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PISA 2025 in Deutschland: Ein Drittel verfehlt Grundlagen in Lesen und Mathematik
Die Ergebnisse von PISA 2025 in Deutschland zeigen einen neuen Tiefstand. Jeweils etwa ein Drittel der untersuchten 15-Jährigen erreicht beim Lesen und in Mathematik nicht das von der Studie definierte grundlegende Kompetenzniveau. In den Naturwissenschaften betrifft das ungefähr jeden vierten Jugendlichen. Damit fallen die deutschen Werte in allen drei Bereichen niedriger aus als bei jeder früheren PISA-Erhebung seit dem Jahr 2000.
Deutschland erreicht nach den veröffentlichten Ergebnissen der Bildungsministerkonferenz 486 Punkte in den Naturwissenschaften, 465 Punkte beim Lesen und 464 Punkte in Mathematik. Obwohl dies historische Tiefstwerte für Deutschland sind, liegen die Ergebnisse ungefähr auf dem aktuellen OECD-Niveau. Dieser scheinbare Widerspruch entsteht, weil die Leistungen auch in vielen anderen Staaten zurückgegangen sind.
Für Familien ist zunächst eine Abgrenzung wichtig: PISA bewertet weder ein bestimmtes Kind noch eine einzelne Schule. Aus den Ergebnissen entsteht keine neue Prüfung, keine persönliche Förderpflicht und keine Änderung von Zeugnisnoten. Die Studie beschreibt, wie sich die Kompetenzen einer repräsentativen Gruppe von Jugendlichen im deutschen Bildungssystem entwickelt haben.
Was PISA 2025 in Deutschland tatsächlich misst
PISA fragt nicht einfach Schulstoff ab. Die Jugendlichen müssen Wissen auf Situationen übertragen, die ihnen auch außerhalb des Unterrichts begegnen können. Dazu gehören das Verstehen von Texten, das Auswerten von Informationen, mathematische Alltagsprobleme oder die Beurteilung naturwissenschaftlicher Zusammenhänge.
Der Schwerpunkt lag 2025 auf den Naturwissenschaften. Lesen und Mathematik wurden ebenfalls untersucht. Neu hinzu kam das modellbasierte Problemlösen als Teil des Lernens in der digitalen Welt. Dabei ging es nicht um die routinierte Bedienung eines Smartphones, sondern darum, komplexere Probleme mithilfe digitaler Werkzeuge, Modelle oder Simulationen strukturiert zu bearbeiten.
In Deutschland nahmen nach den Angaben des zuständigen Zentrums für internationale Bildungsvergleichsstudien rund 6.700 Jugendliche an etwa 250 Schulen teil. Die Auswahl sollte die 15-Jährigen in Deutschland repräsentieren. Ergebnisse werden nur zusammengefasst und anonymisiert veröffentlicht; sie lassen sich weder einzelnen Teilnehmern noch bestimmten Schulen zuordnen.
Auch ein Vergleich der Bundesländer ist mit dieser Erhebung nicht möglich. PISA 2025 liefert für Deutschland einen bundesweiten Wert. Wer aus den Zahlen unmittelbar auf die Qualität einer bestimmten Schule, Schulform oder Region schließt, geht deshalb über das hinaus, was die Untersuchung belegen kann.
Warum Deutschland trotz Tiefstwerten im OECD-Durchschnitt liegt
Die deutschen Punktwerte sind in allen drei klassischen Kompetenzbereichen so niedrig wie nie zuvor. Gleichzeitig liegt Deutschland in den Naturwissenschaften vier Punkte über dem OECD-Mittelwert, beim Lesen ebenfalls vier Punkte darüber und in Mathematik nahezu genau auf dem Durchschnitt.
Das bedeutet nicht, dass die Entwicklung weniger problematisch wäre. Der internationale Maßstab ist selbst gesunken. Der weltweite OECD-Bericht zu PISA 2025 weist besonders beim Lesen auf deutliche Rückgänge in vielen Staaten hin. Deutschland bewegt sich also nicht deshalb im Mittelfeld, weil die eigenen Ergebnisse stabil geblieben wären, sondern weil sich ein breiterer Abwärtstrend zeigt.
PISA-Punkte sind außerdem weder Schulnoten noch Prozentangaben. Aus einem Punktwert lässt sich nicht ablesen, welchen Notendurchschnitt Jugendliche erreicht hätten oder wie viele Aufgaben sie richtig lösten. Aussagekräftig werden die Werte vor allem im Vergleich über mehrere Erhebungen und durch die Zuordnung zu Kompetenzstufen.
Was das fehlende Grundlagenwissen bedeutet
Jeweils ungefähr ein Drittel der Jugendlichen bleibt beim Lesen und in Mathematik unter dem grundlegenden Kompetenzniveau. Dabei muss es sich nicht in beiden Bereichen um dieselben Personen handeln. In den Naturwissenschaften liegt der entsprechende Anteil bei etwa einem Viertel.
Diese Einstufung bedeutet nicht automatisch, dass die Betroffenen überhaupt nicht lesen oder rechnen können. Gemeint sind Schwierigkeiten, vorhandenes Wissen zuverlässig auf einfache alltagsnahe Aufgaben zu übertragen. Das kann etwa das Erkennen relevanter Informationen in einem Text, das Vergleichen von Preisen oder das richtige Deuten einer einfachen Grafik betreffen.
Solche Defizite können den Übergang in Ausbildung und Beruf erschweren. PISA stellt bei einzelnen Teilnehmern jedoch keine Lernstörung fest und ersetzt weder schulische Leistungsdiagnostik noch ein persönliches Beratungsgespräch. Ob ein Jugendlicher Unterstützung benötigt und in welchem Bereich sie sinnvoll wäre, lässt sich nur anhand seiner tatsächlichen Arbeit im Unterricht feststellen.
