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Darmtraining im Ausdauersport: Was der Bauch lernen kann




Redaktion









Protein & Sporternährung




5 Min. Lesezeit

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Auf einer langen Laufrunde kann die Verpflegung zur Belastung werden: Das Gel liegt schwer im Magen, nach dem Sportgetränk rumort der Bauch, die nächste Portion bleibt lieber in der Tasche. Wer Kohlenhydrate unterwegs braucht, muss deshalb auch mit ihrer Aufnahme zurechtkommen. Darmtraining soll helfen, diese Verträglichkeit durch wiederholtes Üben zu verbessern.

Dahinter steckt ein nachvollziehbarer Gedanke: Die geplante Wettkampfverpflegung wird bereits im Training erprobt. Einige Untersuchungen zeigen dabei weniger Beschwerden. Wie zuverlässig das gelingt und welche körperlichen Anpassungen dafür verantwortlich sind, ist allerdings weniger klar als die Bezeichnung „Training“ vermuten lässt.

Was mit Darmtraining gemeint ist

Beim Darmtraining werden Lebensmittel oder Getränke wiederholt vor oder während sportlicher Belastung aufgenommen. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob sich die geplante Versorgung unter diesen Bedingungen besser vertragen lässt. Das ist für längere Ausdauereinheiten relevant, bei denen unterwegs Energie zugeführt werden soll.

Die gemeinsame Fachposition von Sports Dietitians Australia und Ultra Sports Science Foundation aus dem Jahr 2025unterscheidet mögliche Anpassungen: mehr Toleranz gegenüber Mageninhalt, eine veränderte Magenentleerung und eine bessere Aufnahme von Nährstoffen im Darm. Diese Vorgänge sind nicht gleichermaßen belegt. Eine schnellere Magenentleerung durch Darmtraining wurde unter sportlicher Belastung bislang nicht überzeugend nachgewiesen.

Was ein Versuch mit 25 Laufenden zeigte

In einer randomisierten Studie von Costa und Kollegen aus dem Jahr 2017 absolvierten 25 Ausdauerläuferinnen und Ausdauerläufer zunächst einen langen Belastungstest. Während eines zweistündigen Laufabschnitts erhielten sie alle 20 Minuten 30 Gramm Kohlenhydrate aus einer Glukose-Fruktose-Mischung. Anschließend folgte ein einstündiger Distanztest.

In den folgenden zwei Wochen übten zwei Gruppen die Verpflegung mit kohlenhydrathaltigen Gelportionen beziehungsweise Lebensmitteln. Eine dritte Gruppe erhielt ein Placebo. Beim anschließenden erneuten Belastungstest gingen die Magen-Darm-Beschwerden in beiden Kohlenhydratgruppen stärker zurück als in der Placebogruppe. Auch die Laufleistung entwickelte sich günstiger.

Das ist ein Hinweis auf einen möglichen Nutzen, aber keine persönliche Erfolgsvorhersage. Die Untersuchung war klein und prüfte ein bestimmtes Verfahren. Die verwendeten 90 Gramm Kohlenhydrate pro Stunde beschreiben die Studienbedingung; sie sind keine allgemeine Vorgabe für Freizeitsportler.

Die Übersicht fällt vorsichtiger aus

Eine systematische Übersicht von Martinez und Kollegen aus dem Jahr 2023 berücksichtigte acht Arbeiten mit unterschiedlich gestalteten Übungsphasen von vier bis 28 Tagen. In einzelnen Versuchen besserten sich das Bauchgefühl und bestimmte Beschwerden, andere Ergebnisse blieben unklar. Wegen der großen Unterschiede wurden die Resultate nicht zu einer gemeinsamen Effektgröße zusammengefasst.

Auch die Übertragbarkeit ist begrenzt: Die untersuchten Personen waren überwiegend männlich und zwischen 15 und 35 Jahre alt. Die Literatursuche reichte bis Mai 2022. Eine verbindliche Dauer oder ein für alle geeignetes Steigerungsschema lässt sich daraus nicht ableiten. Die Costa-Studie gehört zu dieser Übersicht; beide sind somit keine voneinander unabhängigen Bestätigungen.

