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Magnete können den Smartphone-Kompass stören, obwohl der Standort stimmt
Magnete können den Smartphone-Kompass stören, ohne den Standortpunkt auf der Karte gleich mitzuverschieben. Besonders anschaulich wird das an einer magnetischen Halterung: Die Position auf der Straße kann plausibel aussehen, während sich der Richtungspfeil dreht, seitlich wegzeigt oder nach dem Abnehmen des Telefons plötzlich wieder zur Vernunft kommt. Das wirkt, als wären sich zwei Teile derselben Karten-App uneinig. Tatsächlich beantworten sie zwei verschiedene Fragen. Der Standort sagt, wo sich das Smartphone befindet; der Kompass soll bestimmen, wohin seine Oberkante zeigt.
Für die Position kann das Telefon Satellitensignale sowie Informationen aus Mobilfunk- und WLAN-Umgebungheranziehen. Die Blickrichtung entsteht dagegen aus mehreren Bewegungssensoren und einem Magnetometer. In seiner Android-Dokumentation zu Positionssensoren beschreibt Google den geomagnetischen Sensor als Bauteil, das die Feldstärke auf drei räumlichen Achsen misst; zusammen mit dem Beschleunigungssensor lässt sich daraus die Ausrichtung relativ zum magnetischen Norden berechnen. Das Smartphone trägt also keinen winzigen Zeiger in sich. Es liest ein unsichtbares Feld und macht daraus eine Richtung.
Magnete können den Smartphone-Kompass stören, weil Felder sich addieren
Das Magnetometer besitzt dabei ein grundsätzliches Problem: Es kann messen, aus welcher Richtung und mit welcher Stärke ein Magnetfeld am Sensor ankommt, aber nicht, wer es geschickt hat. Das Erdmagnetfeld erhält deshalb keine bevorzugte Leitung. Befindet sich ein Magnet in einer Hülle, einem Kartenetui, einer Halterung oder einem anderen Zubehör nahe genug am Sensor, kommt dessen lokales Feld zur Messung hinzu. Für den Chip ist das kein Fremdkörper mit Namensschild, sondern schlicht die neue magnetische Wirklichkeit an genau diesem Ort.
Auch Metall muss nicht selbst dauerhaft magnetisiert sein, um die Messung zu verändern. Bosch Sensortec erläutert in seinen technischen Hinweisen zu geomagnetischen Sensoren, dass weichmagnetische Materialien Feldlinien verbiegen oder abschirmen können. Stahl in einem Gebäude, ein Bauteil im Gerät oder eine Metallplatte im Zubehör kann dadurch die Richtung des Feldes am Sensor verändern, obwohl der geografische Norden selbstverständlich geblieben ist. Je nach Stärke, Abstand, Lage des Sensors und Bauweise des Geräts fällt der Effekt kaum auf oder macht eine zuverlässige Richtungsanzeige vorübergehend unmöglich.
Dass ein Smartphone selbst Lautsprecher, Ströme, Metall und bei manchen Modellen auch Magnete enthält, haben die Entwickler bereits eingeplant. Android unterscheidet deshalb sogar zwischen kalibrierten und unkalibrierten Magnetfelddaten; bei letzteren kann die geschätzte Verzerrung durch magnetisiertes Eisen, Stahl oder Permanentmagnete im Gerät gesondert ausgegeben werden. Solche festen Einflüsse lassen sich teilweise vermessen und rechnerisch abziehen. Schwieriger wird es, wenn außen ein neues Zubehör hinzukommt, sich seine Lage ändert oder die Umgebung das Feld anders verformt als zuvor.
Warum die Achtbewegung mehr als ein Ritual ist
Die bekannte Bewegung des Smartphones in Form einer liegenden Acht soll keinen gestörten Sensor erschrecken. Sie liefert der Kalibrierung Messwerte aus möglichst vielen räumlichen Richtungen. In der Beschreibung seiner Sensorfusionerklärt Bosch, dass diese Werte im Idealfall eine Kugel bilden, deren Mittelpunkt bei null liegt. Ist sie durch einen gleichbleibenden magnetischen Einfluss verschoben, kann die Software den Versatz schätzen und spätere Messungen korrigieren. Die kleine Handbewegung ist damit kein digitaler Zauber, sondern eine kurze Vermessungsfahrt für den Kompass.
Allmächtig ist diese Korrektur nicht. Ein sehr starkes Feld kann den Messbereich des Sensors überschreiten, wechselnde äußere Einflüsse lassen sich nicht zuverlässig vorhersagen, und verformte Feldlinien sind komplizierter als ein gleichbleibender Versatz. Deshalb kann eine Kalibrierung helfen, während bei einer magnetischen Halterung oder Hülle oft schon der größere Abstand die ehrlichere Lösung ist. Apple weist für die iPhone-Kompass-App ausdrücklich darauf hin, dass magnetische und andere Umwelteinflüsse ihre Genauigkeit beeinträchtigen können und der digitale Kompass nur der grundlegenden Navigation dienen soll.
Während einer Bewegung kann eine Navigations-App zusätzlich aus aufeinanderfolgenden Positionen ableiten, in welche Richtung sich das Gerät fortbewegt. Im Stand fehlen ihr diese Wegpunkte; dann fällt ein falsch interpretierter magnetischer Norden besonders auf. So kann die Adresse weiterhin am richtigen Ort liegen, obwohl der Richtungskegel daneben zeigt. Schon die GadgetChecks-Geschichte über die gespeicherte Parkposition und das schnelle Foto im Parkhaus drehte sich um diese Trennung: Ein bekannter Punkt auf der Karte beantwortet noch nicht jede Frage zur Orientierung.
Im Archiv von Letzter Tab stehen viele solcher Momente, in denen zwei Anzeigen nur scheinbar dasselbe versprechen. Beim Smartphone-Kompass ist der Widerspruch besonders elegant: Das Telefon kann sehr genau wissen, wo es ist, und sich gleichzeitig darüber täuschen, wohin es schaut. Der kleine Pfeil auf der Karte empfängt schließlich keine persönliche Nachricht vom Nordpol. Er vertraut lediglich dem leisesten Wegweiser im Gerät – bis ein Magnet in der Nähe überzeugender auftritt.
Quellen und Transparenz
Stand der Recherche: 5. September 2026. Der Beitrag stützt sich auf die verlinkte Android-Dokumentation zu Positionssensoren und kalibrierten Magnetfelddaten, auf die technischen Hinweise von Bosch Sensortec zu magnetischen Verzerrungen und zur Kalibrierung sowie auf Apples Dokumentation zur Kompassgenauigkeit. Die konkrete Reaktion hängt von Gerät, Sensoranordnung, Zubehör, Abstand und Umgebung ab. Für diesen Beitrag wurden weder ein bestimmtes Smartphone noch eine bestimmte Halterung getestet.
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