SUPPLEMENTS
Nonresponder im Training: Warum ein einzelner Messwert nicht genügt
Mehrere Wochen regelmäßig trainiert, doch beim abschließenden Leistungstest ist kaum ein Fortschritt zu erkennen. Das kann enttäuschen, besonders wenn andere mit demselben Programm deutlich zulegen. Die Bezeichnung „Nonresponder im Training“ klingt dann nach einer Erklärung: Der eigene Körper spricht offenbar schlecht auf Bewegung an.
So weit reicht ein einzelnes Ergebnis allerdings nicht. Es beschreibt zunächst die Veränderung eines bestimmten Messwerts unter bestimmten Bedingungen. Ob dahinter eine dauerhaft geringe Trainierbarkeit steckt, ist eine andere Frage. Wiederholte Trainingsstudien und eine aktuelle Methodendebatte zeigen, warum diese Unterscheidung wichtig ist.
Was „Nonresponder im Training“ überhaupt bedeutet
In Studien bezeichnet der Begriff häufig Menschen, deren Veränderung bei einem untersuchten Merkmal unter einer festgelegten Schwelle bleibt. Diese Schwelle ist jedoch nicht überall gleich. Eine messbare Veränderung und ein praktisch bedeutsamer Fortschritt sind zudem verschiedene Dinge.
| Beobachtung | Was damit noch nicht geklärt ist |
|---|---|
| Ein Wert steigt kaum | Ob die Veränderung innerhalb der Messunsicherheit liegt. |
| Eine Person legt weniger zu als andere | Ob dieser Unterschied bei erneutem Training bestehen bleibt. |
| Ein untersuchtes Merkmal verbessert sich nicht | Ob andere Fähigkeiten oder Körpermerkmale profitieren. |
Eine systematische Übersicht von Bonafiglia und Kollegen erfasste 149 Studien. Nur neun verwendeten statistische Verfahren, um Unterschiede in der Trainierbarkeit gezielt zu schätzen. Die Arbeit erschien 2021; ihre letzte Literatursuche fand im Januar desselben Jahres statt.
Schon die Wahl des Merkmals verlangt Aufmerksamkeit. Beispielsweise ist mehr fettfreie Masse nicht automatisch mehr Muskelgewebe. Bevor Menschen nach ihrem Trainingserfolg eingeteilt werden, muss klar sein, was der verwendete Wert tatsächlich beschreibt.
Die gleiche Person reagiert nicht immer gleich
Eine 2026 veröffentlichte Untersuchung von Odden und Kollegen wiederholte ein Ausdauerprogramm mit denselben Personen. 42 zuvor untrainierte Erwachsene, jeweils 21 Frauen und Männer, absolvierten zwei achtwöchige Trainingsphasen auf dem Fahrradergometer. Dazwischen lagen acht Wochen ohne das Trainingsprogramm. Jede Trainingsphase umfasste 24 betreute Einheiten.
Erfasst wurden unter anderem die maximale Sauerstoffaufnahme und die Leistung in einem 15-minütigen Radtest. Die durchschnittlichen Anpassungen der Gruppe waren in beiden Phasen weitgehend ähnlich. Bei den einzelnen Teilnehmenden ließen sich die Veränderungen dagegen nur schlecht wiederholen: Wer zunächst wenig zulegte, musste beim zweiten Durchgang nicht wieder zu den Personen mit geringen Fortschritten gehören.
Damit wird eine feste Einteilung anhand einer einzigen Trainingsphase fragwürdig. Die Untersuchung erklärt allerdings nicht abschließend, warum die individuellen Ergebnisse schwankten. Sie bildet außerdem ein bestimmtes Ausdauerprogramm bei Erwachsenen mittleren Alters ab, keine allgemeine Prüfung sämtlicher Sportarten oder Trainingsformen.
Messfehler können den Vergleich verzerren
Genau an der Erklärung solcher Schwankungen setzt ein Methodenbeitrag von Matomäki und Malinen an. Er erschien zuerst im September 2026 und gehört zur Oktoberausgabe des Journal of Applied Physiology. Die Autoren zeigen anhand eines mathematischen Modells, dass bereits vergleichsweise kleine Messfehler die Wiederholbarkeit von Trainingsveränderungen erheblich verschlechtern können.
Der Grund: Für zwei Trainingsphasen werden insgesamt vier Messungen benötigt, jeweils vor und nach dem Training. Deren Unsicherheit geht in die berechneten Veränderungen ein. Ist der Trainingseffekt im Verhältnis zu dieser Unsicherheit klein, können die individuellen Fortschritte instabil erscheinen.
Das Modell ist keine neue Trainingsstudie und beweist nicht, dass sämtliche Unterschiede bloße Messfehler sind. Es verdeutlicht eine mögliche Erklärung unter vereinfachten Annahmen. Geringe Wiederholbarkeit allein verrät deshalb noch nicht, welcher Anteil auf wechselnde biologische Bedingungen und welcher auf Messunsicherheit entfällt.
Beim Krafttraining zeigt sich ein anderes Muster
Ein pauschales Urteil über jede Trainingsform wäre ebenfalls verfrüht. In einer Ende November 2025 veröffentlichten Krafttrainingsstudie von Räntilä und Kollegen schlossen 20 zuvor untrainierte Frauen und Männer zwei zehnwöchige Trainingsphasen ab. Dazwischen lag eine ebenso lange Trainingspause. Eine Kontrollgruppe mit 27 Personen absolvierte einen zehnwöchigen Zeitraum ohne Krafttraining.
