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Technik im Fokus: DJI Osmo Pocket 4P bringt zwei Brennweiten in die Gimbal-Kamera
Die DJI Osmo Pocket 4P versucht ein Problem zu lösen, das selbst sehr gute Smartphones und kompakte Vlogging-Kameras nur begrenzt umgehen können: Ein starkes Weitwinkel ist praktisch, wenn sich die Kamera am ausgestreckten Arm befindet, lässt Gesichter aus kurzer Distanz jedoch schnell unvorteilhaft wirken und bietet wenig gestalterischen Spielraum, sobald ein Motiv weiter entfernt steht. DJI setzt deshalb nicht nur auf digitalen Zoom, sondern kombiniert in einem 230 Gramm leichten, mechanisch stabilisierten Gehäuse zwei vollständige Kameramodule mit 20 und 60 Millimetern Kleinbildäquivalent – und macht aus der kleinen Gimbal-Kamera damit ein technisch ungewöhnliches Werkzeug, das zwischen Smartphone, Vlogging-Kamera und kompakter Videokamera steht.
Der entscheidende Punkt ist nicht, dass die Osmo Pocket 4P besonders viele Funktionen in ein kleines Gerät packt, sondern dass ihre beiden Brennweiten tatsächlich unterschiedliche Bilder ermöglichen. Während die Weitwinkelkamera Umgebung, Gruppen und Aufnahmen aus der eigenen Hand erfasst, rückt die 60-Millimeter-Kamera Personen und entfernte Details näher heran, ohne lediglich einen kleinen Ausschnitt aus dem Weitwinkelbild zu vergrößern. Für die GadgetChecks-Kategorie Technik ist das ein interessanter Fall, weil sich an diesem Produkt eine Entwicklung beobachten lässt, die Smartphones längst geprägt hat: Mehrere spezialisierte Kameramodule sollen die Grenzen eines einzigen fest eingebauten Objektivs überwinden, diesmal jedoch auf einem beweglichen Drei-Achsen-Gimbal.
DJI Osmo Pocket 4P: Zwei Kameras, aber keine stufenlose Zoomoptik
Hinter dem 20-Millimeter-Weitwinkel mit Blende f/2,0 arbeitet nach Angaben von DJI ein neuer 1-Zoll-Stacked-CMOS-Sensor, während das 60-Millimeter-Mitteltele mit f/1,8 einen eigenen 1/1,28-Zoll-Sensor besitzt. Die längere Brennweite entsteht damit optisch und nicht durch einen digitalen Beschnitt der Hauptkamera. Das ist für Porträts relevant, weil ein größerer Aufnahmeabstand die Perspektive natürlicher wirken lässt und die Telekamera den Hintergrund stärker vom Motiv trennen kann; zugleich eignet sie sich für Bühnen, Straßenszenen oder Reisedetails, an die man nicht ohne Weiteres herantreten kann.
Der Begriff „Dual-Kamera“ darf allerdings nicht mit einem stufenlosen optischen Zoom verwechselt werden. Laut offizieller deutscher Produktseite kombiniert die Pocket 4P die Bilder der beiden Sensoren nicht gleichzeitig, sondern wechselt abhängig von der gewählten Zoomstufe zwischen den Modulen. 1× entspricht dem 20-Millimeter-Weitwinkel, 3× dem echten 60-Millimeter-Tele; darüber hinaus genannte Stufen bis 12× enthalten digitale Vergrößerung. Wer zwischen beiden Festbrennweiten zoomt, erhält deshalb keinen durchgehend optischen Brennweitenbereich wie bei einem klassischen Zoomobjektiv, sondern einen Übergang zwischen zwei Kameras, deren Sensoren, Lichtstärken und Bildprofile nicht identisch sind.
LOFIC soll helle Bildbereiche vor dem Ausbrennen retten
Technisch noch bemerkenswerter als die zweite Kamera ist der Sensor des Weitwinkelmoduls. DJI verwendet eine als LOFIC bezeichnete Struktur, ausgeschrieben „Lateral Overflow Integration Capacitor“. Vereinfacht gesagt erhält ein Pixel zusätzlichen Speicher für elektrische Ladung, die bei viel Licht über die normale Kapazität hinaus anfällt. Sehr helle Bildbereiche können dadurch in derselben Belichtung mehr Abstufungen behalten, anstatt früh vollständig weiß zu werden. Das unterscheidet sich von Verfahren, bei denen zwei unterschiedlich verstärkte Sensorsignale zusammengeführt werden, und soll besonders bei Gegenlicht, hellen Fenstern oder nächtlichen Szenen mit starken Lichtquellen helfen.