Soziale Herkunft wiegt in Deutschland besonders schwer
Besonders auffällig ist der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Leistung. Nach der nationalen Auswertung lassen sich in Deutschland 19 Prozent der Unterschiede bei den naturwissenschaftlichen Ergebnissen statistisch mit dem sozioökonomischen Status in Verbindung bringen. Im OECD-Durchschnitt sind es zwölf Prozent.
Das ist kein Beweis dafür, dass die familiäre Situation die Leistung eines einzelnen Kindes festlegt. Es zeigt jedoch, dass ungleiche Voraussetzungen in Deutschland stärker mit den gemessenen Kompetenzen verbunden sind als in vielen anderen Staaten. Die Unterschiede zwischen sozial benachteiligten und privilegierten Jugendlichen sind laut Bildungsministerkonferenz größer als bei jeder früheren PISA-Erhebung.
Damit wäre es zu kurz gegriffen, die Ergebnisse hauptsächlich über den Zuwanderungshintergrund zu erklären. In der deutschen Auswertung fallen die Unterschiede nach sozialer Lage stärker ins Gewicht. Dazu können verschiedene Faktoren beitragen, etwa die Lernbedingungen zu Hause, der Zugang zu Unterstützung oder die Ausstattung und Zusammensetzung einer Schule. PISA zeigt den Zusammenhang, kann aber nicht jede Ursache einzeln nachweisen.
Beim digitalen Problemlösen ist das Bild gemischt
Im erstmals untersuchten modellbasierten Problemlösen erreicht Deutschland 498 Punkte. Der OECD-Durchschnitt liegt bei 500 Punkten, der EU-Durchschnitt bei 492. Etwa ein Viertel der Jugendlichen erreicht besonders niedrige Kompetenzstufen; zugleich gehört ungefähr ein weiteres Viertel zu den leistungsstärkeren Gruppen.
Dieses Ergebnis zeigt, dass viele Jugendliche komplexere digitale Aufgaben bewältigen können. Es gleicht die Schwierigkeiten beim Lesen und in Mathematik jedoch nicht einfach aus. Wer Informationen in einem Text nicht sicher erfasst oder mathematische Beziehungen nicht versteht, stößt auch in digitalen Arbeitsumgebungen schnell an Grenzen.
Positiv fällt außerdem auf, dass sich rund drei Viertel der Jugendlichen ihrer Schule zugehörig fühlen. Das Interesse an Naturwissenschaften hat gegenüber 2015 zugenommen. Solche Befunde verschwinden leicht hinter den Tiefstwerten, sind für mögliche Verbesserungen aber relevant: Förderung beginnt nicht in einem völlig motivationslosen Umfeld.
Was Familien aus den Ergebnissen ableiten können
Aus der Veröffentlichung ergibt sich für Eltern kein neuer Antrag und kein zusätzlicher Untersuchungstermin. PISA teilt den getesteten Jugendlichen keine öffentlich verwertbare persönliche Kompetenzstufe zu. Familien sollten deshalb nicht versuchen, den bundesweiten Durchschnitt auf das eigene Kind zu übertragen.
Wenn beim Lesen, Rechnen oder naturwissenschaftlichen Verständnis konkrete Schwierigkeiten auffallen, bleiben die Rückmeldungen der Lehrkräfte, schulische Arbeiten und persönliche Gespräche aussagekräftiger. Dabei kann gezielt gefragt werden, welche Fähigkeiten bereits sicher vorhanden sind, an welchen Aufgaben Probleme auftreten und welche Förderung die Schule anbietet.
Bund und Länder wollen die Ergebnisse nun auswerten und laufende Maßnahmen weiterentwickeln. Dazu gehören unter anderem die Unterstützung von Schulen in schwierigen sozialen Lagen, eine stärkere Förderung grundlegender Kompetenzen und die frühere Erkennung von Unterstützungsbedarf. Der bereits bei GadgetChecks eingeordnete Sprach- und Entwicklungscheck für Vierjährige ist jedoch ein eigenständiges Gesetzesvorhaben und keine unmittelbar aus PISA 2025 entstandene neue Pflicht.
Ein Warnsignal für das System, kein Zeugnis für ein Kind
PISA 2025 zeigt, dass Deutschland bei grundlegenden Fähigkeiten weiter an Boden verloren hat. Besonders schwer wiegen der hohe Anteil Jugendlicher unterhalb der Basiskompetenzen und die gewachsene Abhängigkeit des Bildungserfolgs von der sozialen Herkunft.
Die Veröffentlichung verändert an diesem Tag aber weder Unterrichtsvorgaben noch Rechte oder Pflichten von Familien. Sie ist zunächst eine Diagnose des Bildungssystems. Ob daraus spürbare Verbesserungen im Schulalltag entstehen, hängt davon ab, welche bestehenden Maßnahmen tatsächlich wirken, wie konsequent sie umgesetzt werden und ob Unterstützung diejenigen Jugendlichen erreicht, die sie benötigen. Weitere Entwicklungen mit konkreten Folgen für Familien ordnet GadgetChecks fortlaufend unter Alltag Aktuell ein.
Stand der Recherche: 8. September 2026, 11:43 Uhr MESZ.
Hauptquellen
- OECD: PISA 2025 Ergebnisse – Bereit für die Zukunft?
- Zentrum für internationale Bildungsvergleichsstudien: PISA 2025
- Bildungsministerkonferenz: Ergebnisse für Deutschland
- Tagesschau: Deutsche Schüler schneiden schlecht ab wie nie
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