Untersucht wurden Muskelquerschnitte per Ultraschall sowie die Maximalkraft bei Beinpresse und Bizepscurl. Für beide Muskelquerschnitte und die Beinpresse fanden sich Zusammenhänge zwischen den Fortschritten im ersten und zweiten Trainingsabschnitt. Bei der Bizepscurl-Kraft war dieser Zusammenhang statistisch nicht gesichert.
Das spricht dafür, dass sich individuelle Unterschiede unter bestimmten Bedingungen durchaus wiederholen können. Zugleich war niemand über alle untersuchten Merkmale hinweg ohne nachweisbare Verbesserung. Die Trainingsgruppe war klein; acht der ursprünglich 28 zugeteilten Personen schlossen das Programm nicht ab. Die Ergebnisse gelten zunächst für gesunde, jüngere Trainingsanfänger und begründen keine unveränderliche Eigenschaft für jedes künftige Training.
Warum Wiederholungen das Problem nicht vollständig lösen
Eine 2026 erschienene Zusammenfassung einer Fachtagung zur Trainingsreaktion beschreibt weitere Schwierigkeiten. Wiederholte Trainingsphasen sind aufwendig. Nach einer Pause muss der Körper außerdem nicht vollständig zum ursprünglichen Zustand zurückgekehrt sein. Frühere Anpassungen können den zweiten Durchgang beeinflussen.
Auch eine Kontrollgruppe löst nicht jede Frage. Ihre Schwankungen helfen dabei, zufällige Veränderungen einzuordnen. Sie zeigen aber nicht unmittelbar, wie dieselbe Person zu einem anderen Zeitpunkt auf dasselbe Training reagiert hätte.
Die Autoren diskutieren deshalb mehrere ergänzende Ansätze, darunter wiederholte Messungen und die gemeinsame Betrachtung verschiedener Merkmale. Die Veröffentlichung bündelt Vorträge und Diskussionen; sie ist keine zusätzliche Wirksamkeitsstudie.
Was ein ausbleibender Fortschritt tatsächlich aussagt
Beim Lesen einer Nonresponder-Zahl lohnt sich deshalb der Blick auf den untersuchten Wert, die Einteilungsschwelle und die Zahl der Messungen. Ebenso zählt, ob vergleichbare Ergebnisse bei erneutem Training vorliegen. Für die Übertragbarkeit bleiben Alter, Trainingsstatus und die Zusammensetzung der Studiengruppe wichtig.
Ein anhaltender Stillstand kann Anlass sein, Trainingsverlauf und Messbedingungen genauer anzusehen. Er ist für sich genommen weder der Beweis einer angeborenen Trainingsresistenz noch eine Aufforderung, die Belastung beliebig zu erhöhen. Aussagekräftiger als das dauerhafte Etikett ist die konkrete Feststellung: Bei diesem Programm, in diesem Zeitraum und bei diesem Merkmal ließ sich kein ausreichend großer Fortschritt nachweisen.
Stand der Recherche: 30. Oktober 2026.
Hauptquellen
- Bonafiglia et al. (2021): Systematische Übersicht zur Messung individueller Trainingsreaktionen
- Odden et al. (2026): Wiederholte Ausdauertrainingsphasen bei denselben Erwachsenen
- Matomäki und Malinen (2026): Mathematisches Modell zum Einfluss von Messfehlern
- Räntilä et al. (2025): Wiederholbarkeit von Kraft- und Muskelgrößenveränderungen
- Roberts et al. (2026): Fachtagungsbericht zu individuellen Reaktionen auf Krafttraining
Transparenzhinweis: Dieser Beitrag beruht auf den verlinkten wissenschaftlichen Veröffentlichungen. GadgetChecks hat keine eigenen Trainingsversuche durchgeführt. Die Untersuchungen unterscheiden sich in Trainingsform, Zielgruppe und Messverfahren; daraus lässt sich die persönliche Reaktion auf ein Trainingsprogramm nicht zuverlässig vorhersagen.
Sport- und Supplement-Angebote im Überblick
Ausgewählte Angebote und zeitlich begrenzte Preisaktionen rund um Technik und Gadgets.
Mehr auf gadgetChecks
Transparenzbericht
Affiliate-Links: Dieser Beitrag kann Affiliate-Links enthalten. Wenn du darüber einkaufst, können wir eine Provision erhalten. Für dich entstehen keine zusätzlichen Kosten.
Preise und Verfügbarkeit: Preise, Größen, Varianten und Verfügbarkeit können sich nach der Veröffentlichung ändern. Der im Beitrag genannte Prüfzeitpunkt zeigt den Stand der Recherche.
Einordnung: Studienergebnisse ordnen wir nach den untersuchten Gruppen und Bedingungen ein. Herstellerangaben, praktische Erfahrungen und wissenschaftliche Belege unterscheiden wir nachvollziehbar.
Unabhängigkeit: Sport & Supplements ist ein redaktioneller Bereich von gadgetChecks. Kooperationen, Produktbereitstellungen und andere relevante Beziehungen kennzeichnen wir gesondert.
Einsatz von KI: Unsere Redaktion kann KI bei Recherchevorbereitung, Sprache und Bildern einsetzen. Faktenprüfung, Einordnung und Veröffentlichung bleiben Aufgabe der Redaktion.