DJI nennt für das Weitwinkel in Verbindung mit dem neuen 10-Bit-Profil D-Log 2 bis zu 17 Blendenstufen Dynamikumfang. Diese Zahl klingt für eine 1-Zoll-Kamera außergewöhnlich und muss wegen unterschiedlicher Messverfahren mit Vorsicht gelesen werden, sie ist aber nicht bloß durch das Datenblatt unbelegt: Im standardisierten Labortest von CineD erreichte die Weitwinkelkamera bei ISO 1600 in D-Log 2 16 Blendenstufen bei einem Signal-Rausch-Verhältnis von 2 und 17,2 bei der weniger strengen Schwelle von 1. Die praktischere Belichtungstoleranz, bei der stark fehlbelichtetes Material nachträglich korrigiert wird, lag dennoch eher bei soliden zehn bis knapp elf Stufen, weil der komprimierte 10-Bit-Codec beim extremen Aufhellen unter anderem Farbrauschen und Tonwertabrisse zeigte. Ein unabhängiger Vergleich von PetaPixel ordnete die Leistung ebenfalls als sehr stark ein, sah den vollen 17-Stufen-Vorsprung in seinem abweichenden Praxisvergleich aber nicht bestätigt. Die sinnvolle Schlussfolgerung lautet daher nicht, dass diese Taschenkamera eine große Kinokamera ersetzt, sondern dass der neue Sensor ungewöhnlich viel Zeichnung in hellen und dunklen Bildpartien bewahren kann.
Für das 60-Millimeter-Modul gelten diese Werte ausdrücklich nicht. CineD ermittelte dort 11,6 Blendenstufen bei einem Signal-Rausch-Verhältnis von 2 und acht Stufen Belichtungstoleranz; außerdem nutzt die Telekamera das herkömmliche D-Log statt D-Log 2. Gerade dieser Unterschied ist für Käufer wichtiger als die plakative Höchstzahl, denn die Bildqualität und die Reserven bei der Farbkorrektur bleiben beim Wechsel der Brennweite nicht vollständig gleich. Das Weitwinkel ist die technisch stärkere Hauptkamera, das Tele erweitert vor allem die Bildgestaltung.
Mechanische Stabilisierung trifft auf ActiveTrack 8.0
Beide Kameramodule sitzen auf einem Drei-Achsen-Gimbal, der Bewegungen mechanisch ausgleicht und das Motiv aktiv verfolgen kann. ActiveTrack 8.0 soll Personen und andere ausgewählte Motive auch beim Wechsel der Perspektive im Bild halten; laut DJI reicht die Verfolgung bis zur 12-fachen Zoomanzeige, wobei die wirksame Entfernung mit der Vergrößerung steigt. Für Solo-Aufnahmen ist das grundsätzlich interessanter als eine rein elektronische Stabilisierung, weil die Kamera nicht nur Bildränder für einen digitalen Ausgleich opfert, sondern ihre Ausrichtung tatsächlich verändert. Ob die Verfolgung bei schnellen Richtungswechseln, verdeckten Gesichtern oder schwachem Licht zuverlässig bleibt, lässt sich aus Spezifikationen allerdings nicht ableiten.
Die Weitwinkelkamera zeichnet laut Hersteller Zeitlupe mit bis zu 4K und 240 Bildern pro Sekunde auf, das Tele erreicht bis zu 4K mit 200 Bildern pro Sekunde. Solche Spitzenwerte gelten nicht automatisch für alle Bildprofile, Zoomstufen und Hochformate; vertikale Aufnahmen sind bei der Pocket 4P auf maximal 3K begrenzt. Für normale Videoarbeit wichtiger sind der integrierte Speicher von 103 Gigabyte, ein zusätzlicher microSD-Steckplatz für Karten bis 1 Terabyte, drei eingebaute Mikrofone und der zwei Zoll große, drehbare OLED-Touchscreen. DJI nennt bis zu 210 Minuten Laufzeit unter günstigen 1080p-Bedingungen und eine Ladung von 0 auf 80 Prozent in 18 Minuten mit einem geeigneten USB-C-PD-Netzteil. Diese Werte stammen aus Herstellerprüfungen und sagen noch wenig darüber aus, wie lange 4K-Aufnahmen mit hoher Bildrate, aktivem Tracking und hellem Display tatsächlich möglich sind.
Ohne Smartphone filmen, aber nicht ohne App starten
Nach der Einrichtung lässt sich die Kamera eigenständig bedienen und kann Dateien per Kabel an einen Computer übertragen, vor der ersten regulären Nutzung verlangt DJI jedoch eine Aktivierung über die DJI-Mimo-App bei eingeschaltetem WLAN und Bluetooth. Die App dient außerdem der Gerätesteuerung, Übertragung, Bearbeitung und Firmware-Aktualisierung. In seinem Einsteigerleitfaden zur Pocket 4P weist DJI zudem darauf hin, dass die Kamera nicht gleichzeitig mit der Mimo-App und der kleinen Fernsteuerung Osmo FrameTap verbunden sein kann. Das ist keine dauerhafte Cloudpflicht für jede Aufnahme, wohl aber eine Abhängigkeit beim ersten Start und bei der Pflege der Gerätesoftware, die vor dem Kauf bekannt sein sollte.
