KOMPASS
Passkeys auf Android übertragen, fünf Xperia sollen Android 17 erhalten – und Arm baut die nächste Chipbasis
Passkeys auf Android übertragen, ohne sie für jede Website neu anzulegen: Android macht den Wechsel zwischen mehreren Passwortmanagern erstmals zu einer Systemfunktion. Gleichzeitig verkürzt Google Fotos die Rettungsfrist gelöschter Aufnahmen, Sony legt eine auffallend kurze Android-17-Liste vor und Arm zeigt, worauf die nächste Generation leistungsfähiger Smartphone-Chips aufbauen soll.
Berichtszeitraum: 5. bis 11. September 2026
Redaktionsschluss: 11. September 2026, 13:54 Uhr MESZ (Europa/Berlin)
Der Wechsel zu einem anderen Passwortmanager war auf Android bisher ausgerechnet an der empfindlichsten Stelle unnötig umständlich. Passwörter ließen sich zwar über Exportdateien mitnehmen, doch solche Dateien lagen zumindest zeitweise unverschlüsselt auf dem Gerät. Passkeys waren noch stärker an ihren bisherigen Anbieter gebunden und mussten bei vielen Diensten neu eingerichtet werden. Wer künftig Passkeys auf Android übertragen möchte, soll beides direkt zwischen unterstützten Apps erledigen können – ohne eine offen lesbare Datei herunterzuladen und ohne jeden Zugang einzeln neu aufzubauen.
Damit greift die wichtigste Android-Nachricht dieser Woche eine praktische Schwäche auf, die mit der wachsenden Zahl passwortloser Anmeldungen immer sichtbarer wird. Weitere Entwicklungen der Plattform ordnet der AndroidKompass fortlaufend ein; diesmal geht es vor allem um die Frage, wie viel Freiheit ein digitales Ökosystem seinen Nutzern beim Anbieterwechsel tatsächlich lässt.
Nachricht der Woche: Passkeys auf Android übertragen – ohne Klartextdatei
Die neue Übertragung wird vom Ziel-Passwortmanager gestartet. Android erkennt daraufhin die auf dem Gerät verfügbaren Quellanbieter und zeigt sie in einer Systemauswahl an. Nach der Auswahl wechselt der Ablauf zur bisherigen Passwortmanager-App, in der die zu übertragenden Daten geprüft und freigegeben werden. Erst danach werden Passwörter und Passkeys an den neuen Anbieter übergeben. Google nennt Google Passwortmanager, 1Password, Bitwarden und Dashlane als erste unterstützte Dienste; weitere sollen folgen. Die Funktion ist nach Angaben des Unternehmens mit Android 8 und neueren Versionen kompatibel.
Technisch steckt dahinter die Credentials Transfer API des Android Credential Managers. Sie überträgt Daten auf demselben Gerät zwischen einem Exporteur und einem Importeur und verwendet dafür das standardisierte Credential Exchange Format der FIDO Alliance. Laut Android-Dokumentation bekommt weder das Betriebssystem selbst noch eine nicht authentifizierte App die Rohdaten zu sehen. Weil ein kompletter Tresor größer sein kann als eine gewöhnliche Android-Systemnachricht, nutzt die Schnittstelle vorübergehende, abgesicherte Dateien, auf die nur die beteiligten Anbieter über eine Content-URI zugreifen.
Für Nutzer ist weniger das technische Transportmittel als die neue Entscheidungsfreiheit entscheidend. Ein Passwortmanager verwaltet längst nicht mehr nur Zeichenfolgen, sondern häufig auch Passkeys, Adressen, sichere Notizen und weitere vertrauliche Einträge. Je mehr davon in einem Tresor liegen, desto höher wird die praktische Hürde für einen Wechsel. Android senkt diese Hürde, ohne den alten Umweg über eine CSV-Datei zum Normalfall zu machen. Das unterscheidet die neue Funktion von der bisherigen Synchronisierung: Synchronisierung verteilt Daten innerhalb eines Anbieters auf mehrere eigene Geräte, die Übertragung verschiebt sie zwischen zwei verschiedenen Anbietern auf demselben Android-Gerät.
