NAS kaufen: 2-Bay, 4-Bay oder mehr? Die richtige NAS-Größe finden
Network Attached Storage, kurz NAS, hat sich vom Nischenprodukt für IT-Abteilungen zum festen Bestandteil moderner Digitalhaushalte und kleiner Unternehmen entwickelt. Fotosammlungen wachsen, Videodateien werden größer, Backups zahlreicher Geräte laufen zentral zusammen und Medienserver ersetzen klassische Datenträger. Wer ein NAS-System anschaffen möchte, steht jedoch schnell vor einer grundlegenden Frage: Wie viele Laufwerksschächte (Bays) werden wirklich benötigt? Zwei, vier oder gleich mehr?
Die Wahl der richtigen NAS-Größe ist keine reine Kapazitätsfrage. Sie betrifft Datensicherheit, Erweiterbarkeit, Leistungsreserven, Kostenstruktur und nicht zuletzt den praktischen Nutzungszweck. Eine sorgfältige Planung zahlt sich aus — denn ein zu kleines System limitiert schnell, ein überdimensioniertes bindet unnötig Budget.
Was bedeutet „Bay“ überhaupt?
Die Bay-Anzahl beschreibt die Zahl der gleichzeitig nutzbaren Festplatten- oder SSD-Einschübe im NAS-Gehäuse. Ein 2-Bay-NAS nimmt zwei Laufwerke auf, ein 4-Bay entsprechend vier. Systeme mit sechs, acht oder mehr Bays richten sich meist an anspruchsvollere Umgebungen.
Die Anzahl der Bays bestimmt:
- die maximal verfügbare Rohkapazität
- die möglichen RAID-Level
- die Flexibilität bei Erweiterungen
- die Ausfallsicherheit
- die parallele Leistung bei Zugriffen
Damit ist sie eine der zentralen Kaufentscheidungen überhaupt.
Der typische Fehler: Nur den aktuellen Speicherbedarf betrachten
Viele Käufer orientieren sich ausschließlich am momentanen Datenbestand. Diese Herangehensweise führt häufig zu Fehlentscheidungen. Digitale Daten wachsen selten linear. Neue Smartphones erzeugen größere Fotos, 4K- und 8K-Videos werden alltäglich, RAW-Dateien ersetzen JPEG, Backups werden häufiger automatisiert.
Erfahrungsgemäß verdoppelt sich der private Speicherbedarf oft innerhalb weniger Jahre. In Arbeitsumgebungen geht das Wachstum meist noch schneller vonstatten. Ein NAS sollte daher nicht nur den heutigen Bedarf abdecken, sondern realistisch drei bis fünf Jahre in die Zukunft reichen.
2-Bay-NAS: Der Einstieg mit klaren Grenzen
2-Bay-Systeme gelten als klassische Einsteigergeräte. Sie sind kompakt, vergleichsweise günstig und einfach einzurichten. Für viele Privatanwender wirken sie zunächst ausreichend — was in bestimmten Szenarien auch stimmt.
Typische Einsatzfelder
- Zentrale Datensicherung mehrerer Geräte
- Foto- und Dokumentenarchiv
- Medienserver für Streaming im Heimnetz
- Persönliche Cloud-Lösung
- Backup-Ziel für PCs und Laptops
Vorteile
- Niedrige Anschaffungskosten
- Geringer Stromverbrauch
- Leise im Betrieb
- Einfache RAID-Konfiguration (meist RAID 1)
- Platzsparend
Einschränkungen
Der größte Nachteil eines 2-Bay-NAS ist die begrenzte Flexibilität. In der Praxis läuft es meist auf RAID 1 hinaus — also Spiegelung. Dabei halbiert sich die nutzbare Kapazität, da ein Laufwerk als Sicherheitskopie dient.
Beispiel: Zwei 8-TB-Festplatten ergeben netto nur 8 TB nutzbaren Speicher.
