GC SERIE
TECHNIK
AKTUELL

Brave Email Aliases verstecken die echte Adresse bei Registrierungen




Redaktion









News




4 Min. Lesezeit

Transparenzhinweis: Affiliate-Links enthalten – Details am Artikelende.

Brave hat in der Desktop-Version 1.94 die Funktion Brave Email Aliases freigeschaltet. Nutzer können damit bei einer Registrierung eine zufällig erzeugte E-Mail-Adresse statt ihrer eigentlichen Adresse eintragen. Eingehende Nachrichten werden an das gewohnte Postfach weitergeleitet. Zum Start stehen fünf solcher Adressen kostenlos zur Verfügung.

Das klingt zunächst nach einem weiteren Komfortwerkzeug für Formulare, schließt aber eine Lücke, die klassische Tracking-Blocker kaum erreichen. Eine E-Mail-Adresse bleibt über Jahre gleich und kann Datensätze verschiedener Dienste miteinander verbinden. Diese Zuordnung geschieht häufig auf den Servern der beteiligten Unternehmen und damit außerhalb des Browsers. Ein blockiertes Tracking-Skript allein verhindert sie nicht.

ANZEIGE

Brave Email Aliases sitzen direkt im Anmeldeformular

Die offiziellen Versionshinweise führen Email Aliases als neue Funktion von Brave 1.94.117 für Desktop-Systeme auf. Nach der Anmeldung bei einem Brave Account genügt ein Klick in ein E-Mail-Feld, damit der Browser eine Alias-Adresse anbieten kann. Erscheint der Hinweis nicht, lässt sich die Funktion über das Kontextmenü aufrufen. In der englischen Oberfläche werden erzeugte Adressen und eigene Notizen unter „Settings“, „Autofill & Passwords“ und „Email Aliases“ verwaltet.

Der neue Brave Account ist nicht mit dem bestehenden Brave-Premium-Konto identisch. Für ihn werden eine E-Mail-Adresse und ein Passwort benötigt. Nach Darstellung des Unternehmens nutzt die Anmeldung das kryptografische OPAQUE-Verfahren, sodass das Passwort selbst nicht an Braves Server übertragen wird. Das ist eine wichtige Sicherheitsentscheidung, bedeutet aber nicht, dass der Dienst ohne personenbezogene Daten auskommt: Brave speichert die primäre Adresse und die erzeugten Alias-Adressen, weil ohne diese Zuordnung keine Weiterleitung möglich wäre.

Auf Smartphones ist die Funktion noch nicht regulär angekommen. Brave bezeichnet eine mobile Umsetzung als geplant, nennt bislang jedoch weder einen Termin noch unterstützte Versionen. Auch für die angekündigte Premium-Stufe mit mehr Alias-Adressen fehlen derzeit Preis und Startdatum. Eine regionale Beschränkung nennt Brave nicht; einen eigenen Funktionstest mit einem deutschen Konto hat GadgetChecks jedoch nicht durchgeführt.

Was Brave beim Weiterleiten verarbeitet

Nach Braves Beschreibung der Email Aliases erhält eine Website nur die zufällige Adresse. Eine dorthin gesendete Nachricht läuft zunächst über Braves Weiterleitungsdienst und landet anschließend im eigentlichen Postfach. Der Betreiber der Website kann die Verbindung zur primären Adresse deshalb nicht ohne zusätzliche Informationen herstellen.

Ganz unsichtbar bleibt der Vorgang für Brave allerdings nicht. Laut Hilfeseite zur Datenverarbeitung nutzt das Unternehmen Amazon Web Services, speichert Nachrichten verschlüsselt und verarbeitet sie automatisiert für Spam- und Virenprüfungen. Nach erfolgreicher Zustellung sollen sie innerhalb weniger Sekunden gelöscht werden. Scheitert die Zustellung vorübergehend, versucht das System sie bis zu 24 Stunden lang erneut.

Zusätzlich protokolliert Brave unter anderem Zeitstempel, Alias- und Nachrichtenkennungen, Prüfergebnisse sowie einen begrenzten Teil der Mail-Header. Statistische Datensätze sollen nach sieben Tagen, Protokollereignisse spätestens nach 14 Tagen verschwinden. Diese Angaben stammen vom Anbieter; eine unabhängige technische Prüfung des neuen Dienstes liegt dieser Meldung nicht zugrunde.

ANZEIGE

Der Alias schützt nicht das ganze Konto

Der praktische Vorteil zeigt sich besonders bei Onlineshops, Newslettern, Foren und Diensten, denen man keine dauerhaft verwendete Adresse geben möchte. Wird eine Alias-Adresse mit Werbung überflutet oder taucht sie nach einem Datenleck in Betrugsnachrichten auf, lässt sie sich stilllegen, ohne das persönliche Postfach aufzugeben. Eine pro Dienst vergebene Adresse kann zudem einen Hinweis darauf liefern, wo sie weitergegeben oder entwendet wurde.

Zum Start gibt es jedoch nur fünf kostenlose Adressen. Nutzer müssen daher auswählen, wo der zusätzliche Schutz am meisten bringt. Brave warnt außerdem, dass weitergeleitete Nachrichten in der Anfangsphase im Spam-Ordner landen können. Für wichtige Buchungen, behördliche Vorgänge oder Konten mit unverzichtbaren Wiederherstellungsmails sollte die Zustellung deshalb erst geprüft werden.

Ein Alias macht eine Registrierung auch nicht anonym. Name, Lieferanschrift, Zahlungsdaten, IP-Adresse oder Geräteinformationen können eine Person weiterhin erkennbar machen. Ebenso ersetzt die Funktion weder ein einzigartiges Passwort noch Passkeys oder eine Zwei-Faktor-Absicherung. Wird das eigentliche E-Mail-Konto übernommen, hilft die vorgeschaltete Adresse nicht mehr.

Brave ist nicht der erste Anbieter

Das Grundprinzip ist etabliert. Apple integriert „E-Mail-Adresse verbergen“ in iCloud+, wie unser Überblick zu iClouderklärt. Mozilla bietet mit Firefox Relay bis zu 50 kostenlose Masken an, während DuckDuckGo Email ProtectionWeiterleitungsadressen mit dem Entfernen bekannter Mail-Tracker verbindet.

Neu ist deshalb nicht die Idee, sondern ihre direkte Einbindung in die stabile Desktop-Version von Brave und die Verbindung mit dem neuen Brave-Account-System. Der Browser senkt damit die Hürde, bei einer gewöhnlichen Registrierung eine andere Adresse zu verwenden. Ob die Begrenzung auf fünf kostenlose Aliasse im Alltag ausreicht und wie zuverlässig die Zustellung funktioniert, muss sich nach dem Start noch zeigen.

Für Brave-Nutzer ist Version 1.94 dennoch ein sinnvoller Schritt: Der Browser schützt nun nicht nur Daten, die eine Website lokal hinterlässt, sondern bietet auch eine Barriere gegen die serverseitige Wiedererkennung über dieselbe E-Mail-Adresse. Die Funktion verkleinert die sichtbare Datenspur, nimmt Nutzern aber nicht die Entscheidung ab, welchem Dienst sie welche weiteren Angaben überlassen.

Hauptquellen

Aktuelle Angebote

Technik-Deals im Überblick

Ausgewählte Angebote und zeitlich begrenzte Preisaktionen rund um Technik und Gadgets.

Angebote ansehen