Vollständig automatisch ist der Umzug trotzdem nicht. Beide Passwortmanager müssen die Schnittstelle unterstützen, eine Gerätesperre muss eingerichtet sein und der bisherige Anbieter kann eine erneute Anmeldung, den Wiederherstellungsschlüssel oder eine zusätzliche Bestätigung verlangen. Google weist außerdem darauf hin, dass beschädigte Daten oder nicht unterstützte Inhalte einen Import verhindern können. Wer wechselt, sollte den alten Tresor daher erst löschen oder das bisherige Abonnement erst beenden, nachdem die wichtigsten Konten, Passkeys und Zusatzfelder im neuen Manager überprüft wurden.
Der GadgetChecks-Hintergrund zu Passkeys erklärt, warum das passwortlose Verfahren Phishing erschwert und weshalb Wiederherstellungswege trotzdem wichtig bleiben. Die neue Android-Funktion löst nun eine andere Frage: Nicht wie ein Passkey funktioniert, sondern wie er den Anbieter wechseln kann, ohne bei jeder Website neu registriert zu werden.
Hauptquellen
- Google: Passwortmanager auf Android sicher wechseln
- Android Developers: Credential Transfer im Android Credential Manager
- Google-Hilfe: Passwörter und Passkeys importieren oder exportieren
Google Fotos löscht den Papierkorb nun nach 30 Tagen
Bei Google Fotos ist der Spielraum für eine zweite Entscheidung kleiner geworden. Die deutschsprachige Hilfe nennt inzwischen eine einheitliche Aufbewahrungsfrist von 30 Tagen für Fotos und Videos im Papierkorb. Zuvor blieben gesicherte Aufnahmen 60 Tage erhalten, während nicht gesicherte Dateien bereits nach 30 Tagen endgültig gelöscht wurden. Erste Nutzer sehen nach einem Bericht von Android Authority entsprechende Hinweise direkt in der Android-App.
Die Änderung ist besonders dann relevant, wenn eine Aufnahme versehentlich über Google Fotos gelöscht wird. Bei aktivierter Sicherung kann der Löschvorgang dieselbe Datei auch von weiteren angemeldeten Geräten entfernen; nach dem endgültigen Löschen lässt sie sich laut Google nicht mehr über den Datenexport zurückholen. Wer lediglich die Galerie aufräumen möchte, ohne Dateien zu löschen, sollte deshalb das Archiv verwenden. Und wer sich bei einer größeren Löschaktion unsicher ist, muss den Papierkorb nun innerhalb eines Monats prüfen.
Hauptquellen
- Google Fotos-Hilfe: Fotos und Videos löschen
- Android Authority: Google Fotos verkürzt die Wiederherstellungsfrist
Sony nennt nur fünf Xperia-Modelle für Android 17
Sony hat die eigenen Pläne für Android 17 konkretisiert und führt derzeit fünf berechtigte Smartphones auf: Xperia 1 VIII, Xperia 1 VII, Xperia 1 VI, Xperia 10 VIII und Xperia 10 VII. Einen einheitlichen Veröffentlichungstag nennt der Hersteller nicht; der Zeitplan könne sich je nach Gerät unterscheiden. Für Deutschland bedeutet die von Sony UK bereitgestellte Supportseite deshalb noch keine Zusage, dass das Update auf jedem genannten Modell bereits angekommen ist.
Zu den vorgesehenen Neuerungen zählen eine anpassbare Schnelleinstellungsleiste, neue Möglichkeiten für Sperr- und Startbildschirm sowie eine Bildschirmaufnahme, die wahlweise nur eine App oder den gesamten Bildschirm einschließlich Geräte- und Mikrofonton erfassen kann. Der Desktopmodus für einen angeschlossenen Bildschirm bleibt auf die Modelle Xperia 1 VIII, 1 VII und 1 VI beschränkt. Nur das Xperia 1 VIII erhält außerdem „Custom Looks“, mit denen sich bis zu drei eigene Verarbeitungsvorgaben für die Kamera speichern lassen.