Mehr Kohlenhydrate bringen nicht automatisch mehr Leistung

Dass sich hohe Mengen teilweise vertragen lassen, beantwortet noch nicht die Leistungsfrage. Eine Untersuchung von King und Kollegen aus dem Jahr 2022 kombinierte bei sehr gut trainierten Ausdauersportlern über zwei Wochen eine besonders kohlenhydratreiche Ernährung mit Darmtraining und weiteren Ernährungsmaßnahmen.

Bei 19 männlichen Gehern nahmen bestimmte Beschwerden unter der umfangreicheren Versorgung zu. In der zweiten Untersuchung mit Läuferinnen und Läufern ergab sich kein zusätzlicher Leistungsvorteil gegenüber der Vergleichsstrategie. Weil mehrere Maßnahmen gleichzeitig verändert wurden, lässt sich daraus keine isolierte Wirkung des Darmtrainings ablesen. Finanziert wurde die Arbeit durch die Alliance for Potato Research and Education.

Gel und Getränk gehören in dieselbe Rechnung

Für die praktische Erprobung zählt die gesamte Kohlenhydratzufuhr. Liefert ein Gel beispielsweise 25 Gramm und ein Getränk weitere 30 Gramm, sind das zusammen 55 Gramm. Die Angaben beziehen sich hier auf eine tatsächlich verzehrte Portion und eine tatsächlich getrunkene Menge; das Beispiel ist keine Einnahmeempfehlung.

Das Australian Institute of Sport weist bei Sportgels darauf hin, dass die meisten konzentrierten Produkte mit Wasser oder einer anderen verdünnten Flüssigkeit verwendet werden sollten. Entscheidend bleiben die Produkthinweise und die zur Belastung passende Flüssigkeitsversorgung. Die Grundlagen zur getrennten Planung von Energie und Flüssigkeit erklärt auch der Beitrag über Sportgetränke und ihren tatsächlichen Zweck.

Die geplante Verpflegung schrittweise erproben

Das Australian Institute of Sport empfiehlt, die Verträglichkeit im Training zu prüfen und die Menge beziehungsweise Konzentration bei Bedarf allmählich zu steigern. Für einen kurzen, lockeren Lauf entsteht daraus kein Anlass, zusätzliche Gels einzuplanen. Erprobt werden sollte eine Versorgung, die für die jeweilige Belastung überhaupt gebraucht wird.

Für einen nachvollziehbaren Vergleich bietet es sich an, Produkt, Menge, Zeitpunkt und Beschwerden festzuhalten. Wer gleichzeitig die Rezeptur wechselt, das Tempo erhöht und mehr aufnimmt, kann die Ursache einer Veränderung schwerer erkennen. Das ist eine praktische Ableitung, kein wissenschaftlich bestätigter Einheitsplan. Ebenso lässt sich eine verträgliche Kombination nicht automatisch durch ein anders zusammengesetztes Produkt ersetzen.

Wiederkehrende Beschwerden brauchen eine eigene Einordnung

Die Fachposition von 2025 betont, dass es keine einheitliche Lösung für belastungsbedingte Magen-Darm-Probleme gibt. Wiederkehrende oder ausgeprägte Beschwerden sollten individuell abgeklärt werden. Sie sind kein Signal, die Zufuhr gegen den eigenen Körper immer weiter zu erhöhen.

Darmtraining kann helfen, die Verpflegung für lange Belastungen besser kennenzulernen und möglicherweise verträglicher zu machen. Entscheidend ist eine passende, erprobte Versorgung. Eine möglichst hohe Grammzahl ist dafür ebenso wenig ein Erfolgskriterium wie das bloße Durchhalten trotz Beschwerden.

Stand der Recherche: 31. Oktober 2026.

Hauptquellen

Transparenzhinweis: Dieser Beitrag beruht auf den verlinkten Fachquellen. GadgetChecks hat keine eigenen Belastungsversuche oder Verträglichkeitstests durchgeführt. Die Studien erlauben keine verlässliche Vorhersage für einzelne Personen und ersetzen keine individuelle medizinische oder sporternährungsbezogene Beratung.

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