- Keine komplexeren RAID-Level möglich
- Kaum Erweiterungsoptionen ohne Plattentausch
- Performance-Reserven begrenzt
- Wachstumsgrenze schnell erreicht
Fazit: Für reine Datensicherung und moderate Datenmengen geeignet — aber wenig zukunftssicher.
4-Bay-NAS: Der flexible Allrounder
4-Bay-NAS-Systeme gelten als der „Sweet Spot“ für anspruchsvolle Heimanwender, Content-Creator und kleine Teams. Sie bieten deutlich mehr Spielraum bei RAID-Konfiguration, Kapazitätsplanung und Performance.
Typische Einsatzfelder
- Große Foto- und Videobibliotheken
- Medienproduktion
- Multi-User-Zugriff
- Virtualisierungsumgebungen
- Container- und Serverdienste
- Überwachungssysteme mit mehreren Kameras
RAID-Optionen als entscheidender Vorteil
Mit vier Bays stehen mehrere RAID-Level zur Verfügung:
- RAID 5: Gute Balance aus Kapazität und Sicherheit
- RAID 6: Höhere Redundanz bei größeren Platten
- RAID 10: Hohe Performance und Sicherheit
- Hybrid-RAID-Varianten vieler Hersteller
Beispiel RAID 5 mit vier 8-TB-Platten:
→ 24 TB nutzbar bei Schutz vor einem Laufwerksausfall.
Das ist deutlich effizienter als ein 2-Bay-Spiegel.
Vorteile
- Deutlich bessere Skalierbarkeit
- Höhere Datensicherheit möglich
- Mehr Leistung bei parallelen Zugriffen
- Bessere Auslastung großer Laufwerke
- Erweiterung oft ohne Systemwechsel möglich
Nachteile
- Höhere Anschaffungskosten
- Größerer Platzbedarf
- Mehr Stromverbrauch
- Mehr Planungsaufwand bei RAID-Wahl
Fazit: Für viele Nutzer die sinnvollste langfristige Lösung.
6-Bay, 8-Bay und mehr: Für ambitionierte Szenarien
NAS-Systeme mit sechs oder mehr Bays richten sich an Power-User und professionelle Umgebungen. Sie sind keine Luxusspielzeuge, sondern Werkzeuge für datenintensive Workflows.
Typische Anwendungsfälle
- Video-Postproduktion
- Große Fotoarchive
- Unternehmensdaten
- Virtualisierung
- Docker- und Serverdienste
- KI-Datenhaltung
- Mehrere gleichzeitige Nutzergruppen
Vorteile
- Sehr hohe Rohkapazität
- RAID 6 und RAID 60 sinnvoll nutzbar
- Hohe Performance durch Plattenparallelität
- Lange Lebensdauer durch Erweiterbarkeit
- Austausch einzelner Laufwerke ohne Kapazitätsverlust
Nachteile
- Deutlich höhere Kosten
- Komplexere Administration
- Höherer Energiebedarf
- Lautstärke und Wärmeentwicklung
Fazit: Sinnvoll dort, wo Wachstum sicher ist oder Performance entscheidend wird.
RAID ersetzt kein Backup
Ein häufiger Irrtum betrifft RAID-Systeme. Mehr Bays ermöglichen bessere RAID-Strategien — doch RAID ist kein Backup. Es schützt vor Laufwerksausfall, nicht vor:
- versehentlichem Löschen
- Malware
- Verschlüsselungstrojanern
- Datenkorruption
- Brand oder Diebstahl
Unabhängige Sicherungen bleiben Pflicht — idealerweise extern oder in einem zweiten System.
Kapazitätsplanung: Realistisch rechnen
Eine solide Planung berücksichtigt:
- Aktuellen Datenbestand
- Jährliches Datenwachstum
- Backup-Strategien
- Snapshot-Speicher
- Medienformate der Zukunft
- Mehrnutzerbetrieb
- Reserve von mindestens 30–40 %
Wer heute 6 TB nutzt, sollte nicht auf 8 TB netto planen — sondern eher auf 16 TB oder mehr.
