddienste erfolgt, muss sich im Alltag erst zeigen.
Greifbarer ist die neue Verbindung mit Nanoleaf. Ein Nanoleaf × Hue Controller bindet kompatible Shapes-Panels in das Hue-System ein. Unterstützt werden Hexagons, Triangles und Mini Triangles mit insgesamt bis zu 120 Panels. Voraussetzung bleibt eine Hue Bridge oder Bridge Pro; ein vollständiger Neuaufbau der vorhandenen Nanoleaf-Installation soll nicht nötig sein.
Zum Start kann das verbundene System allerdings nicht gleichzeitig über beide Apps gesteuert werden. Die parallele Kontrolle über Nanoleaf und Philips Hue ist erst für ein späteres Update geplant. Einen bestätigten Preis und einen genauen deutschen Verkaufsstart nennt die zugängliche Partnerseite zum Redaktionsschluss nicht.
Bestehende Nutzer sollten deshalb vor allem die endgültigen Bedingungen der Sicherungsfunktion abwarten. Ein Wechsel auf die Bridge Pro allein wegen angekündigter Backups wäre verfrüht, solange nicht feststeht, welche Wiederherstellungswege Signify für die bisherige Bridge nachreicht.
Hauptquelle: Forbes – ausführliche Einordnung der Hue-Ankündigungen zur IFA 2026
Weitere Quelle: Nanoleaf – offizielle Informationen zur Integration mit Philips Hue
tado erneuert das Smarte Thermostat X
tado bringt das Smarte Thermostat X in einer zweiten Generation auf den Markt. Das neue Modell fällt flacher aus, besitzt ein überarbeitetes Display und bleibt mit Matter sowie Thread kompatibel. Der integrierte Akku wird über USB-C geladen und soll nach Herstellerangaben länger als ein Jahr durchhalten.
Das verkabelte Starter Kit kostet 179,99 Euro, die kabellose Ausführung 199,99 Euro. Ein einzelnes verkabeltes Thermostat wird für 119,99 Euro angeboten, während der neue Funk-Temperatursensor 99,99 Euro kostet. Die Produkte sind seit dem 2. September im tado-Webshop und bei ausgewählten europäischen Händlern erhältlich.
Geräte der ersten und zweiten X-Generation können innerhalb eines Systems gemeinsam verwendet werden. Anders sieht es bei V3+ und älteren Produktreihen aus: Diese basieren auf einer anderen technischen Plattform und lassen sich nicht als Bestandteile desselben Heizsystems mit tado X kombinieren.
Leicht missverständlich ist deshalb die ebenfalls angekündigte Multi-Home-Funktion. Sie erlaubt, mehrere Wohnungen, Häuser oder kleinere Büros über ein Konto zu verwalten. Darunter dürfen sich nun sowohl Standorte mit V3+ als auch Installationen mit tado X befinden. Das macht die unterschiedlichen Produktgenerationen jedoch nicht innerhalb eines Zuhauses miteinander kompatibel.
Für den eigentlichen Heizbetrieb bleibt eine lokale Rückfallebene erhalten. Zeitpläne werden laut tado auf den Geräten gespeichert und laufen auch ohne Internetverbindung weiter. Für den App-Zugriff und zusätzliche Plattformfunktionen ist weiterhin ein Thread Border Router erforderlich, der je nach Starter Kit bereits als Bridge X oder Funk-Empfänger X enthalten ist.
Der TÜV-zertifizierte hydraulische Abgleich wird über AI Assist angeboten. Das Abonnement kostet 3,99 Euro im Monat oder 29,99 Euro im Jahr. Das herunterladbare Zertifikat kann bei einem Förderantrag hilfreich sein, ersetzt aber keine Prüfung der jeweils geltenden Voraussetzungen.
Vor dem Kauf sollten Bestandskunden deshalb nicht nur das vorhandene tado-System, sondern auch den Anschluss ihrer Heizungsanlage prüfen. Besonders bei älteren modulierenden Thermen kann ein bisher verwendetes V3+-Thermostat kompatibel sein, während sich tado X nicht ohne Weiteres als Ersatz eignet.
Hauptquelle: tado – offizielle Vorstellung des Smarten Thermostats X der zweiten Generation
Weitere Quelle: tado Hilfe – Kompatibilität von tado X mit älteren Produktlinien
Wochenfazit: Ein gutes Netzwerk muss verständlich bleiben
Die wichtigsten Entwicklungen dieser Woche drehen sich weniger um einzelne neue Geräte als um die Infrastruktur dahinter. Shelly möchte Thread zu einem vollständigen Netzwerk für Matter, Cloud und lokale Befehle machen. Home Assistant zeigt gleichzeitig, wie diese Verbindungen tatsächlich aufgebaut sind. Beide Ansätze stärken die technische Transparenz, auch wenn ThreadLink seine Alltagstauglichkeit erst noch beweisen muss.
LG, Philips Hue und tado erweitern ihre Systeme auf anderen Ebenen. Homey soll für LG zur offenen Grundlage eines stärker von KI gesteuerten Haushalts werden, Hue verbindet bislang getrennte Lichtwelten und tado erleichtert die Verwaltung mehrerer Installationen. Dabei bleiben jedoch Grenzen bestehen: Angekündigte Funktionen sind nicht automatisch verfügbar, gemeinsame Konten schaffen keine Hardwarekompatibilität und eine offene Plattform beantwortet noch keine Datenschutzfrage.
Für bestehende Haushalte ergibt sich daraus kein Anlass zu einem vorschnellen Umbau. Sinnvoller ist eine nüchterne Bestandsaufnahme: Welche Geräte arbeiten ohne Internet weiter, wo befindet sich der Thread Border Router, lassen sich Verbindungsprobleme nachvollziehen und bleiben Licht oder Heizung auch manuell bedienbar? Je größer ein Smart Home wird, desto wichtiger ist nicht nur, was es kann, sondern ob sein Verhalten im entscheidenden Moment verständlich bleibt.
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