SPIEGEL
Bose QuietComfort Kopfhörer (2. Gen.): Sechs Tests zeigen zwei klare Grenzen
Die Bose QuietComfort Kopfhörer (2. Gen.) sollen eine vertraute Stärke der Baureihe bewahren: möglichst wirksame Geräuschunterdrückung in einem leichten, reisetauglichen Over-Ear-Kopfhörer. Sechs aktuelle Tests zeichnen tatsächlich ein überwiegend positives Bild. Bei Telefonaten und der Preispositionierung gegenüber Boses eigenem Ultra-Modell treten jedoch deutliche Grenzen hervor.
Transparenzhinweis: GadgetChecks hat die Bose QuietComfort Kopfhörer (2. Gen.) nicht selbst getestet. Dieser Beitrag fasst sechs unabhängige Tests, Messungen und Praxiserfahrungen zusammen und gleicht sie mit Herstellerangaben ab. Testergebnisse und Herstellerinformationen werden getrennt behandelt.
Die technische Ausstattung und Markteinführung hatte GadgetChecks bereits in Technik vorgestellt: Google Pixel Tag, Garmin CIRQA Smart Band und Bose QuietComfort (2. Gen.) anhand der Herstellerinformationen eingeordnet. Inzwischen liegen genügend unabhängige Tests vor, um zu prüfen, welche Versprechen sich im Alltag bestätigen.
Was Bose technisch verändert hat
Bose bleibt bei einer faltbaren Over-Ear-Konstruktion mit physischen Tasten. Die offiziellen Produktangaben nennen ein Gewicht von 230 Gramm, sechs Mikrofone, Bluetooth 5.4, Multipoint für zwei verbundene Geräte und eine Reichweite von bis zu neun Metern.
Neu hinzugekommen sind USB-C-Audio mit bis zu 24 Bit und 48 Kilohertz sowie Boses TrueSpatial-Technik. Dafür stehen die räumlichen Wiedergabemodi Still, Motion und Cinema bereit. Die Geräuschunterdrückung lässt sich über die Bose-App anpassen oder vollständig abschalten. Eine überarbeitete Regelung soll außerdem Undichtigkeiten ausgleichen, die etwa durch Brillenbügel, Haare oder Kopfbedeckungen entstehen.
Bose verspricht bis zu 24 Stunden Wiedergabe beziehungsweise 18 Stunden bei eingeschaltetem Immersive Audio. Eine vollständige Ladung soll drei Stunden dauern; 15 Minuten am Ladegerät sollen für bis zu zweieinhalb weitere Stunden reichen. Im Lieferumfang befinden sich ein Transportetui, ein USB-C-Ladekabel und ein USB-C-auf-3,5-Millimeter-Kabel. Ein Netzteil gehört nicht dazu.
Wie die Bose QuietComfort Kopfhörer (2. Gen.) geprüft wurden
Die ausgewerteten Tests setzen unterschiedliche Schwerpunkte. RTINGS und SoundGuys verbinden Laborwerte mit praktischen Hörtests. Tom’s Guide nutzte den Kopfhörer unter anderem auf langen Flugreisen, T3 im häuslichen Umfeld sowie in Bahn und U-Bahn. Gizmodo prüfte ihn im lauten New Yorker Alltag, während StereoNET Komfort, Klang und Geräuschunterdrückung aus einer stärker audiophilen und reiseorientierten Perspektive betrachtete.
Diese Unterschiede sind wichtig: Eine Rangfolge der Geräuschunterdrückung kann im Flugzeug anders ausfallen als bei Stimmen, Straßenlärm oder wechselnden Geräuschen in einer U-Bahn. Auch Kopfform, Brille und Polsterkontakt beeinflussen den Sitz und damit sowohl Komfort als auch Abschirmung.