Performance hängt indirekt von der Bay-Zahl ab
Mehr Laufwerke bedeuten nicht nur mehr Speicher, sondern auch mehr parallele Datenströme. Besonders bei RAID-5/6-Verbünden steigt die Leseleistung deutlich. Für:
- Medienstreaming
- parallele Backups
- virtuelle Maschinen
- Datenbanken
ist das relevant. Die Bay-Zahl wirkt sich hier indirekt positiv aus.
Erweiterbarkeit: Oft unterschätzt
Ein NAS wird meist länger genutzt als geplant. Erweiterungsoptionen sind daher entscheidend.
- Online-RAID-Erweiterung möglich?
- Kapazität durch größere Platten austauschbar?
- Erweiterungsgehäuse anschließbar?
- RAM und Netzwerk aufrüstbar?
Geräte mit nur zwei Bays stoßen hier schnell an Grenzen.
Wirtschaftlichkeit über die Lebensdauer
Ein größeres NAS wirkt zunächst teurer — kann aber langfristig günstiger sein:
- Weniger Systemwechsel
- Bessere Plattenauslastung
- Weniger Migrationsaufwand
- Längere Nutzungsdauer
- Höherer Wiederverkaufswert
Die Gesamtkosten über fünf Jahre relativieren oft den Mehrpreis.
Entscheidungsmatrix in der Praxis
2-Bay sinnvoll wenn:
- Datenbestand klein bis mittel
- Hauptzweck Backup
- Keine Wachstumspläne
- Budget begrenzt
- Minimalistische Nutzung
4-Bay sinnvoll wenn:
- Datenbestand wächst
- Medienarchive genutzt werden
- Mehrere Nutzer zugreifen
- Zukunftssicherheit gewünscht
- RAID-Flexibilität wichtig ist
6-Bay+ sinnvoll wenn:
- Professionelle Workflows
- Große Datenmengen
- Virtualisierung
- Langfristige Skalierung
- Hohe Verfügbarkeit
Der pragmatische Grundsatz
In der Praxis zeigt sich ein wiederkehrendes Muster: Die meisten Nutzer, die zu klein kaufen, bereuen es. Diejenigen, die etwas größer planen, selten. Speicherbedarf wächst fast immer schneller als erwartet. Ein NAS ist Infrastruktur — keine kurzfristige Anschaffung. Wer hier zu knapp plant, zahlt später doppelt: mit Geld, Zeit und Migrationsaufwand.
Schlussbetrachtung
Die richtige NAS-Größe ist weniger eine Frage des aktuellen Speicherstands als der strategischen Perspektive. Zwei Bays genügen für einfache Sicherungsaufgaben, vier Bays bieten solide Zukunftsfähigkeit, größere Systeme liefern professionelle Reserven.
Entscheidend ist nicht die maximale Kapazität — sondern das Verhältnis aus Sicherheit, Erweiterbarkeit und Nutzungsszenario. Wer diese Faktoren realistisch bewertet, trifft eine Wahl, die auch in einigen Jahren noch trägt.
Anzeige*
Blitzangebote!
Entdecke gadgetChecks.de!
Bild-Quellen: OpenAi
*Transparenz!
= externe Links /// + Banner = Partner-Links - Wenn Du über diese einkaufst unterstützt du uns mit einer kleinen Provision, bei unverändertem Preis. Übersicht aller Partnerprogramme /// Preise gelten zum Zeitpunkt der Veröffentlichung - Informationen & DisclaimerAlle erwähnten Marken, Produktnamen und Logos sind Eigentum der jeweiligen Rechteinhaber. Dieses Portal ist ein unabhängiges Projekt und steht in keinerlei Verbindung zu Apple Inc. oder anderen Herstellern. Wir werden nicht gesponsert, autorisiert oder anderweitig unterstützt.