Die kurze Liste zeigt zugleich, wie stark ein Android-Versionssprung vom Hersteller abhängt. Google kann neue Funktionen in den Plattformcode einbauen, doch Modellwahl, Anpassung und Auslieferung bleiben Sache des jeweiligen Geräteanbieters. Besitzer eines nicht genannten Xperia sollten deshalb nicht aus allgemeinen Android-17-Meldungen auf ein kommendes Sony-Update schließen. Maßgeblich bleibt die individuelle Supportseite des Geräts.
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Arm C2 und Mali G2-Ultra NX sollen KI und Grafik enger verbinden
Die nächste große Veränderung steckt noch nicht in einem kaufbaren Smartphone, sondern in den Bauplänen künftiger Chips. Arm hat mit CSS for Mobile 2 eine Plattform vorgestellt, die C2-Ultra- und C2-Pro-Prozessorkerne, zwei SME2-Einheiten für Matrixberechnungen, die Mali G2-Ultra NX und eine neue Systemverbindung zusammenführt. Hersteller können die Komponenten als Paket übernehmen oder mit eigenen Bausteinen kombinieren.
Die CPU soll nicht nur Apps ausführen, sondern die einzelnen Schritte lokaler KI-Aufgaben koordinieren: Sprache verarbeiten, Informationen abrufen, ein Modell ausführen und anschließend eine App ansteuern. Arm verspricht gegenüber der Vorgängergeneration bis zu 15 Prozent mehr Einzelkernleistung, zwölf Prozent schnellere App-Starts und bis zu 1,7-fache Leistung bei ausgewählten KI-Modellen. Für einen von Arm definierten, mehrstufigen Assistentenablauf nennt das Unternehmen eine um 24 Prozent kürzere Ausführungszeit.
Diese Zahlen sind Herstellerangaben aus eigenen Vergleichsszenarien, keine Messwerte fertiger Smartphones. Kühlung, Speicher, Modem, Software und die konkrete Chipkonfiguration können das Ergebnis deutlich verändern. Auch die neue GPU garantiert nicht automatisch bessere Spiele. Ihre direkt in die Grafikeinheiten integrierten neuronalen Beschleuniger können Zwischenbilder erzeugen oder eine niedriger berechnete Darstellung hochskalieren; Entwickler müssen diese Möglichkeiten aber erst in Spiele und Grafik-Engines einbauen.
Für Android-Nutzer ist die Ankündigung dennoch wichtig, weil sie zeigt, wohin sich die Hardware verschiebt. KI soll nicht nur in einem separaten Spezialprozessor laufen, sondern CPU, GPU und Systemsteuerung gemeinsam beanspruchen. Welche Smartphone-Chips CSS for Mobile 2 in Europa tatsächlich nutzen und wie viel davon bei Akkulaufzeit, Spielen oder Offline-Assistenten ankommt, ist noch offen.
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Xiaomi 18 Fold startet in China – Europa bleibt offen
Beim Xiaomi 18 Fold ist aus der Messeankündigung ein kaufbares Produkt geworden, allerdings zunächst nur in China. Xiaomi listet das faltbare Smartphone dort ab 10.999 Yuan. Ein Start in Deutschland oder anderen europäischen Märkten ist bislang nicht bestätigt, weshalb eine direkte Umrechnung weder einen möglichen Europreis noch Einfuhrabgaben oder eine europäische Ausstattung vorhersagt.