Geräuschunterdrückung bleibt die größte Stärke
Bei der aktiven Geräuschunterdrückung herrscht der deutlichste Konsens. RTINGS bewertet die Abschirmung als außergewöhnlich wirksam. SoundGuys ermittelte in seinem Messverfahren eine Reduzierung der wahrgenommenen Lautheit um 85,1 Prozent mit aktivierter Geräuschunterdrückung. Ohne ANC kam die passive Abschirmung dort auf 71,9 Prozent.
Im Flugzeug sah Tom’s Guide die Bose sogar vor der Sony WH-1000XM6 und den AirPods Max 2. RTINGS kam über sein gesamtes Messprogramm dagegen zu dem Ergebnis, dass Sonys WH-1000XM6 Außengeräusche insgesamt noch etwas stärker unterdrückt. StereoNET sah Sony ebenfalls knapp vorn.
Das ist kein unauflösbarer Widerspruch. Die Bose spielen ihre Stärke vor allem bei gleichmäßigem tieffrequentem Reise- und Verkehrslärm aus. Die Platzierung gegenüber Sony hängt davon ab, welche Frequenzen, Geräuscharten und Passformen stärker gewichtet werden. Entscheidend ist deshalb weniger ein vermeintlich eindeutiger Sieger als der gemeinsame Befund: Die QuietComfort gehören bei ANC weiterhin zur Spitzengruppe.
Auch die von Bose beworbene Anpassung an kleine Lücken zwischen Polster und Kopf scheint mehr als ein bloßes Datenblattmerkmal zu sein. Gizmodo berichtet, dass die Geräuschunterdrückung selbst mit einer Sonnenbrille überzeugend blieb.
Komfort: für viele ausgezeichnet, aber nicht universell
Das geringe Gewicht wird in fast allen Tests positiv hervorgehoben. Tom’s Guide trug den Kopfhörer auf einer mehr als achtstündigen Reise ohne größere Beschwerden. RTINGS und SoundGuys loben ebenfalls den weichen, leichten Sitz. Die faltbare Konstruktion und das mitgelieferte Etui erleichtern den Transport.
Damit führt Bose eine Eigenschaft fort, die bereits ältere Modelle ausgezeichnet hat. Das heutige Ergebnis darf allerdings nicht mit dem früheren GadgetChecks-Review des Bose QuietComfort 35 verwechselt werden: Es handelt sich um unterschiedliche Generationen, und GadgetChecks hatte das aktuelle Modell nicht selbst auf dem Kopf.
Dass Passform individuell bleibt, zeigt StereoNET besonders deutlich. Dort wurde der seitliche Anpressdruck nach ungefähr 90 Minuten als unangenehm empfunden und ließ auch nach mehreren Tagen nicht wesentlich nach. T3 bemerkte bei Druckveränderungen in der U-Bahn zudem ein unangenehmes Verhalten der Geräuschunterdrückung.
Die faire Einordnung lautet deshalb: Für viele dürfte der Komfort zu den wichtigsten Kaufargumenten zählen. Wer empfindlich auf Anpressdruck oder das typische Druckgefühl einer starken ANC-Regelung reagiert, sollte den Sitz vor dem Kauf ausprobieren.
Klang: warm, zugänglich und nicht ganz unumstritten
Klanglich ergibt sich kein vollständig einheitliches Bild. RTINGS beschreibt eine warme, kontrollierte Abstimmung mit sehr präzisen Mitten. T3 hörte einen kräftigen Bass, lebendige Mitten und eine großzügige räumliche Darstellung. Gizmodo gefiel die grundsätzlich ausgewogene Wiedergabe, bei niedrigen Pegeln konnte der Bass dort aber andere Bereiche überlagern.
StereoNET empfand den Tiefton dagegen als vergleichsweise ehrlich und kontrolliert, kritisierte jedoch eine zu vorsichtig wirkende Hochton- und Dynamikwiedergabe. Über USB-C verbesserte sich nach Einschätzung des Testers die Trennung einzelner Klangbestandteile.