Der FrameTap gehört zusammen mit einem DJI Mic Mini 2, Fülllicht, Ministativ und weiterem Zubehör zum Vlog Combo. Er zeigt eine Live-Ansicht und kann den Gimbal aus der Entfernung steuern, während die Standardausführung sparsamer ausgestattet ist. Für den Alltag bedeutet diese Zubehörlogik, dass der beworbene Funktionsumfang nicht in jedem Karton vollständig enthalten ist und der tatsächliche Preis vom geplanten Einsatz abhängt.
Der Abstand zur normalen Pocket 4 ist deutlich, aber gezielt
Die Osmo Pocket 4 bleibt die einfachere Alternative innerhalb derselben Familie. Sie besitzt nur das 20-Millimeter-Modul, wiegt rund 190,5 Gramm, bietet nach DJI-Angaben bis zu 14 Blendenstufen Dynamikumfang, 107 Gigabyte internen Speicher und eine längere Nennlaufzeit von bis zu 240 Minuten. Die Pocket 4P legt also nicht in jeder Disziplin zu: Sie ist etwa 40 Gramm schwerer, ihr größerer Gimbal beansprucht mehr Platz und die zweite Kamera verkürzt die nominelle Laufzeit. Der Aufpreis kauft in erster Linie die echte 60-Millimeter-Perspektive, den stärkeren Weitwinkelsensor mit D-Log 2 und erweitertes Tracking, nicht einfach pauschal „mehr Qualität“ in jedem Modus.
Genau darin liegt ihre Zielgruppe. Wer vor allem Selfie-Vlogs, Familienmomente oder kurze Reisesequenzen im Weitwinkel filmt und Material ohne aufwendige Farbkorrektur verwenden möchte, bekommt mit der normalen Pocket 4 einen großen Teil des Konzepts günstiger und leichter. Wer dagegen bewusst zwischen räumlichem Weitwinkel und verdichteten Porträts wechseln, kontrastreiche Szenen nachbearbeiten oder allein mit einer kleinen stabilisierten Kamera unterschiedliche Einstellungen drehen möchte, erhält mit der Pocket 4P einen sichtbaren gestalterischen Zugewinn. Ein aktuelles Spitzen-Smartphone bleibt spontaner und bündelt Aufnahme, Schnitt und Veröffentlichung in einem Gerät, während die DJI-Kamera eine zusätzliche Batterie, einen empfindlichen beweglichen Gimbal und einen eigenen Datei-Workflow mitbringt.
Preis, Verfügbarkeit und offene Fragen
DJI führte die Osmo Pocket 4P im Mai 2026 zunächst in Cannes vor; die reguläre internationale Markteinführung folgte am 30. Juli. Im deutschen DJI-Shop ist sie zum Stand vom 20. August 2026 bestellbar: Das Standard Combo kostet 599 Euro, das umfangreichere Vlog Combo 689 Euro. Die normale Osmo Pocket 4 beginnt offiziell bei 499 Euro. Zum Lieferumfang, zur Farbe und zu möglichen Aktionen sollte vor dem Kauf die jeweils gewählte Shop-Konfiguration geprüft werden, weil DJI mehrere Bundles führt und zeitlich begrenzte Preise verändern kann.
Die DJI Osmo Pocket 4P ist damit keine bloße Modellpflege und auch kein Ersatz für jede größere Kamera. Ihre technische Relevanz entsteht aus der Verbindung von mechanischer Stabilisierung, zwei echten Brennweiten und einem LOFIC-Sensor, dessen hoher Dynamikumfang zumindest im Weitwinkel durch unabhängige Messungen weitgehend gestützt wird. Offen bleiben ohne einen eigenen GadgetChecks-Test vor allem die Zuverlässigkeit von Autofokus und Tracking, die Wärmeentwicklung bei langen 4K-Aufnahmen, die reale Akkulaufzeit, der sichtbare Übergang zwischen beiden Kameramodulen, die Bedienung des größeren Gimbals und die Robustheit unterwegs. Erst ein Praxistest könnte zeigen, ob aus den starken Einzelideen ein ebenso überzeugendes Alltagswerkzeug wird.
Quellen und Transparenz
Dieser Beitrag ist eine recherchierte Produktvorstellung und kein Test. GadgetChecks hatte für diesen Artikel kein Testgerät; Aussagen zu Ausstattung, Lieferumfang, Laufzeit und Funktionen beruhen auf der deutschen Produktseite von DJI, dem offiziellen Einsteigerleitfaden und der Ankündigung zur ersten Präsentation in Cannes. Für die unabhängige technische Einordnung wurden der CineD-Labortest, der PetaPixel-Test und der T3-Praxistest mit Preis- und Marktstartangaben herangezogen. Preis und Verfügbarkeit wurden am 20. August 2026 geprüft.
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