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Microsoft Maia 300 soll Copilot ab 2027 mit eigenen KI-Chips antreiben
Microsoft hat den KI-Beschleuniger Maia 300 vorgestellt und will die neue Generation ab 2027 in großem Maßstab einsetzen. Der Konzern plant, Microsoft Maia 300 zum wichtigsten Rechensystem für die Ausgabe seiner KI-Dienste zu machen. Damit rückt ein selbst entwickelter Chip in den Hintergrund von Copilot, Azure und künftigen KI-Agenten – allerdings nicht als Bauteil für PCs, sondern als Infrastruktur für Rechenzentren.
Für Nutzer entsteht daraus zunächst keine neue Schaltfläche und keine sofort verfügbare Copilot-Funktion. Die Ankündigung betrifft die Ebene, auf der Microsoft bereits trainierte KI-Modelle ausführt und Antworten erzeugt. Sie entscheidet langfristig darüber, wie viele Anfragen der Konzern gleichzeitig verarbeiten kann, wie hoch der Energiebedarf pro Antwort ausfällt und wie stark Microsoft bei zentraler Hardware von externen Anbietern abhängig bleibt.
Microsoft Maia 300 ist für lange Kontexte und KI-Agenten ausgelegt
Microsoft beschreibt Maia 300 als „Inference-first“-System. Inferenz bezeichnet die Rechenarbeit, die nach dem Training eines Modells anfällt: Ein Dienst verarbeitet eine Eingabe, bezieht einen längeren Gesprächsverlauf ein, nutzt Werkzeuge und erzeugt daraus eine Antwort oder eine Aktion. Genau solche lang laufenden und mehrstufigen Aufgaben sollen künftig an Bedeutung gewinnen.
In der technischen Beschreibung von Maia 300 nennt Microsoft acht HBM4-Speicherstapel mit insgesamt 288 Gigabyte Kapazität und einer Bandbreite von 18 Terabyte pro Sekunde je Beschleuniger. Rechen-, Speicher- und Ein-/Ausgabefunktionen sind auf mehrere Chiplets verteilt. Die rechenintensiven Teile sollen bei TSMC im N2P-Verfahren gefertigt werden. Das gesamte System ist darauf ausgelegt, Daten möglichst nah an den jeweils arbeitenden Recheneinheiten zu halten, weil gerade das Verschieben großer Datenmengen Zeit und Energie kostet.
Ein vollständiger Rack-Aufbau umfasst 96 Beschleuniger und benötigt nach Herstellerangaben bis zu 167 Kilowatt. Mehrere Racks lassen sich zu einem Verbund mit bis zu 12.288 Beschleunigern zusammenschalten. Flüssigkeitskühlung soll dabei mehr als 80 Prozent der thermischen Last aus den Beschleunigern, Spannungswandlern und Netzwerkbausteinen abführen.
Die Leistungswerte für Microsoft Maia 300 sind Herstellerangaben
Microsoft verspricht für Maia 300 in einer vollständigen Rack-Konfiguration einen bis zu siebenmal höheren Token-Durchsatz als bei Maia 200. Gegenüber dem Vorgänger soll die Leistung pro Watt um mehr als den Faktor 2,5 steigen. Einen weiteren Vergleich zieht das Unternehmen zu führenden GPU-Systemen: Pro Megawatt sollen 40 Prozent mehr nutzbare Tokens entstehen.
Diese Werte stammen aus Microsofts eigenen Messungen. Das Unternehmen benennt für den Vergleich mit „führenden GPU-Systemen“ weder ein konkretes Konkurrenzprodukt noch die vollständigen Testbedingungen. Damit lässt sich die behauptete Effizienz derzeit nicht unabhängig auf einen bestimmten Nvidia- oder AMD-Beschleuniger übertragen. Ebenso wenig garantiert ein höherer Rechenzentrumsdurchsatz automatisch kürzere Antwortzeiten in jeder Copilot-Anwendung. Netzwerk, Modellauslastung, Software und die jeweilige Aufgabe bleiben weitere Einflussfaktoren.
Maia 200 läuft bereits für Copilot und kommt nach Europa
Der Vorgänger liefert einen Hinweis darauf, wie Microsoft den neuen Chip einsetzen will. Nach der offiziellen Ankündigung verarbeitet Maia 200 inzwischen produktive Aufgaben für Microsoft Copilot und unterstützt die Entwicklung der konzerneigenen MAI-Modelle. Dabei laufen sowohl Modelle von OpenAI als auch Microsofts eigene und frei verfügbare Modellfamilien auf dem System. GitHub Copilot und Microsoft Foundry sollen bis zum Jahresende folgen.
Microsoft rollt Maia 200 nach eigenen Angaben in den USA, Europa und Australien aus. Für Maia 300 nennt das Unternehmen bislang nur den Beginn produktiver Installationen im Jahr 2027 und einen Ausbau über mehrere Gigawatt. Welche europäischen Azure-Regionen zuerst umgestellt werden, wann einzelne Copilot-Dienste dort tatsächlich Maia 300 verwenden und ob Kunden die Hardware später direkt in Azure buchen können, bleibt offen.
Eigene Chips verringern die Abhängigkeit, beenden sie aber nicht
Mit Maia kontrolliert Microsoft mehr Ebenen seiner KI-Plattform selbst: Der Konzern kann Modelle, Software, Netzwerk, Serveraufbau und Chiparchitektur gemeinsam optimieren. Reuters ordnet den Schritt als Versuch ein, Kosten zu senken und die starke Stellung von Nvidia bei KI-Beschleunigern zu lockern. Die Nachrichtenagentur berichtet, dass im kommenden Jahr potenziell mehr als eine Million der neuen Chips eingesetzt werden könnten.
Vollständig unabhängig wird Microsoft dadurch nicht. TSMC soll die zentralen Rechen-Chiplets fertigen, und der Konzern setzt in seinen Rechenzentren weiterhin Systeme von Nvidia und AMD ein. Maia 300 wird damit nicht zum alleinigen Chip für jede KI-Aufgabe, sondern zum wichtigsten eigenen System für die Verarbeitung großer Mengen von KI-Anfragen.
Auch der Gesamtenergiebedarf dürfte trotz effizienterer Einzelberechnungen hoch bleiben. Schon die angekündigte Größenordnung von mehreren Gigawatt zeigt, dass bessere Leistung pro Watt den Ausbau der Infrastruktur nicht automatisch in einen sinkenden absoluten Stromverbrauch übersetzt. Für europäische Nutzer ist Maia 300 deshalb vor allem eine Hintergrundentscheidung: Sie kann die Kapazität und Wirtschaftlichkeit von Copilot und Azure verändern, ist aber noch kein Versprechen für niedrigere Preise, neue Funktionen oder einen bestimmten Starttermin in Deutschland.
Stand der Recherche: 12. Oktober 2026, 18:00 Uhr CEST
Hauptquellen
- Microsoft: Maia 300 wird ab 2027 in großem Maßstab ausgerollt
- Microsoft Azure: Technische Architektur von Maia 300
- Microsoft: Offizielle Medienseite mit Bildern und weiterführenden Unterlagen
- Reuters via Investing.com: Microsofts eigene KI-Chips und die geringere Abhängigkeit von Nvidia
Transparenzhinweis: gadgetChecks hat Maia 300 nicht selbst getestet und besitzt keinen Zugang zu der Rechenzentrumshardware. Technische Leistungs- und Effizienzwerte stammen von Microsoft und sind bislang nicht unabhängig bestätigt; die Einordnung des Marktumfelds stützt sich zusätzlich auf den verlinkten Reuters-Bericht.
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