Die räumlichen TrueSpatial-Modi sind kein eindeutiger Mehrwert. T3 fand sie wirkungsvoll, bemerkte jedoch teilweise schärfere Höhen. SoundGuys nutzte Immersive Audio nach der ersten Erprobung nur selten, während Gizmodo die Funktion zwar wahrnahm, aber nicht als kaufentscheidend betrachtete. Weil sie zusätzlich Laufzeit kostet, bleibt sie eher eine optionale Spielerei als das zentrale Argument dieser Generation.
Für alltägliches Musikhören, Filme und Podcasts erscheint die Abstimmung insgesamt gut zugänglich. Wer eine besonders offene, dynamische oder streng neutrale HiFi-Wiedergabe sucht, sollte sich von der starken ANC-Leistung allein nicht leiten lassen.
Telefonate sind die auffälligste Schwäche
Deutlich kritischer fällt das Gesamtbild bei Sprachaufnahmen und Telefonaten aus. Bose bewirbt den USB-C-Anschluss ausdrücklich auch für Videokonferenzen und eine klare Sprachübertragung. Die unabhängigen Erfahrungen bestätigen dieses Versprechen aber nur in ruhigen Situationen.
SoundGuys fand das Mikrofon unter idealen Bedingungen ordentlich, beobachtete jedoch eine schwache Unterdrückung von Bürogesprächen und Wind. RTINGS stellte fest, dass die Stimme in lauten Umgebungen an Klarheit verliert. Tom’s Guide zählt die Gesprächsqualität ebenfalls nicht zu den Stärken.
Am deutlichsten fiel das Ergebnis bei Gizmodo aus: Ein Gesprächspartner bewertete die Verständlichkeit während eines Telefonats auf der Straße lediglich mit vier von zehn Punkten. Schritte, Verkehr und Wind blieben deutlich hörbar.
Wer überwiegend in ruhigen Räumen telefoniert, dürfte damit zurechtkommen. Für regelmäßige Gespräche im Freien, auf Bahnsteigen oder in offenen Büros ist der Kopfhörer nach dem übereinstimmenden Testbild keine besonders verlässliche Wahl.
Akku, Bedienung und Verbindungen
RTINGS erreichte im eigenen Akkutest rund 27 Stunden und übertraf damit Boses Angabe von 24 Stunden. Tom’s Guide kam bei intensiver Nutzung von ANC und Immersive Audio ungefähr auf die versprochenen 18 Stunden. Der standardisierte Akkutest von SoundGuys war zum Zeitpunkt der Auswertung noch nicht abgeschlossen.
Die Laufzeit ist damit alltagstauglich, im aktuellen Premiumsegment aber nicht außergewöhnlich. Boses eigenes Ultra-Modell bietet laut Hersteller bis zu 30 Stunden, andere Konkurrenten kommen teilweise deutlich weiter.
Gelobt werden die physischen Tasten. Sie lassen sich ertasten und vermeiden die Fehleingaben, die bei berührungsempfindlichen Flächen auftreten können. Multipoint arbeitete bei Tom’s Guide zuverlässig. Auf eine automatische Trageerkennung und eine offiziell ausgewiesene Schutzklasse gegen Wasser oder Schweiß verzichtet Bose dagegen.
Kabellos stehen lediglich SBC und AAC zur Verfügung. LDAC, aptX und Auracast wurden in den ausgewerteten Tests nicht unterstützt. USB-C-Audio ist deshalb eine sinnvolle Ergänzung für Computer, Smartphones und Tablets. RTINGS beobachtete über Bluetooth zugleich eine hohe Latenz. Warum kabelloser Ton besonders bei Spielen auffallen kann, erklärt GadgetChecks im Hintergrundartikel Warum Bluetooth-Ton beim Spielen zu spät kommt.
Ungeklärt bleibt ein Detail des Kabelbetriebs: Bose nennt auf der deutschen Produktseite eine passive Wiedergabe bei leerem Akku, während RTINGS den Kopfhörer als nicht passiv nutzbar einstuft. Wegen dieser widersprüchlichen Angaben sollten Interessierte, die zwingend ohne Akkustrom hören möchten, den konkreten Betriebsweg vor dem Kauf bestätigen lassen.
