Wachslampen von Baguette Studio lassen sich einschmelzen – Rückgabe bleibt der Schlüssel
Die Wachslampen von Baguette Studio werden noch bis zum 14. September auf der Einrichtungsmesse Maison&Objet in Paris gezeigt. Die Messe hat das junge Pariser Designbüro mit seiner Leuchtenfamilie Le Labo 1.0 als einen von drei Gewinnern des Programms „Future On Stage“ ausgewählt. Anders als bei einer gewöhnlichen Lampe soll ein beschädigter oder nicht mehr gewünschter Wachskörper nicht entsorgt, sondern zurückgegeben, eingeschmolzen und in eine neue Form gebracht werden können.
Die Leuchtenidee ist allerdings nicht erst in Paris entstanden: Baguette Studio datiert das Grundprojekt auf 2025. Der aktuelle Anlass ist die Präsentation und angekündigte Fertigung vor Ort auf der Maison&Objet, nicht die erstmalige Vorstellung oder ein neuer deutscher Verkaufsstart.
Das klingt zunächst wie ein einfacher Materialwechsel. Tatsächlich hängt das Konzept aber an mehreren zusammengehörigen Entscheidungen: Die Wachskörper besitzen festgelegte Materialgewichte, der Sockel lässt sich zerlegen und für andere Gegenstände weiterverwenden, und das Einschmelzen ist als Werkstattprozess gedacht. Erst wenn Rückgabe und Neuformung erreichbar funktionieren, wird aus der ungewöhnlichen Leuchte mehr als ein Designobjekt mit einem erneuerbaren Rohstoff.
Wachslampen von Baguette Studio nutzen feste Materialgewichte
Le Labo 1.0 umfasst nach Angaben des Studios zwei Tischleuchten, eine Wandleuchte und eine Hängeleuchte. Für die Wachskörper sind feste Gewichte von 400, 800 und 1.600 Gramm vorgesehen. Dadurch soll sich ein Körper ohne zusätzliches Material in eine andere Form derselben Gewichtsklasse überführen lassen. Die bereits angebotene Tischleuchte Le Labo 1.1 wiegt beispielsweise 800 Gramm.
Gefertigt werden die Hüllen im Rotationsguss. Dabei verteilt sich die geschmolzene Wachsmischung in einer bewegten Form und erstarrt anschließend an deren Innenwand. Baguette Studio verwendet dafür eine selbst entwickelte, zerlegbare Maschine und nennt eine Fertigungszeit von weniger als 45 Minuten pro Leuchte. Zur Mischung gehören laut Darstellung von Maison&Objet pflanzliches Wachs und Bienenwachs. Die genaue Rezeptur sowie unabhängige Prüfungen zur Haltbarkeit oder Zahl möglicher Einschmelzzyklen sind nicht veröffentlicht.
80 Grad markieren die angegebene Verformungsgrenze
Auf der Projektseite zu Le Labo 1.0 nennt das Studio 80 Grad Celsius als Temperatur, bis zu der die eigene Wachsmischung formstabil bleiben soll. Das Ausstellerprofil der Messe führt 100 Grad als Temperatur für das Einschmelzen an. Beide Werte stammen vom Anbieter und wurden nicht unabhängig überprüft. Sie sind zudem keine Anleitung, den Leuchtenkörper zu Hause im Kochtopf oder Backofen zu erhitzen.
Eine vollständige Lampe besteht nicht nur aus Wachs. Baguette Studio nennt außerdem einen Sockel aus Edelstahl, elektrische Bauteile und ein LED-Leuchtmittel. Das Versprechen einer Zusammensetzung aus 100 Prozent natürlichem Wachs bezieht sich deshalb auf den formbaren Wachskörper, nicht auf das gesamte elektrische Produkt. Vor einer Neuformung müssen die unterschiedlichen Bestandteile getrennt werden.
Der Sockel folgt nach Angaben des Studios den Prinzipien von OpenStructures, einem offenen modularen Konstruktionssystem, das den Austausch, die Reparatur und die Wiederverwendung von Bauteilen erleichtern soll. Damit ist zumindest konstruktiv vorgesehen, dass nicht jede neue Leuchtenform auch einen neuen Sockel benötigt. Ob und mit welchen anderen Produkten die konkrete Basis tatsächlich weiterverwendet werden kann, lässt sich aus der Produktseite allein jedoch nicht ableiten.
Der Materialkreislauf endet nicht am Warenkorb
Die Produktseite der Tischleuchte Le Labo 1.1 zeigt einen Preis von 240 Euro und eine Bestellmöglichkeit. Käufer außerhalb der Europäischen Union sollen das Studio vorab kontaktieren. Ein flächendeckender Verkaufsstart im deutschen Handel ist damit nicht belegt; dokumentiert ist eine direkte Bestellmöglichkeit beim Hersteller in Frankreich.
Für die spätere Neuformung beschreibt Baguette Studio die Rückgabe des Materials an den Anbieter. Offen bleiben auf den öffentlich erreichbaren Seiten jedoch die Kosten des Rückversands, die Bearbeitungszeit, ein möglicher Preis für die neue Form sowie konkrete Annahmestellen in Deutschland. Die Projektbeschreibung spricht zwar von lokalen Kleinstproduktionsorten, stellt diese aber als angestrebtes System und nicht als bereits verfügbares Netz dar.
Gerade diese Logistik entscheidet über die Umweltwirkung. Eine wiederholt formbare Hülle kann Materialabfall vermeiden, doch Transporte, Energie für das Einschmelzen, Verpackung und der Umgang mit elektrischen Komponenten gehören ebenfalls zur Bilanz. Eine veröffentlichte Lebenszyklusanalyse, die den gesamten Weg mit einer herkömmlichen Leuchte vergleicht, liegt nicht vor. Aussagen wie „abfallfrei“, „biologisch abbaubar“ oder „erneuerbar“ bleiben deshalb Herstellerangaben zum Material- und Produktionskonzept.
Die Pariser Präsentation macht eine schlüssige Konstruktionsidee sichtbar: Form, Materialmenge und Sockel werden nicht als untrennbare Einheit behandelt. Für Käufer ist trotzdem weniger die theoretische Schmelzbarkeit entscheidend als die Frage, ob Rückgabe, Neuformung und Ersatzteile über Jahre praktisch erreichbar und bezahlbar bleiben. Weitere Beiträge zu Materialien, Einrichtung und Wohnkomfort bündelt GadgetChecks in der Rubrik Wohnen.
Stand der Recherche: 14. September 2026, 12:46 Uhr CEST
Hauptquellen
- Baguette Studio: Projektbeschreibung zu Le Labo 1.0
- Baguette Studio: Produktseite der Tischleuchte Le Labo 1.1
- Maison&Objet: Baguette Studio im Programm Future On Stage 2026
- OpenStructures: Grundlagen des modularen Konstruktionssystems
- The Nod: aktueller Bericht von der Maison&Objet
Transparenzhinweis: Dieser Beitrag beruht auf öffentlich zugänglichen Angaben von Baguette Studio, Maison&Objet und ergänzender Fachberichterstattung. GadgetChecks hat die Leuchten nicht selbst getestet, keine Materialprüfung vorgenommen und die Rückgabe oder Neuformung nicht praktisch erprobt.
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