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Kleingärten kühlen Städte: Potenzial für 1,7 Millionen Menschen in Deutschland




Redaktion









Garten & Balkon




4 Min. Lesezeit

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Kleingärten kühlen Städte weit über die Grenzen ihrer einzelnen Parzellen hinaus. Die Generaldirektion Umwelt der Europäischen Kommission hat am 7. September 2026 eine europaweite Studie aufgegriffen, nach deren Modellierung die kühlende Umgebung im Mittel etwa 2,8-mal so groß ist wie die Gartenfläche selbst. Rund 4,1 Millionen Menschen in europäischen Stadtregionen leben demnach in den potenziell begünstigten Bereichen; 1,7 Millionen davon entfallen auf Deutschland. Die Zahlen beschreiben allerdings keine überall gleiche Abkühlung und auch keine gemessene Lufttemperatur, sondern einen aus Satelliten- und Geodaten abgeleiteten großräumigen Zusammenhang.

Die Untersuchung von Grzegorz Budzik, Marta Sylla und Catharina J. E. Schulp erschien bereits Anfang 2026 im Journal of Environmental Management. Für die Analyse berücksichtigte das Forschungsteam 682 von 929 sogenannten funktionalen Stadtregionen in Europa. Gemeint sind jeweils eine Stadt und ihr wirtschaftlich eng verbundener Pendlerraum. Einbezogen wurden nur Regionen, in denen Kleingärten kartiert waren und die erforderlichen Temperaturdaten vorlagen. Damit ist die Auswertung weitreichend, aber keine vollständige Bestandsaufnahme sämtlicher europäischer Städte.

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Wie Kleingärten Städte kühlen

Grundlage waren Landoberflächentemperaturen, die mit den Erdbeobachtungssatelliten Landsat 8 und Landsat 9 jeweils für die Monate April bis Oktober der Jahre 2019 bis 2024 erfasst wurden. Die Lage der Kleingartenanlagen entnahm das Team OpenStreetMap; weitere Datensätze beschrieben Bebauungsformen, Vegetation und die räumliche Verteilung der Bevölkerung. Aus diesen Ebenen errechneten die Forschenden, wie weit sich niedrigere Oberflächentemperaturen rund um die Anlagen verfolgen lassen und wie viele Menschen innerhalb dieser Bereiche wohnen.

Nach den Ergebnissen umfasst die kühlere Umgebung durchschnittlich das 2,8-Fache der jeweiligen Kleingartenfläche. Die mittlere ermittelte Kühlentfernung beziffert die Studie mit 106,8 Metern. Innerhalb der rechnerisch abgegrenzten Zonen lag die Landoberflächentemperatur laut Studie um durchschnittlich 2,84 Grad Celsius niedriger. Pro Quadratkilometer Kleingartenfläche leben im europäischen Mittel 8.221 Menschen im erfassten Kühlbereich.

Hinter dem Effekt stehen Eigenschaften, die bepflanzte und weitgehend unversiegelte Flächen von dicht bebauten Quartieren unterscheiden: Vegetation spendet Schatten, Wasser verdunstet über Boden und Pflanzen, und weniger Sonnenenergie wird in Asphalt, Beton oder Dächern gespeichert. Die Studie trennt den Anteil dieser einzelnen Vorgänge jedoch nicht für jede Anlage. Sie bildet vielmehr ein räumliches Muster über viele Städte und mehrere Jahre hinweg ab.

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Dicht bebaute Lagen profitieren rechnerisch stärker

Die größte Dichte an Kleingärten fanden die Forschenden in Mittel- und Osteuropa. Die höchste rechnerische Kühlleistung pro Fläche zeigte sich dagegen unter anderem in den Benelux-Ländern, in Westdeutschland, Norditalien und Teilen Spaniens. Als Erklärung nennt die Studie kleinere, stärker über dicht besiedelte Stadtgebiete verteilte Anlagen. Dort erreicht dieselbe Gartenfläche mehr Menschen als am dünner besiedelten Stadtrand.

Dieser Unterschied zeigt sich auch im Vergleich der Lagen. Innerstädtische Gartenflächen waren nach der verwendeten Kennzahl 23 Prozent effizienter als landwirtschaftlich genutzte Flächen im äußeren Pendlerraum. Zugleich lagen nur fünf Prozent der erfassten Kleingärten in Gebieten mit dem höchsten städtischen Hitzerisiko. Für die Stadtplanung leiten die Autoren daraus ab, kleinere Anlagen gezielt in dicht bewohnten Quartieren zu erhalten oder neu anzulegen, statt Gartenflächen allein an die Stadtränder zu verschieben.

Auch die Nachbarschaft zu Parks, Gewässern oder anderen begrünten Bereichen erklärt die Ergebnisse nicht vollständig. Zwar waren 43 Prozent der untersuchten Anlagen in eine größere grüne oder wassergeprägte Umgebung eingebunden. Freistehende Kleingartenflächen erreichten nach der Studie dennoch eine vergleichbare Kühleffizienz. Einzelne Anlagen können deshalb auch dort eine Rolle spielen, wo kein großer Park unmittelbar anschließt.

Was die 2,84 Grad nicht bedeuten

Die auffälligste Zahl der Studie braucht eine klare Grenze: Eine um 2,84 Grad niedrigere Landoberflächentemperatur ist nicht mit einer ebenso stark sinkenden Lufttemperatur auf Kopfhöhe oder in einer angrenzenden Wohnung gleichzusetzen. Satelliten erfassen, wie warm Oberflächen erscheinen. Wie sich die Luft an einem bestimmten Tag anfühlt, hängt zusätzlich von Wind, Feuchtigkeit, Verschattung, Bebauung und Tageszeit ab.

Auch für einen einzelnen Garten lässt sich aus der Europa-Auswertung kein garantierter Wert ableiten. Die Kartierung beruht unter anderem auf der Vollständigkeit und korrekten Klassifizierung der Einträge in OpenStreetMap. Die verwendeten Grenzen der Stadtregionen stammen für Großbritannien aus dem Jahr 2020 und für die übrigen Gebiete aus 2021; beim Bevölkerungsraster nutzte das Team Daten von 2018 für Großbritannien und von 2021 für die übrigen Länder. Die Modellierung zeigt daher ein belastbares großräumiges Potenzial, ersetzt aber keine Messung vor Ort und beweist nicht, dass jede Anlage ihre Umgebung im selben Maß abkühlt.

Für Balkonkästen oder einzelne begrünte Terrassen liefert die Studie ebenfalls keinen eigenen Wert. Ihr Gegenstand sind zusammenhängende Kleingartenanlagen. Der praktische Befund liegt deshalb weniger in einer neuen Pflanzregel für einzelne Haushalte als in der Bedeutung solcher Flächen für ganze Quartiere: Wo Gärten innerhalb dichter Bebauung liegen, endet ihr möglicher Kühleffekt nicht zwangsläufig am Gartenzaun. Weitere aktuelle Entwicklungen rund um Außenflächen bündelt die Rubrik Garten & Balkon.

Stand der Recherche: 10. September 2026, 11:41 Uhr CEST

Hauptquellen

Transparenzhinweis: Dieser Beitrag beruht auf der veröffentlichten Studie, der aktuellen Zusammenfassung der EU-Kommission und öffentlich zugänglichen Begleitinformationen. GadgetChecks hat keine eigenen Temperaturmessungen vorgenommen.

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