Das Gerät kombiniert ein 5,38-Zoll-Außendisplay mit einem 7,58-Zoll-Innendisplay und nutzt Xiaomis eigenen XRing-O3-Chip. Der Akku besitzt laut Hersteller 6.000 Milliamperestunden und unterstützt Laden mit bis zu 67 Watt per Kabel beziehungsweise 50 Watt kabellos. Auf der Rückseite sitzen eine Hauptkamera mit 200 Megapixeln sowie Ultraweitwinkel- und Telekameras mit jeweils 50 Megapixeln; das Teleobjektiv bietet eine 3,5-fache optische Vergrößerung. Speicher- und Arbeitsspeichervarianten reichen laut Produktliste von 256 Gigabyte und zwölf Gigabyte RAM bis zu einem Terabyte und 16 Gigabyte RAM.
Die Daten machen das Modell zu einem technisch interessanten Gegenentwurf zu den bekannteren Foldables von Samsung und Google. Für einen Kauf in Deutschland fehlen aber die entscheidenden Angaben: europäische Mobilfunkfreigaben, Garantie, Softwareumfang, Preis und Verkaufsstart. Bis Xiaomi diese Punkte bestätigt, bleibt das 18 Fold ein chinesisches Modell und keine bereits verfügbare deutsche Alternative.
Hauptquellen
- Xiaomi China: Produkt- und Bestellseite des Xiaomi 18 Fold
- 9to5Google: Technische Daten und China-Start des Xiaomi 18 Fold
Samsung beendet Quick Measure und AR Doodle zum Jahresende
Zwei ältere Kamera-Erweiterungen für Galaxy-Smartphones verlieren ihren offiziellen Unterbau. Hinweise in den Galaxy-Store-Einträgen von Quick Measure und AR Doodle nennen den 31. Dezember 2026 als Ende des Dienstes. Danach soll Samsung keine neuen Downloads und Updates mehr anbieten; bereits installierte Apps können weiterlaufen, erhalten aber keine Kompatibilitätsunterstützung für künftige Betriebssystemversionen. Einzelne Funktionen könnten deshalb ausfallen.
Quick Measure schätzt mit Kamera und erweiterter Realität Entfernungen oder Abmessungen realer Objekte. AR Doodle verankert Zeichnungen in einem Kamerabild. Samsung kündigt an, die Funktionen künftig in verbesserter Form zurückbringen zu wollen, nennt dafür aber weder einen Termin noch konkrete Nachfolger. Wer eine der Apps tatsächlich nutzt, sollte daher nicht auf ein nahtloses Ersatzangebot vertrauen und damit rechnen, dass ein späteres Betriebssystemupdate ihre Funktion beeinträchtigt.
Hauptquellen
- 9to5Google: Galaxy-Store-Hinweise zum Ende von Quick Measure und AR Doodle
- Android Authority: Bestätigung der Hinweise in den Galaxy-Store-Einträgen
Wochenfazit: Mehr Freiheit trifft auf neue Grenzen
Diese Android-Woche bewegt sich in zwei entgegengesetzte Richtungen. Die Übertragung von Passwörtern und Passkeys nimmt einem Anbieterwechsel einen wesentlichen Teil seines Risikos und macht einen digitalen Tresor weniger abhängig von einer einzelnen App. Gleichzeitig verkürzt Google Fotos die Zeit für eine Wiederherstellung, Sony zieht eine enge Grenze um seine Android-17-Geräte und Samsung lässt zwei ältere Funktionen auslaufen.
Arm und Xiaomi zeigen dagegen, wie schnell sich die Hardware weiterentwickelt, bevor ihre Folgen in Deutschland greifbar werden. Eine neue Chipplattform ist noch kein Leistungsversprechen für ein konkretes Telefon, und ein Verkaufsstart in China ist noch kein Europa-Start. Genau diese Trennung zwischen verfügbarer Funktion, angekündigter Technik und regional begrenztem Produkt entscheidet darüber, welche Meldung heute schon Konsequenzen hat. Weitere aktuelle Einzelmeldungen stehen fortlaufend in den GadgetChecks-News.
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