Der Preis bringt Bose in Erklärungsnot
Bose verlangt in Deutschland 349,95 Euro. Der Preisvergleich von Geizhals begann zum Recherchezeitpunkt bei 349 Euro. Ein nennenswerter Straßenpreisvorteil war damit unmittelbar nach der Markteinführung noch nicht vorhanden.
Problematisch ist vor allem die Konkurrenz im eigenen Haus: Bose bot die QuietComfort Ultra Kopfhörer der zweiten Generation zum gleichen Zeitpunkt für 379,95 Euro an. Der Abstand betrug damit lediglich 30 Euro. Dafür erhalten Käufer laut Bose unter anderem hochwertigere Materialien, automatische Sensoren und eine längere Akkulaufzeit. Das Ultra-Angebot ist zeitlich begrenzt und kann sich ändern, schwächt die Position des regulären Modells derzeit aber deutlich.
Verpflichtende Abonnements oder laufende Softwarekosten entstehen nicht. Ohrpolster und Akku bleiben langfristig mögliche Verschleißpunkte; belastbare deutsche Ersatzteil- und Reparaturkosten für diese neue Generation waren zum Recherchezeitpunkt noch nicht vollständig dokumentiert.
Das Gesamtbild
Die Bose QuietComfort Kopfhörer (2. Gen.) erfüllen ihre wichtigste Aufgabe überzeugend. Die ausgewerteten Tests sprechen für eine sehr wirksame Geräuschunterdrückung, geringes Gewicht, überwiegend hohen Langzeitkomfort und einen zugänglichen Klang. Physische Tasten, Multipoint, Faltmechanismus und USB-C-Audio machen sie zu praktischen Reise- und Arbeitskopfhörern.
Die Grenzen liegen weniger beim Musikhören als im Umfeld: Telefonate bei Wind und Verkehr gelingen mehreren Tests zufolge nur mäßig. Gleichzeitig fehlen Trageerkennung, moderne hochauflösende Bluetooth-Codecs und eine Schutzklasse. Die Akkulaufzeit ist solide, aber nicht klassenführend.
Zum regulären Preis von 349,95 Euro sind die QuietComfort deshalb keine uneingeschränkte Standardempfehlung. Sie passen besonders zu Menschen, die starke Geräuschunterdrückung, geringes Gewicht und eine klassische Tastenbedienung höher bewerten als maximale Akkulaufzeit oder umfangreiche Komfortfunktionen. Solange Boses Ultra-Modell nur 30 Euro mehr kostet, sollte es jedoch zwingend in den Vergleich einbezogen werden.
Ausgewertete Tests und Hauptquellen
- RTINGS: Bose QuietComfort Headphones (2nd Gen) Review – Laborwerte zu Klang, Abschirmung, Akku, Mikrofon und Latenz.
- Tom’s Guide: Bose QuietComfort Headphones 2nd Gen Review – Langstreckenflug, Komfort, ANC-Vergleich und Alltagserfahrungen.
- SoundGuys: Bose QuietComfort Headphones (2nd Gen) – Messungen und einwöchiger Praxistest; das Testgerät wurde von Bose bereitgestellt.
- T3: Bose QC Headphones 2 Review – Nutzung zu Hause, beim Gehen sowie in Bahn und U-Bahn.
- Gizmodo: Bose QuietComfort Headphones (2nd Gen) Review – Stadtbetrieb, Anrufqualität, Klang und Abdichtung mit Brille.
- StereoNET: Bose QuietComfort Noise Cancelling Headphones 2nd Gen Review – Reiseeinsatz, Klang, Anpressdruck und Konkurrenzvergleich.
- Bose-Produktseite – technische Daten, Lieferumfang, Laufzeit, Preis und Verfügbarkeit.
- Bose-Pressemitteilung – Modelländerungen, Markteinführung und offizielles Bildmaterial.
- Geizhals-Preisvergleich – deutscher Marktpreis und gelistete Farbvarianten.
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