Diskrete GPU-Auslieferungen steigen um 12,2 Prozent – Notebooks treiben den Markt
Diskrete GPU-Auslieferungen haben im zweiten Quartal 2026 um 12,2 Prozent gegenüber den ersten drei Monaten des Jahres zugelegt. Nach einem Einbruch klingt das nicht. Die aktuellen Marktdaten zeigen jedoch eine deutliche Verschiebung: Während Notebooks kräftig zulegen, schrumpft das Desktop-Segment. Für Spielerinnen und Spieler, die auf günstigere Grafikkarten hoffen, ist die vermeintlich positive Nachricht deshalb noch kein Entwarnungssignal.
Nach Angaben von Jon Peddie Research wurden im zweiten Quartal weltweit 75,5 Millionen PC-Grafikprozessoren ausgeliefert. In dieser Gesamtzahl stecken sowohl integrierte als auch diskrete GPUs für Notebooks, Desktop-PCs und Workstations. Gegenüber dem Vorquartal entspricht das einem Plus von 10,4 Prozent, im Jahresvergleich einem Zuwachs von 1,1 Prozent.
Diskrete GPU-Auslieferungen sind keine Grafikkartenverkäufe
Der Anstieg um 12,2 Prozent bezieht sich auf diskrete Grafikprozessoren. Dazu gehören klassische Grafikkarten für Desktop-PCs, aber ebenso separate GPUs, die fest in Gaming- und leistungsstarken Arbeitsnotebooks verbaut werden. Die Zahl sagt deshalb nicht, wie viele Grafikkarten einzeln im Handel verkauft wurden.
Auch der Begriff „Auslieferungen“ verlangt eine klare Abgrenzung. Marktforscher erfassen damit Geräte beziehungsweise Komponenten, die Hersteller und ihre Partner in die Lieferkette geben. Ob sie bereits von Endkunden gekauft, in einem Händlerlager eingetroffen oder in einem Komplettsystem verbaut wurden, lässt sich daraus nicht unmittelbar ablesen.
Die unabhängige Auswertung von Tom’s Hardware beziffert den Zuwachs diskreter GPUs gegenüber dem zweiten Quartal 2025 auf 14,1 Prozent. Eine offizielle absolute Stückzahl für diesen Teil des Marktes veröffentlichte JPR allerdings nicht. Schätzungen von rund 20 Millionen diskreten GPUs stammen daher aus ergänzenden Berechnungen und nicht direkt aus den öffentlich zugänglichen Kerndaten der Marktstudie.
Notebooks gleichen den schwachen Desktop-Markt aus
Den entscheidenden Unterschied macht die Geräteklasse. Laut JPR stiegen die GPU-Auslieferungen für Notebooks im Quartalsvergleich um 16,8 Prozent. Bei Desktop-Grafik gingen sie dagegen um vier Prozent zurück. Der Gesamtmarkt wächst also nicht gleichmäßig, sondern wird vor allem von mobilen Rechnern getragen.
Das passt zu einem Markt, in dem eine diskrete GPU zunehmend als Bestandteil eines vollständigen Systems ausgeliefert wird. Hersteller können neue Notebook-Generationen in größeren Serien in den Handel bringen, während Besitzer eines Desktop-PCs einzelne Komponenten gezielter und in längeren Abständen austauschen.
Aus den Zahlen lässt sich dennoch nicht ableiten, dass Gaming-Notebooks allein für den Anstieg verantwortlich sind. Diskrete Grafikchips stecken ebenso in mobilen Workstations und anderen leistungsstarken Rechnern. JPR nennt außerdem Positionierungen auf der Angebotsseite und lokale Marktdynamiken als mögliche Faktoren. Wie groß der tatsächliche Anteil privater Gaming-Käufe ist, bleibt damit offen.
Mehr Auslieferungen versprechen noch keine niedrigeren Preise
Für Menschen, die eine Desktop-Grafikkarte kaufen möchten, liefern die Quartalszahlen kein belastbares Preissignal. Sie bilden einen weltweiten Markt ab und trennen die Entwicklung einzelner Modelle, Preisklassen und Regionen nicht ausreichend auf. Insbesondere lassen sie nicht erkennen, wie viele Grafikkarten im deutschen Handel verfügbar sind oder zu welchen Preisen sie tatsächlich verkauft werden.
Eine höhere Produktions- oder Auslieferungsmenge kann die Versorgung zwar grundsätzlich verbessern. Wenn das Wachstum aber überwiegend auf Notebook-GPUs entfällt, muss davon bei einzeln erhältlichen Grafikkarten wenig ankommen. Gleichzeitig können Speicherpreise, Lagerbestände, Wechselkurse und die Modellpolitik der Hersteller die Endkundenpreise in eine andere Richtung bewegen.
Wie widersprüchlich die Lage für Selbstbauer ausfallen kann, zeigte bereits unser PC-Kompass zu steigenden RTX-3060-Preisen und dem schwächeren Desktop-Markt. Ein allgemeiner Anstieg der GPU-Auslieferungen ersetzt deshalb nicht den konkreten Vergleich von Modell, Händlerpreis und Verfügbarkeit.
Für Desktop-Spieler fehlen noch die entscheidenden Detaildaten
Um den Markt für einzeln verkaufte Grafikkarten genauer zu beurteilen, werden gesonderte Zahlen zu Add-in-Boards benötigt. Sie grenzen Desktop-Grafikkarten deutlicher von integrierten Lösungen und fest verbauten Notebook-GPUs ab. Ein entsprechender JPR-Bericht soll laut TechSpot später im September folgen.
Bis dahin bleibt ein gespaltenes Bild: Diskrete GPUs behaupten sich besser als der PC-Gesamtmarkt, doch der sichtbare Schub kommt vor allem aus dem Notebook-Bereich. Für Desktop-Spieler ist das weder ein Beleg für einen Nachfrageboom noch eine Garantie für sinkende Preise. Die wichtigste Erkenntnis steckt vielmehr in der Verschiebung zwischen den Geräteklassen.
Stand der Recherche: 8. September 2026, 14:52 Uhr MESZ.
Hauptquellen
- Jon Peddie Research: PC GPU shipments increased 10.4% Q-Q, up 1.1% Y-Y
- Tom’s Hardware: Discrete graphics card shipments reach a four-year record
- TechSpot: GPU shipments surged despite weaker PC demand
Transparenzhinweis: Dieser Beitrag beruht auf öffentlich zugänglichen Marktdaten und ergänzender Fachberichterstattung. Die vollständige kostenpflichtige JPR-Marktstudie lag GadgetChecks nicht vor; ausgewertet wurden die von JPR veröffentlichten Kerndaten. GadgetChecks hat keine eigenen Markt- oder Verkaufsmessungen durchgeführt.
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